Weinheim

Tierisch bis tragisch: Die brenzligsten Einsätze der Weinheimer Feuerwehr

Ein Uhu im Schlafzimmer, eine Wasserfontäne mit 15 Metern Höhe oder ein beherzter 32-Jähriger, der ein Menschenleben rettet. Das sind nur drei der vielen Einsätze, die die Weinheimer Feuerwehr 2024 bewältigte.

Brände und Verkehrsunfälle prägten das Jahr bei den Weinheimer Feuerwehren. Das Bild zeigt einen Pkw-Brand auf der A5. Foto: Feuerwehr Weinheim
Brände und Verkehrsunfälle prägten das Jahr bei den Weinheimer Feuerwehren. Das Bild zeigt einen Pkw-Brand auf der A5.

Weinheim. Die Weinheimer Feuerwehren waren 2024 stark gefragt. Im Durchschnitt verging keine Woche ohne einen Brand, wie Feuerwehrkommandant Ralf Mittelbach beim Jahresgespräch vergangene Woche betonte (siehe weiteren Artikel). Zwar war ihre Gesamtanzahl geringer als 2023, in dem es 106 Brände gegeben hatte. „Aber die, die wir hatten, hatten es in sich“, so Mittelbach.

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Die Vereinsgaststätte des KSV Steinklingen stand in Flammen. Dichter Rauch dringt aus dem Dachstuhl. Foto: Carsten Propp
Die Vereinsgaststätte des KSV Steinklingen stand in Flammen. Dichter Rauch dringt aus dem Dachstuhl.

Und schon in den ersten Tagen des jungen Jahres ging es los. 2024 gab es kaum Verschnaufpause, da mussten schon wieder die Atemschutzmasken angezogen werden. Mit einem Großaufgebot rückten die Feuerwehrkräfte zu einem Brand im Vereinshaus des KSV Steinklingen aus. „Das ist eine Katastrophe“, kommentierte Vorsitzender Kurt Jäger, der mitansehen musste, wie der Dachstuhl des geliebten Vereinstreffpunktes durch das Feuer völlig zerstört wurde. Mit ihm gingen rund 100 000 Euro in Flammen auf. Verletzt wurde glücklicherweise niemand.

Die Feuerwehr und das THW müssen auch nach Stunden immer wieder Strohballen löschen. Foto: Philipp Reimer Fotografie
Die Feuerwehr und das THW müssen auch nach Stunden immer wieder Strohballen löschen.

Auch ansonsten war der Jahresbeginn einsatzreich: Bei einem Küchenbrand in der Stettiner Straße musste eine Bewohnerin aus ihrem Haus gerettet werden. Eine Lampe in der Sulzbacher Bachgasse führte zu einem Feuer in einem Schlafzimmer. Und in Hirschberg musste die Weinheimer Feuerwehr aushelfen, weil sage und schreibe 300 Strohballen lichterloh brannten. Dann wurde es etwas ruhiger – jedenfalls, was Großeinsätze anbelangte.

Der Mercedes-AMG wurde schwer am Heck beschädigt. Foto: Priebe/pr-video
Der Mercedes-AMG wurde schwer am Heck beschädigt.

Im Frühjahr änderte sich das schlagartig. Insbesondere der April war von teils schweren Verkehrsunfällen geprägt, bei denen die Brandschützer immer wieder gefragt waren, um etwa Unfallstellen zu sichern oder Menschen aus ihren Fahrzeugen herauszuschneiden. Bereits am Anfang des Monats ging es bei zwei Unfällen an zwei Tagen Schlag auf Schlag. Die Gesamtbilanz: elf Verletzte (darunter fünf Kinder und Jugendliche) sowie geschätzte 88 000 Euro Schaden. Besonders folgenreich war dabei der Zusammenstoß zwischen einem Opel Astra und einem Mercedes Sprinter. Der führte zum Stau. Und wie es bei Staus leider immer wieder der Fall ist, führte auch dieser zu Folgeunfällen. So fuhr ein Wagen einem Mercedes-AMG auf, in dem drei Kinder (ein, zwei und acht Jahre) sowie deren Eltern saßen. Der Benz wurde durch die Wucht des Aufpralls auf zwei vorausfahrende BMW geschoben.

Der Opel Astra überschlug sich und landete auf dem Dach. Foto: Priebe/pr-video
Der Opel Astra überschlug sich und landete auf dem Dach.

Die Insassen des Mercedes wie auch einer der BMW-Fahrer mussten in umliegende Krankenhäuser gebracht werden. Zu allem Übel stellte sich heraus, dass der Verursacher des Unfalls am Stauende gar nicht hinter dem Steuer hätte sitzen dürfen. Er war trotz Fahrerlaubnissperre unterwegs.

Kurz darauf ereignete sich der tragischste Unfall in diesem Jahr. Er kostete einen erst 35 Jahre alten Mann sein Leben. Er hatte kurz zuvor wegen einer Panne auf dem Standstreifen gehalten. Als der 35-Jährige gerade dabei war, seine Reifen zu wechseln, kam ein Lkw angerauscht und erfasste ihn.

Rettungseinsatz in der Merianstraße in Weinheim. Ein Bauarbeiter stürzte durch ein Baugerüst und wurde schwer verletzt. Foto: Feuerwehr Weinheim
Rettungseinsatz in der Merianstraße in Weinheim. Ein Bauarbeiter stürzte durch ein Baugerüst und wurde schwer verletzt.

Unfälle passieren nicht nur auf der Straße, sondern auch am Arbeitsplatz. Davon musste sich die Feuerwehr wenige Tage später selbst überzeugen. In der Merianstraße war ein Bauarbeiter durch ein Brett gebrochen und auf eine tiefer gelegene Ebene gestürzt. Die Feuerwehr sicherte das Baugerüst, während die Polizei die Straße für die Dauer der Rettungsmaßnahmen sperrte. Mithilfe einer Rettungsplattform und einer Drehleiter wurde der Verletzte behutsam geborgen und zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus gebracht.

Das Feuer war im siebten Stock eines Hochhauses am Multring in Weinheim ausgebrochen. Foto: PR-Video/Priebe
Das Feuer war im siebten Stock eines Hochhauses am Multring in Weinheim ausgebrochen.

Aus der Ferne wirkte das Weinheimer Hochhaus am Multring wie ein mächtiger Schornstein: Die Rauchsäule, die dort im Mai wegen eines Brandes im siebten Stock emporstieg, war kilometerweit zu sehen. Brandherd war die Küche eines älteren Ehepaares. Von dort aus breiteten sich die Flammen rasend schnell auf Boden und Mobiliar aus. „Die Böden in den Wohnungen sind aus Parkett. Das brennt natürlich wie Zunder“, sagte Hausbewohnerin Brigitte Lehmann unserer Zeitung. Die Wohnung der betroffenen Senioren, einem 74-Jährigen und einer 79-Jährigen, wurde völlig zerstört. Das Ehepaar verlor sein Zuhause. Glücklicherweise konnten sie auf die Hilfe von guten Freunden zählen, die ihnen Obdach gaben. Der Schaden: über 200 000 Euro. Aber die beiden kamen mit dem Schrecken davon.

Bei einem tödlichen Brand im Hirschberger Ortsteil Großsachsen starb ein Mann. Foto: Feuerwehr Weinheim
Bei einem tödlichen Brand im Hirschberger Ortsteil Großsachsen starb ein Mann.

Das war bei einem Feuer zwei Wochen später leider nicht der Fall. In der Hirschberger Talsiedlung wurde ein brennendes Reihenendhaus für dessen 52-jährigen Bewohner zur Todesfalle. Die Freiwilligen Feuerwehren Hirschberg und Weinheim, die mit 35 Mann vor Ort waren, konnten die Flammen zwar schnell unter Kontrolle bringen und rasch löschen. Für den 52-Jährigen kam jedoch jede Hilfe zu spät, er war während des Brandgeschehens bereits tödlich verletzt worden. Reanimationsversuche blieben erfolglos. Er verstarb noch vor Ort.

Feuerwehrmann Philipp Fischer aus Castrop-Rauxel rettete einen Anwohner der Straße "Am Drachenstein" aus seinem brennenden Haus. Foto: Collage: Verena Müller/privat
Feuerwehrmann Philipp Fischer aus Castrop-Rauxel rettete einen Anwohner der Straße "Am Drachenstein" aus seinem brennenden Haus.

Ein Weinheimer hätte dieses Schicksal einen Monat später um ein Haar geteilt. Wäre da nicht zufällig der beherzte Feuerwehrmann Philipp Fischer aus Castrop-Rauxel an dem brennenden Haus in der Straße „Am Drachenstein“ vorbeigefahren. Selbstlos setzte er die eigene Gesundheit aufs Spiel, um den 62-Jährigen aus seiner Wohnung zu zerren. Statt eines Atemschutzgerätes hielt sich der 32-Jährige die Jacke vor Mund und Nase und preschte ins Erdgeschoss. Doch der Bewohner wehrte sich. „Später hat sich herausgestellt, dass er dachte, er könnte das Feuer selbst löschen. Dabei hätte es bei all dem Rauch keine Minute mehr gedauert, und er wäre auf dem Boden gelegen“, erläuterte Berufsfeuerwehrmann Philipp Fischer unserem Reporter.

Schon von Weitem sah man die Wassersäule in Sulzbach. Foto: Roland Kern
Schon von Weitem sah man die Wassersäule in Sulzbach.

Mit einem ganz anderen Element bekam es die Feuerwehr im selben Monat zu tun. Eine Wasserfontäne schoss am Sulzbacher Dammweg 15 Meter hoch in den Himmel. Entsprechend weit war das Spektakel zu sehen – sogar von der angrenzenden Autobahn aus meldeten Zeugen den Vorfall. Ein Bagger hatte die Hauptleitung beschädigt. Doch die schlimmste Befürchtung blieb aus. Denn die Wasserversorgung hielt stand.

Der vielleicht schönste Moment im Feuerwehrjahr: Uhu Uwe wird von Falkner Karsten Fath (links) und Sohn Florian in die Freiheit entlassen. Foto: Thomas Rittelmann
Der vielleicht schönste Moment im Feuerwehrjahr: Uhu Uwe wird von Falkner Karsten Fath (links) und Sohn Florian in die Freiheit entlassen.

Nicht die Katze vom Baum, aber einen Uhu aus dem Schlafzimmer rettete Feuerwehrmann und Falkner Karsten Fath. Die Eule verirrte sich im Juli in das Mehrfamilienhaus der Nordstädterin Gerlinde Wild. Uhu Uwe, wie er später getauft wurde, ging es gar nicht gut. Er hatte sich auf seinem Irrflug verletzt. Gott sei Dank rettete Fath das Tier nicht nur aus dem Haus, sondern päppelte es auch wieder auf. Vier Wochen später war es dann so weit: Bei einem Termin mit den lokalen Medien wurde Uwe im August wieder in die Freiheit entlassen. Es war einer von wenigen schönen Momenten der Weinheimer Feuerwehr im Spätsommer 2024.

Der Fahrer des VW-Busses hatte einen medizinischen Notfall. Das Fahrzeug rammte mehrere parkende Pkw. Foto: Gabriel Schwab
Der Fahrer des VW-Busses hatte einen medizinischen Notfall. Das Fahrzeug rammte mehrere parkende Pkw.

Ähnlich wie im Frühjahr hielten Verkehrsunfälle die Brandschützer auf Trab. Schwere Vorkommnisse ereigneten sich unter anderem in der Birkenauer Talstraße, in der Luisenstraße und auf der B 38.

Susanne Tröscher (rechts) bespricht mit der Restauratorin Sonia Frank-Luron das weitere Vorgehen. Foto: Marco Schilling
Susanne Tröscher (rechts) bespricht mit der Restauratorin Sonia Frank-Luron das weitere Vorgehen.

Zu einer weiteren Überlandhilfe in Hirschberg rückte die Weinheimer Feuerwehr im Oktober aus. Nach einer Feier von Jugendlichen kam es zum Küchenbrand und Feuer brach in der denkmalgeschützten Eventlocation „Kurpfälzer Zollhof“ aus. Die Wände: schwarz. Die Geräte: verbrannt. Die Küchenplatte: dick mit Ruß belegt. „Der Raum wurde bei dem Brand komplett zerstört. Ganz schlimm war der verbrannte Kunststoff. Die Flammen zogen nach oben und hinterließen ihre Spuren“, schilderte Inhaberin Susanne Tröscher. Die Jugendlichen hatten großes Glück und konnten sich retten. Den Sachschaden schätzte Tröscher auf eine halbe Million Euro. Die Eventlocation ist bis heute geschlossen.

Die Salz- und Kristalltherme des Miramar wurde völlig zerstört. Foto: Philipp Reimer Fotografie
Die Salz- und Kristalltherme des Miramar wurde völlig zerstört.

Das Jahr endete für die Feuerwehr mit einem Großbrand, der zumindest in Sachen Zerstörungswut alle bisherigen Einsätze in den Schatten stellte. Die Rede ist von dem Feuer im Miramar. In dem Freizeitbad wüteten im Thermebereich die Flammen. Der Schaden wurde von den Betreibern auf mehr als zehn Millionen Euro geschätzt. Der genaue Schaden ist bis heute nicht absehbar. Wann das Freizeitbad wieder eröffnen kann: dito. Erst kürzlich stellte sich heraus, dass die Hitze des Feuers in der Therme auch das Dach des Zwischengebäudes, in dem sich die Umkleiden für das gesamte Freizeitbad befinden, in Mitleidenschaft gezogen hat.

Nach diesem schwierigen Jahr für die Weinheimer Feuerwehren gab es sie zumindest an Silvester, die dringend benötigte Verschnaufpause. „Beim Jahreswechsel von 2024 auf 2025 konnte man eine einsatzfreie Feier verzeichnen“, so Claus Schmitt von der Feuerwehr Weinheim.