Sonnenstrom vom eigenen Dach

Deshalb hat sich eine PV-Anlage für Weinheimer Hausbesitzer Bögi gelohnt

Immer mehr Haushalte in Deutschland setzen auf Solarstrom – auch in Weinheim wächst die Zahl der Photovoltaik-Anlagen rasant. Die Stadt plant weitere Projekte auf kommunalen Gebäuden.

Seit Mai 2024 erzeugt die PV-Anlage von Christian Bögi Solarstrom für das Einfamilienhaus. Foto: Christian Bögi
Seit Mai 2024 erzeugt die PV-Anlage von Christian Bögi Solarstrom für das Einfamilienhaus.

Weinheim. Auf den Dächern im Gewann "An der Steinbüchse" glitzert es: denn auf fast allen wird mithilfe von Photovoltaik-Anlagen (PV) Sonnenstrom erzeugt. Seit Mai 2024 gehört auch das Haus von Christian Bögi dazu. "Ich hielt es für eine charmante Idee, unseren Eigenbedarf auf umweltfreundliche Weise zu decken", erklärt der 53-Jährige seine Beweggründe für die Installation.

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Er und seine Familie entschieden sich im Oktober 2023 endgültig für die Investition in eine PV-Anlage. Von der Planung über Beratung und der Auswahl eines Angebots vergingen mehrere Monate: Ende März 2024 gingen die Solarmodule der Bögis schlussendlich ans Netz.

Immer mehr deutsche Haushalte setzten auf Solarstrom

Die Weinheimer Familie ist kein Einzelfall: Immer mehr deutsche Haushalte setzten auf Solarstrom. Laut des Statistischen Bundesamts erzeugten im April 2024 hierzulande gut 3,4 Millionen Photovoltaik-Anlagen eine Nennleistung von insgesamt rund 81.500 Megawatt. Diese Entwicklung spiegelt sich auch im wachsenden Anteil erneuerbarer Energien wider: 2023 machten sie bereits 56 Prozent der in Deutschland erzeugten Strommenge aus.

Die Anzahl der Photovoltaikanlagen in Deutschland nimmt kontinuierlich zu. Im vergangenen Jahr überstieg sie erstmals die Marke von drei Millionen.
Die Anzahl der Photovoltaikanlagen in Deutschland nimmt kontinuierlich zu. Im vergangenen Jahr überstieg sie erstmals die Marke von drei Millionen.

Der Trend zeigt sich auch auf lokaler Ebene: Bis 2040 soll der gesamte Energiebedarf Weinheims bilanziell aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden. "Photovoltaik spielt dabei eine entscheidende Rolle", betont Ralf Schwind, Beauftragter für die klimaneutrale Verwaltung. Aktuell stammen 28 Prozent des verbrauchten Stroms aus regenerativen Energien, davon 18 Prozent aus Solaranlagen. Wird das volle Ausbaupotenzial ausgeschöpft, könnte die Stadt künftig sogar mehr Elektrizität erzeugen, als sie benötigt.

Ende Januar 2025 waren in Weinheim rund 2.440 Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 28.700 Kilowatt-Peak (kWp) in Betrieb. Im Laufe des Jahres ist auf kommunalen Gebäuden ein Zubau von 600 bis 700 kWp geplant. Zu den Projekten gehören unter anderem Anlagen auf der DBS-Sporthalle, dem Viktor-Dulger-Bad und dem Freibad der TSG 1862 Weinheim.

PV-Anlage soll bei Freibadöffnung in Betrieb genommen werden

"Im Waldschwimmbad befindet sich die Anlage derzeit im Bau", sagt Ralf Schwind. Vor der Eröffnung der Badesaison soll sie in Betrieb gehen und vorrangig die Pumpen der Abwasseranlagen mit Strom versorgen. "Dadurch könnten bis zu 25.000 Euro an Energiekosten eingespart werden", erklärt er. Zusätzlich bieten ungenutzte kommunale Dächer weiteres Potenzial für 2.000 kWp an Solarleistung.

Doch lohnt sich der Strom vom eigenen Dach? "Ja und Nein", meint Ralf Schwind. "Das hängt stark von den aktuellen Gesetzesvorgaben ab." Die Installation einer Photovoltaik-Anlage erfordert zunächst eine größere Investition. Abhängig von der verfügbaren Fläche variieren die Kosten zwischen 10.000 und 33.000 Euro – ohne Energiespeicher und Montage.

Zahlreiche Vorteile

Dennoch bietet Solarenergie zahlreiche Vorteile: Sie senkt die laufenden Stromkosten, macht unabhängiger von Preisschwankungen und wirkt sich langfristig positiv auf die Energiekosten aus, insbesondere durch die CO₂-Bepreisung. Haushalte mit hohem Eigenverbrauch profitieren besonders. "Je mehr Strom man selbst nutzt, desto lukrativer ist die Anlage", erklärt Schwind.

Hinzu kommt, dass private Haushalte nicht nur für den Eigenbedarf produzieren, sondern überschüssige Energie ins Netz einspeisen. 2022 erzielten 4,7 Prozent der Haushalte – rund 1,81 Millionen – Einnahmen durch den Verkauf von Solarstrom. 2015 lag dieser Anteil noch bei 3,1 Prozent (1,17 Millionen Haushalte).

Windenergie war 2023 mit 137,8 TWh der größte Stromerzeuger, gefolgt von Braunkohle (87,5 TWh) und Erdgas (80,0 TWh). Photovoltaik trug 61,1 TWh zur Stromproduktion bei.
Windenergie war 2023 mit 137,8 TWh der größte Stromerzeuger, gefolgt von Braunkohle (87,5 TWh) und Erdgas (80,0 TWh). Photovoltaik trug 61,1 TWh zur Stromproduktion bei.

Moderne Photovoltaikmodule haben eine Lebensdauer von 30 bis 40 Jahren, wobei die jährliche Leistungsminderung (Degradationsrate) lediglich 0,2 bis 0,4 Prozent beträgt. Trotz hoher Anfangsinvestitionen amortisieren sich die Anlagen nach einem Zeitraum von 10 bis 15 Jahren langfristig.

Nächster Schritt in Richtung Nachhaltigkeit schon geplant

Christian Bögi ist mit seiner Entscheidung für die Solarmodule auf seinem Dach sehr zufrieden: "Seit der Inbetriebnahme unserer Anlage haben wir 2024 unsere Stromkosten halbiert." Eine durchschnittliche PV-Anlage für einen Vier-Personen-Haushalt wie den der Familie Bögi erzeugt 5 bis 10 Kilowatt-Peak (kWp). Über eine Handy-App kann die Familie jederzeit nachvollziehen, wie viel Energie sie produziert und verbraucht.

Den nächsten Schritt in Richtung unabhängige und nachhaltige Energieversorgung hat er bereits geplant: "Mittel- bis langfristig möchten wir uns auch ein Elektroauto anschaffen und mit Solarstrom laden", sagt der Familienvater.