Trauer um Helene Eggert
Sie war von 1994 bis 1999 und von 2005 bis 2013 Stadträtin für die Grünen/Alternative Liste (GAL) im Weinheimer Gemeinderat. Aber Helene Eggert war mehr als das: „Sie war unser sozial- und frauenpolitisches Gewissen“, berichtet Elisabeth Kramer, damals wie heute Vorsitzende der GAL-Fraktion: „Und wenn sie mal wieder angeeckt ist, dann hat ihr das überhaupt nichts ausgemacht.“
Wie die GAL am Mittwoch mitteilte, ist Helene Eggert am 29. Juli in Bad Homburg gestorben, wo sie seit 2019 in einem Seniorenheim gelebt hatte, umsorgt von ihren fünf Kindern, fünf Enkeln und drei Urenkeln. Die Trauerfeier für Helene Eggert findet im September auf dem Weinheimer Friedhof statt.
Geboren wurde Helene Eggert am 1. März 1929 in Stuttgart; dort studierte sie Politikwissenschaften und Philosophie. Als Angestellte der Pädagogischen Hochschule Heidelberg war sie später Personalrätin und brachte sich für die Gewerkschaft in Tarifverhandlungen ein. Parallel engagierte sie sich in der Erwachsenenbildung und gab Philosophie-Kurse an der Volkshochschule.
Als sie 1994 erstmals für die GAL kandidierte, wurde sie gleich gewählt und brachte sich als Stadträtin in den Bereichen Kinder-, Jugend- und Sozialpolitik ein. Nachdem sie 1999 nicht wiedergewählt worden war, fand sie schnell ein neues Betätigungsfeld: Das Weinheimer Stadtarchiv wünschte sich eine heimatgeschichtliche Aufarbeitung des Bender’schen Instituts.
Das Resultat war eine akribisch recherchierte Doktorarbeit, die einen neuen bildungsgeschichtlichen Blick ermöglicht auf die Reformpädagogik der Brüder Bender. Beim Abschluss dieser Arbeit, die von den Professoren mit „Summa cum laude“ bewertet wurde, war Helene Eggert 77 Jahre alt – und zu recht stolz darauf. Das Buch „Pioniere der Reformpädagogik“ ist noch immer erhältlich.
2005 kam sie wieder in den Gemeinderat, als Nachrückerin. Sie blieb der Fraktion treu bis 2013. Als 84-Jährige nahm sie nach dem Tod ihres Mannes Konrad schließlich Abschied vom Mandat, blieb aber weiterhin aktiv. Beim AK Asyl half sie Flüchtlingen beim Deutschlernen. Schließlich war sie von Kindheit an politisch interessiert, geprägt durch ihr sozialdemokratisches Elternhaus.
Klare Haltung zeigte sie auch im Hinblick auf die Umtriebe von Rechtsaußen. So reagierte sie mit großer Enttäuschung und Unverständnis, als ihrem Wunsch nach Streichung der Ehrenbürgerwürde Paul von Hindenburgs nicht entsprochen wurde.