Vom AC zur TSG: Vereinswechsel besonderer Art bahnt sich an
Der ersehnte Traum von Spielen auf einem eigenen Großfeld könnte für die Hockeyabteilung des AC Weinheim im Sommer 2026 tatsächlich in Erfüllung gehen – allerdings unter dem Dach des sportlichen Nachbarn.
218 aktive Mitglieder hat die Hockeyabteilung des AC Weinheim, 148 davon sind jünger als 18 Jahre. Die Bandbreite im Nachwuchsbereich reicht von den Minis bis zur U18. Überdies stellt der Verein ein Damenteam, mit den „Grizzlys“ gibt es zudem eine rege Freizeitmannschaft. Doch sie alle haben ein Problem: Der Platz im AC-Sportpark, ein sogenanntes Klein- oder Halbfeld, eignet sich nur für die unteren Altersklassen.
Spiele oder Turniere ab der U12 aufwärts sind daheim nicht möglich. Deshalb pendeln in den Sommermonaten Mannschaften, Trainer, Betreuer und Schiedsrichter samt Eltern nach Mannheim zu den Anlagen des Bundesligisten MHC. Heimspiel-Atmosphäre kommt dabei selten auf. Noch schlimmer: Mit zunehmendem Alter zieht es die Jugendlichen weg vom AC, hin zu den größeren Clubs in der Umgebung.
Kein neuer Platz im AC-Sportpark
Um all dies zu ändern, gründeten einige Mitglieder 2022 den Förderverein AdHock! Ihr Ziel: ein Hockey-Großfeld. Die Gespräche mit dem Vorstand nahmen in der Folge Fahrt auf, einen Standort im hinteren Bereich der Freifläche im AC-Sportpark hatte AdHock! bereits auserkoren. Die Kosten für den neuen Platz schätzten die Verantwortlichen des Fördervereins vor etwas mehr als einem Jahr auf rund 750 000 Euro.
Doch diese Pläne haben sich zerschlagen. „Das Vorhaben ist unter den gegebenen Voraussetzungen auf unserem Vereinsgelände einfach nicht umzusetzen“, sagt AC-Geschäftsführer Bastian Becker.
Die Mitglieder der Hockeyabteilung ließen sich aber auch von dieser Hiobsbotschaft nicht unterkriegen und suchten weiter nach einem Standort für das ersehnte Großfeld. Fündig wurden sie ausgerechnet beim sportlichen Nachbarn.
Genauer gesagt: auf dem Sportplatz der TSG 1862 Weinheim am Waldschwimmbad im Gorxheimer Tal. Der wird seit Jahren schließlich fast nur noch für Freizeitaktivitäten in den Ferien genutzt. Das nahe gelegene Hans-Hohmann-Haus könnte zudem als Funktionsgebäude genutzt und entsprechend hergerichtet werden. Der Haken an der Geschichte: Platz und Gebäude gehören nun mal der TSG.
Geplanter Baubeginn im Sommer 2025
Und so suchten die Hockeyspieler des AC den Kontakt zur TSG-Führung um den Vorsitzenden Volker Jacob und Geschäftsführer Alexander Erg, um die Möglichkeiten einer Kooperation auszuloten. „Die Initiative ging proaktiv von der Hockeyabteilung aus“, bekräftigen Erg, Jacob sowie die AC-Vertreter Bastian Becker und Guido Nieland (Vorstand). Im gemeinsamen Interesse, den Sport in Weinheim voranzubringen, gingen die Gespräche schließlich auf höchster Ebene weiter. Heraus kam dabei eine Entscheidung, die beide Vereine am Freitagnachmittag präsentieren – und die getrost als faustdicke Überraschung bezeichnet werden kann: Die Hockeyabteilung des AC wird (voraussichtlich) Ende 2025 aufgelöst, um sich dann unter dem Dach der TSG neu zu gründen.
Als neue Abteilung der TSG 1862 Weinheim sollen und wollen die Hockeyspieler den Waldsportplatz in ein Hockey-Großfeld umrüsten. Baubeginn soll bereits im Sommer 2025 sein, bis dahin sollen Abteilung und AdHock! die Finanzierung längst sichergestellt haben. Mitte 2026 könnte dann erstmals der Ball über den neuen Platz geschlagen werden.
Wie teuer der Umbau sein wird, wollen die Funktionäre zwar noch nicht verraten, doch auch hier dürfte ein höherer sechsstelliger Betrag fällig werden. Der Gesamtverein werde das Vorhaben zwar tatkräftig unterstützen, kündigen Jacob und Erg an, eine Finanzspritze des Gesamtvereins sei jedoch ausgeschlossen.
„Win-Win-Win-Situation“
Die Entscheidung des Vereinswechsels besonderer Art sei „im Rahmen einer einvernehmlichen Vereinbarung“ der beiden Großvereine getroffen worden, betonen beide Seiten. AC-Vorstand Guido Nieland spricht gar von einer „Win-Win-Win-Situation“, von der beide Vereine sowie die Hockeyabteilung auf Dauer profitieren würden.
Und ein viertes „Win“ könnte, da sind sich alle Beteiligten einig, in Zukunft wohl noch hinzugefügt werden. Denn auch die Sportstadt Weinheim soll profitieren. „Unser Ziel ist ein Hockey-Dreieck Heidelberg-Mannheim-Weinheim. Würden wir in Weinheim die Kräfte nicht bündeln, wäre der Sport in absehbarer Zukunft in den beiden anderen Städten zentralisiert“, sagt Volker Jacob, der einst selbst als Hockeyspieler aktiv war. Bekräftigt wird dies durch Bastian Becker, der betont: „Zu unserem Agreement gehört auch, dass der AC keine neue Hockeyabteilung gründen wird.“
Bleibt die Frage: Was wird nach 2025 aus dem „alten“ Kleinfeld im AC-Sportpark? „Das werden wir sehen“, sagt Bastian Becker. „Wir werden dort bestimmt nicht von heute auf morgen etwas Neues auf die Beine stellen. Aber natürlich haben wir schon ein paar Ideen.“ Zudem sei zu bedenken, fügt der AC-Geschäftsführer hinzu: „Es sieht zwar gut aus, aber noch steht die Finanzierung nicht.“ Davon hänge der Wechsel aber zu 100 Prozent ab.