Viele Unternehmen in Südhessen wollen Stellen abbauen
Die IHK hat 900 Unternehmen in Südhessen gefragt: Wie laufen die Geschäfte? Welche Branchen wenig Gutes zu berichten haben und welche positiv in die Zukunft schauen.
Die südhessische Wirtschaft kann sich von der konjunkturellen Talfahrt Deutschlands nicht abkoppeln. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Darmstadt Rhein Main Neckar, für die sie rund 900 Unternehmen aus der Region befragt hat. Industrie und Dienstleister, darunter insbesondere der Einzelhandel, berichten von schlechten Geschäften, im Baugewerbe ist es nur wenig besser. Für die nächsten Monate befürchten viele Unternehmen eine weitere Verschlechterung, heißt es in der Pressemitteilung der IHK.
Der IHK-Geschäftsklimaindex fasst demnach Lage und Erwartung der Unternehmen zusammen. Gegenüber Herbst 2023 verliert der Index einen, gegenüber Jahresbeginn 2023 zwölf Punkte. Er beträgt aktuell 88 Punkte. Nur 19 Prozent der befragten Unternehmen in Südhessen beurteilen ihre Lage als gut, 59 Prozent als befriedigend, 22 Prozent als schlecht. Gegenüber dem vergangenen Herbst verliert der Saldo aus zufriedenen und unzufriedenen Unternehmen fünf Punkte. Er liegt jetzt bei minus drei Prozentpunkten. „Unsere Einschätzung aus dem Herbst, dass sich die Rezession verfestigt, hat sich leider bestätigt“, bewertet Robert Lippmann, Hauptgeschäftsführer der IHK Darmstadt Rhein Main Neckar, die aktuelle Befragung.
Stellenabbau geplant
Die Zukunftserwartungen haben sich laut der Umfrage kaum gebessert. Nur zwölf Prozent der Unternehmen rechnen mit einer Verbesserung der Situation, 56 Prozent glauben, dass es so bleibt, wie es ist. Jedes dritte Unternehmen (32 Prozent) befürchtet dagegen eine weitere Verschlechterung. Der Erwartungssaldo legt damit zwar um drei Prozentpunkte zu, bleibt mit minus 20 Prozentpunkten aber weiter tief im roten Bereich.
„Wir sehen eine Seitwärtsbewegung auf niedrigem Niveau“, erläutert Lippmann. „Bei vielen Unternehmen wird die Eigenkapitaldecke allmählich dünn. Das schlägt schon seit längerem auf die Investitionen der Unternehmen durch. Jetzt haben wir erstmals die Situation, dass sich Unternehmen in nennenswertem Umfang von Personal trennen müssen.“ So wollen nur zehn Prozent der Unternehmen Mitarbeiter einstellen, aber 25 Prozent der Unternehmen erwarten Personalabbau oder planen, ausscheidende Mitarbeiter nicht zu ersetzen.
Als größtes Risiko für die weitere wirtschaftliche Entwicklung stufen die Unternehmen in Südhessen die Inlandsnachfrage ein. Diese Auffassung äußern aktuell zwei von drei Unternehmen (64 Prozent). Das sind sieben Prozentpunkte mehr als im Herbst. Am zweithäufigsten nennen die Unternehmen die Qualität der Wirtschaftspolitik (60 Prozent der Nennungen, plus sechs Prozentpunkte). Bemängelt wird vor allem das Fehlen einer wirtschaftsnahen Linie der Politik. Offensichtlichstes Manko ist die starke Belastung durch Bürokratie. „Die konjunkturellen Risiken haben deutlich zugenommen, an Breite und an Intensität“, fasst Lippmann die Ergebnisse der Konjunkturumfrage zusammen.
Innovationsfreude bei Unternehmen in Südhessen auf Tiefpunkt
Vor diesem Hintergrund ließen die Ergebnisse des aktuellen Innovationsreports der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) aufhorchen. Dieser komme zu dem Ergebnis, dass die Innovationsfreude der deutschen Wirtschaft auf einem historischen Tiefstand ist. „Das Einbrechen der Innovationsaktivitäten ist ein Alarmzeichen. Und die Sonderauswertung für Südhessen zeigt, dass bei uns die Zurückhaltung bei Innovationsaktivitäten sogar noch größer ist als im bundesweiten Schnitt. Das ist ein erschütterndes Ergebnis“, erklärt Matthias Martiné, Präsident der IHK Darmstadt.
Was den innovativen Unternehmen das Leben schwer macht, werde im Innovationsreport sehr deutlich: Es sind die Regelungsdichte des deutschen Gesetzgebers und deren Umsetzung in bürokratische Anforderungen und Prozesse. Rund zwei Drittel (68 Prozent) der Erfinder teilen die Einschätzung, dass Innovationen meist am hohen bürokratischen Aufwand scheitern. „Die im Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung formulierten Absichten in Sachen Innovations- und Industriepolitik können nicht früh genug mit Leben gefüllt werden, wenn wir auch im internationalen Wettbewerb weiter als innovationsfreudiger Wirtschaftsraum punkten wollen“, fordert Martiné.