Religion

So begehen Weinheimer Muslime in der Mevlana-Moschee den Ramadan

Die Fastenzeit im Islam, der Ramadan, ist angebrochen. Für 30 Tage leben Muslime „quasi in der Nacht“. Warum diese Zeit für die Gläubigen so wichtig ist.

Nach Sonnenuntergang wird in der Gemeinschaft aufgetischt: Zum Iftar, dem Fastenbrechen, sollte niemand alleine sein (Symbolbild). Foto: Adobe Stock
Nach Sonnenuntergang wird in der Gemeinschaft aufgetischt: Zum Iftar, dem Fastenbrechen, sollte niemand alleine sein (Symbolbild).

Weinheim. Kleine Monde und Moscheen aus schimmerndem Papier hängen von der Decke und funkeln über den Köpfen der gläubigen Muslime. Eine Girlande mit den Worten „Hos Geldin Ramazan“ schmückt den Eingangsbereich der Mevlana-Moschee in der Weinheimer Nordstadt. Daneben liegen Zettel, auf denen der Zeitplan der täglichen Gebete sowie des Sonnenauf- und Sonnenuntergangs auf die Minute genau aufgelistet ist. Der neunte Monat des islamischen Kalenders – der Ramadan – hat begonnen.

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Religiöse Pflicht

Das Fasten im Monat Ramadan ist eine im Koran verankerte religiöse Pflicht. Es ist die dritte von fünf Säulen des Islams. Das eigentliche Ziel ist es, die Anerkennung Gottes zu erlangen und seinen Körper und die Seele zu reinigen. In diesem Jahr verzichten die Muslime seit dem 1. März von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang auf Essen, Trinken, Sex, Rauchen oder sonstigen Luxus.

„Für uns ist der Ramadan wie Weihnachten oder Ostern für Christen“ - Fatma Mor

Mit einem freundlichen „Salam aleikum“ begrüßt Ishak Ünal, Vorsitzender der Moschee in Weinheim, jene Muslime, die zum Abendgebet in die Moschee kommen. Zusammen mit Fatma Mor, der Dialogbeauftragten der Türkisch-Islamischen Gemeinde in Weinheim, bereitet er alles für den Fastenmonat und die Gebete vor. „Wir schmücken die Moschee mit Symbolen und Lichterketten. So sagen wir 'Herzlich willkommen, Ramadan!'“, verrät Mor. Die 58-Jährige bietet seit 13 Jahren Moscheeführungen an, bei denen Interessierte viel zu den Glaubenshintergründen und Ritualen erfahren können, und beantwortet Frage. Gemeinsam sind die zwei Experten für den muslimischen Glauben. „Für uns ist der Ramadan wie Weihnachten oder Ostern für die Christen“, vergleicht Mor und fügt hinzu: „Es ist eine sehr besinnliche Zeit.“

„Herzlich willkommen, Ramadan“ steht auf Türkisch im Eingangsbereich der Mevlana-Moschee. Für Ishak Ünal (rechts) und Imam Orhan Civelekoglu ist der Fastenmonat eine „besinnliche Zeit“. Foto: Thomas Rittelmann
„Herzlich willkommen, Ramadan“ steht auf Türkisch im Eingangsbereich der Mevlana-Moschee. Für Ishak Ünal (rechts) und Imam Orhan Civelekoglu ist der Fastenmonat eine „besinnliche Zeit“.

„Man lebt quasi in der Nacht“

Doch anders als das christliche Weihnachtsfest wird der Ramadan nicht jedes Jahr zum gleichen Zeitpunkt begangen. Die islamische Kalenderrechnung richtet sich nach dem Mond und nicht, wie der im Westen gebräuchliche gregorianische Kalender, nach der Sonne. So verschiebt sich der neunte Monat der Muslime jedes Jahr um etwa elf Tage nach vorne. Entsprechend findet der Ramadan manchmal im Sommer statt. Das stellt die Muslime vor zusätzliche Herausforderungen. „Die Tage sind im Sommer natürlich länger. Deswegen ist das Fasten, und vor allem nicht zu trinken, anstrengender“, erklärt Ünal und sagt: „Man lebt quasi in der Nacht.“

Trotzdem freuen sich die Muslime immer auf den Ramadan – auch wenn das Fasten ist nicht ohne. „Am Anfang haben manche vielleicht Kopfschmerzen“, erklärt die 58-Jährige. „Aber man gewöhnt sich schnell an das Verzichten und dann hören die Kopfschmerzen auf.“ Schon nach kurzer Zeit fühle man sich besser und leichter.

Fatma Mor, die Dialogbeauftragte der Türkisch-Islamischen Gemeinde in Weinheim, hat die Moschee für den Fastenmonat geschmückt. „Ramazan Mubarak“ bedeutet froher Ramadan. Foto: Melissa Richter
Fatma Mor, die Dialogbeauftragte der Türkisch-Islamischen Gemeinde in Weinheim, hat die Moschee für den Fastenmonat geschmückt. „Ramazan Mubarak“ bedeutet froher Ramadan.

Mor: „Ich möchte am Ende gar nicht mehr aufhören zu fasten, weil ich mich so gut fühle“, kann sie berichten. Nicht alle gläubigen Muslime müssen fasten, es gibt Ausnahmen: Schwangere, stillende Mütter, Frauen in der Menstruation, Kranke, Altersschwache und Reisende sind ausgenommen.

„Wer die Möglichkeit hat, sollte den Fastenmonat nachholen“, erklärt der Vorsitzende Ishak Ünal. Falls das nicht möglich ist, kann alternativ Geld für Arme und Bedürftige gespendet werden. Ünal: „Es gelten 15 Euro pro Tag im Ramadan.“

Doch was ist zu tun, wenn man im Alltag in einem Moment der Gewohnheit oder Unachtsamkeit vergisst, dass man fastet, und unbeabsichtigt etwas zu sich nimmt? Auch dafür gibt es Regelungen. „Wenn man zum Beispiel unbewusst einen Schluck trinkt, das Wasser aber noch im Mund hat, soll man es ausspucken“, erklärt Mor. „Falls man den Schluck Wasser aber schon runtergeschluckt hat, ist es nicht schlimm. Dann hat Allah euch trinken lassen.“ Als Ausgleich fügt man am Ende des Monats einen Fastentag hinzu.

Gutes sprechen oder schweigen

Der Verzicht im Ramadan bezieht sich nicht nur auf das Essen und Trinken. Mor erklärt: „Wir sollen mit allen Organen und auch der Seele fasten.“ Schlechte Gedanken, Streitereien oder das Lästern über andere – hierauf soll auch besonders im Ramadan verzichtet werden. „Und auf das Fluchen sowieso“, ergänzt die 58-Jährige mit einem Schmunzeln. „Bei uns soll laut dem Koran entweder Gutes gesprochen oder geschwiegen werden.“ Falls jemand doch schlechte Gedanken hat, sollte er nicht zu den Gebeten kommen, denn: „Wenn man mit schlechten Gedanken in das Gebet kommt, wird es nicht angenommen“, erklärt Mor.

Die Lesungen aus dem Koran dienen als Quelle für positive Gedanken. Der Monat selbst ist Anlass, sich seiner Lebenssituation bewusst zu werden und das wertzuschätzen, was man hat und mit anderen teilt.

Der Ramadan ist in vielerlei Hinsicht ein Fest der Gemeinschaft. Die findet im Iftar, dem Fastenbrechen, ihren besonderen Ausdruck. Eigentlich wird das Fasten abends gemeinsam in der Weinheimer Moschee gebrochen, aber wegen Sanierungsarbeiten ist der große Saal aktuell geschlossen. „Deswegen laden wir uns abends gegenseitig zum gemeinsamen Essen ein. Zum Iftar sollte niemand alleine sein“, erzählt Mor. Jeder bereitet Gerichte vor und bringt das Essen mit, auf das er Lust hat. Traditionell wird das Fasten aber erst mit einer Dattel oder drei Schlucken Wasser gebrochen, bevor etwas anderes gegessen wird.

Zum Abschluss: Zuckerfest

Der Ramadan endet mit der „Nacht der Bestimmungen“. Hier beten die Muslime in der Hoffnung auf die Vergebung ihrer Sünden die ganze Nacht lang. Darauf folgt das „Fest des Fastenbrechens“, auch „Eid al-Fitr“ genannt. Es werden festliche Kleider angezogen, die Häuser werden geschmückt und es wird viel Süßes gegessen. Deswegen kennt man das letzte Fastenbrechen auch unter dem Begriff „Zuckerfest“.

Immer mehr Akzeptanz

Der Fastenmonat wird in Deutschland immer mehr wahrgenommen und trifft auf Akzeptanz. Das zeigt unter anderem das Grußwort des Bundeskanzlers Olaf Scholz zum Ramadan. Vorsitzender Ünal freut sich sehr darüber: „Wir sind auch ein Teil von Deutschland. Es ist schön, wenn unsere große Glaubensgemeinschaft Respekt erfährt.“