Rehkitzrettung Weinheim und Umgebung Finalist für "Tierschutz-Oscar"
Zu wenig Personal, fehlendes Geld und rechtliche Unsicherheit: Jetzt gibt es endlich einmal positive Nachrichten für die tierisch guten Alltagshelden!
Die Rehkitzrettung Weinheim und Umgebung ist für den Publikumspreis des Deutschen Tierschutzbundes nominiert. Und nicht nur das: Die Alltagshelden, die vor allem in der Brut- und Setzzeit aktiv sind und Felder nach Babytieren absuchen, sind sogar unter den fünf Finalisten. Dabei haben sich die Weinheimer bei der Jury rund um den Tierschutzbund-Präsidenten Thomas Schröder gegen über 500 Einrichtungen durchgesetzt. Da es sich beim Deutschen Tierschutzbund um den größten Verein handelt, der sich dem Wohl von Lebewesen verschrieben hat, stellt die Auszeichnung die wichtigste ihrer Art dar. Sie ist quasi der "Tierschutz-Oscar". Der Gewinner mit den meisten Stimmen wird am 22. November in Berlin im Rahmen einer feierlichen Gala mit dem mit 3000 Euro dotierten Publikumspreis geehrt.
Eine bittersüße Überraschung
Für den Kopf der Rehkitzrettung ist es eine bittersüße Überraschung: "Natürlich freuen wir uns sehr über die Anerkennung, unter den fünf Finalisten zu sein", so Michael Ehlers. "Aber es ist auch ein komisches Gefühl und nicht wie bei einem sportlichen Wettkampf. Denn bei allen Finalisten handelt es sich um mega tolle Projekte, die es verdient haben, zu gewinnen."
Es wäre aber schon eine schöne Wertschätzung für sein Team und all die unzähligen Stunden, die die Rehkitzretter monatelang draußen im Feld verbringen, um Tiere vor den Klingen von Mähwerken zu schützen. Das tun sie seit 2018 bei 50 bis 60 Einsätzen während der Brut- und Setzzeit. Dabei werden vornehmlich Rehe, aber auch Hasen, Igel, Füchse und Bodenbrüter gerettet. Und zwar pro Saison 120 bis 200 Tiere.
Was macht eine Rehkitzrettung?
- Rehkitzrettungen sind Tierschutzinitiativen, die junge Rehe vor dem Tod durch landwirtschaftliche Mähmaschinen bewahren.
- Während der Brut- und Setzzeit, meist von April bis Juli, legen Landwirte ihre Felder für die Ernte frei.
- Dabei verstecken sich junge Rehkitze oft im hohen Gras und verharren dort regungslos, was sie schwer sichtbar und besonders gefährdet macht.
- Die Rehkitzrettung setzt vor allem auf Drohnen mit Wärmebildkameras, um die Tiere aus der Luft zu orten.
- Diese Technik erlaubt es, Rehkitze frühzeitig im Feld zu erkennen, bevor die Mähmaschinen starten.
- Ein Team von Helfern birgt dann die Kitze behutsam, bringt sie in Sicherheit und setzt sie nach dem Mähen wieder frei.
- Auf diese Weise wird verhindert, dass die Kitze durch die Maschinen verletzt oder getötet werden.
- Die Arbeit der Rehkitzrettung erfolgt oft in den frühen Morgenstunden, um rechtzeitig alle Tiere zu sichern.
Preisgeld ist Nebensache
Die Würdigung hierfür erachtet Ehlers als wichtiger als das Preisgeld von 3000 Euro. Wenngleich die Rehkitzrettung das Geld sehr gut gebrauchen könnte. Denn etwa auf dieser Höhe bewegten sich die Ausgaben, welche die Rehkitzrettung in der aktuellen Saison hatte. Mit 1200 Euro Spendengeldern konnte noch nicht einmal die Hälfte der Kosten für Ausrüstung und Sprit wieder ausgeglichen werden. "3000 Euro - dafür könnte man schon wieder eine halbe Drohne kaufen", erläutert Ehlers. Ein leistungsfähiger Quadrocopter samt Wärmebildkamera koste gut und gerne 6000 Euro. "Hinzu kommen Ausgaben für Akku, Stativ, Bildschirm und so weiter", sagt er.
Nicht nur finanziell, auch personell haben die Tierschützer zu knabbern. Michael Ehlers wird sich aus gesundheitlichen Gründen aus dem "aktiven" Einsatzgeschehen zurückziehen müssen. Das körperlich anstrengende Absuchen der Felder und retten von Rehkitzen sei ihm in Zukunft nicht mehr möglich. Das gelte leider auch für seine Pilotentätigkeit. Früher grasten Menschenketten die Felder ab, heute werden sie mit Drohnen samt Wärmebildkamera überflogen. Das Navigieren will jedoch gelernt sein. Und nach jetzigem Stand verfügt die Rehkitzrettung ohne Ehlers nur noch über ein Mitglied, das dazu in der Lage ist. "Wir suchen deshalb dringend nach weiteren Piloten", appelliert der Tierschützer an Interessierte. Diese können sich per E-Mail an rehkitzrettung.weinheim@gmail.com melden.
Ungewissheit herrscht mit Blick auf die kommende Brut- und Setzzeit auch in puncto "Afrikanische Schweinepest". Aufgrund der Allgemeinverfügung des Landratsamtes des Rhein-Neckar-Kreises sei noch nicht klar, wie frei die Rehkitzretter 2025 agieren können.
Hier kannst du bis zum 31. Oktober deine Stimme für die Rehkitzrettung Weinheim und Umgebung abgeben.