Weinheim / Bergstraße / Odenwald

Nach Übernachtungs-Rekord: Boomt der Tourismus auch in der Region?

Im März 2024 gab es so viele Übernachtungen in den deutschen Herbergsbetrieben, wie in keinem März zuvor. Aber ist dieser Boom auch in Weinheim, an der Bergstraße und im südhessischen Odenwald zu spüren?

Vier Jahre nach der Pandemie erholt sich die Hotelbranche langsam. Von Rekordbrüchen ist in der Region allerdings nichts zu spüren. Foto: Fritz Kopetzky
Vier Jahre nach der Pandemie erholt sich die Hotelbranche langsam. Von Rekordbrüchen ist in der Region allerdings nichts zu spüren.

Der Tourismus boomt, Übernachtungsrekorde werden gebrochen: Im März 2024 hat es laut vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes mehr Übernachtungen gegeben, als jemals zuvor in einem März. Nämlich 35,6 Millionen – das entspricht 12,3 Prozent mehr als im März 2023 und 2,5 Millionen beziehungsweise 7,5 Prozent mehr als im bisherigen Rekordmärz 2018. In Weinheim, an der Bergstraße und im südhessischen Odenwald lässt der Boom aber noch auf sich warten.

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Im Rhein-Neckar-Kreis nahm Daten des Statistischen Landesamtes zufolge die Zahl der Übernachtungen mit 95 300 im Vergleich zum Vorjahresmonat zwar um 7,6 Prozent zu, konnte jedoch nicht den Vorpandemie-Stand aus dem Jahr 2019 erreichen. Knapp 15 000-mal übernachteten waren Auslandsgäste (+14,9 Prozent).

Dieses langsamere Wachstum folgt dem Trend des Vorjahres: Nach dem fast schon als Explosion zu bezeichnenden Boom im Jahr 2022 mit Veränderungen zum Vorjahresmonat von 136 Prozent, hatte sich die Zunahme der Übernachtungszahlen bereits im vergangenen Jahr deutlich auf 74 Prozent reduziert.


Auch jenseits der Landesgrenze im Kreis Bergstraße wächst die Zahl der Übernachtungen, nämlich um 11,2 Prozent, auf rund 50300 Übernachtungen im März 2024. Damit verfehlt der Kreis zwar ebenfalls die Werte von 2019 (57 730 Übernachtungen), setzt aber den Aufwärtstrend der vergangenen Jahre fort.

Weinheim und Bergstraße: Übernachtungszahlen gehen leicht zurück

In den zehn Weinheimer Betrieben konnten im März 2024 rund 7800 Übernachtungen verbucht werden – ein kleines Minus von 643 Übernachtungen im Vergleich zum Vorjahresmonat. An die Vor-Pandemiezeit konnten die Weinheimer Betriebe noch nicht wieder anschließen. 1700 Übernachtungen, was rund 22 Prozent entspricht, machten im März 2024 Auslandsgäste aus - etwas weniger als im Vorjahr.


In Hirschberg gab es in den vier Betrieben insgesamt 2324 Übernachtungen, 186 weniger als im März 2023 und etwa 680 weniger als im Jahr 2019. Aktuelle Zahlen zu Übernachtungen von Auslandsgästen sowie die Daten aus Hemsbach und Laudenbach sind nicht öffentlich und unterliegen der statistischen Geheimhaltung.

Odenwald: Langsames Wachstum statt Boom

Die Geschwindigkeit des Anstiegs lässt aber - wenig überraschend - stark nach. Ausländische Gäste übernachteten 2024 7240-mal im Kreis Bergstraße, was einem kleinen Minus von 0,7 Prozent entspricht und damit an das Niveau der Jahre 2023 (7401 Übernachtungen) und 2022 (7120 Übernachtungen) anknüpft.

Die Kommunen Birkenau (1055 Übernachtungen, + 15,4 Prozent), Grasellenbach (3873 Übernachtungen, + 21,3 Prozent) und Wald-Michelbach (2500 Übernachtungen, + 37,4 Prozent) können laut Daten des Statistischen Landesamtes Hessen alle ein Plus im Vergleich zum Vorjahresmonat verzeichnen.


Die Überwaldgemeinde Grasellenbach hat die Werte von 2019 sogar um 22 Übernachtungen übertroffen. Aber auch Birkenau ist nah am Vor-Pandemie-Niveau, denn im März 2019 gab es lediglich 66 Übernachtungen mehr als im März 2024.

Dennoch: Das Wachstum wird nach der Explosion zum Ende der Corona-Beschränkungen deutlich langsamer: Im Jahr 2022 war es noch ein Plus von fast 160 Prozent in Wald-Michelbach oder 97 Prozent in Birkenau.

Dehoga BW: Kein Boom durch Fußball-EM?

Ob der Tourismus-Boom in den kommenden Monaten doch noch Einzug erhält? Schließlich steht die Fußball-Europameisterschaft an, die unter anderem in Stuttgart und Frankfurt ausgetragen wird, maximal 150 Kilometer entfernt von Weinheim.

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) weist auf Anfrage auf eine bundesweite Umfrage hin. Das Ergebnis: Welche und ob es Effekte geben werde, sei vor allem vom Standort abhängig – nämlich ob sich die Betriebe an einem Austragungsort befinden oder nicht.

Bezogen auf die gesamte Branche würden lediglich etwa 15,5 Prozent der Befragten überhaupt mit positiven Impulsen rechnen, während rund zwei Drittel keine Auswirkungen erwarten würden. Drei Viertel rechnen auch nicht mit mehr Gästen oder mehr Umsatz.


Etwas optimistischer sind die Hotel- und Gastronomiebetriebe an den Spielorten: Während rund 46 Prozent mit positiven Effekten rechnen, verneinen das etwa 33 Prozent. Der Rest könne das noch nicht beurteilen. In Sachen Gast- und Umsatzzuwachs halten sich Betriebe, die mit mehr Umsatz und Gästen rechnen, und jene, die keine Veränderungen voraussagen, die Waage.

Aber wie sieht es mit den Buchungen im EM-Zeitraum aus? Das Bild ist laut einer Sprecherin des Dehoga Baden-Württemberg durchwachsen: 29 Prozent dieser Betriebe würden bestätigen, dass ihr Buchungsstand bisher für den Zeitraum vom 14. Juni bis zum 14. Juli 2024 im Vergleich zum Vorjahr besser sei. Aber rund 33 Prozent geben aber an, dass er schlechter sei.

„41 Prozent rechnen mit mehr Gästen, 31 Prozent nicht. Die Frage nach mehr Umsatz hält sich die Waage: Jeweils 38 Prozent Ja- und Nein-Stimmen“, antwortet die Sprecherin.

Dennoch erhofft sich der Verband positive Impulse durch die EM: „Auch wenn nicht alle Gastgeber unmittelbar von einem sportlichen Megaereignis dieser Art profitieren, sind die möglichen positiven Effekte für eine Stimmungsaufhellung im Land und für die Stärkung des Tourismusstandortes Deutschland nicht zu unterschätzen“, wird Dehoga-Präsident Guido Zöllick in der Mitteilung zitiert.