Förderverein

Weinheimer Hockeyspieler brauchen ein Großfeld

Die engagierte Nachwuchsarbeit der Hockeyabteilung des AC Weinheim kommt an ihre Grenzen – wegen eines fehlenden Wettkampfplatzes.

Beim Training zeigen die Hockeyspielerinnen der U12 echten Teamgeist. Foto: Philipp Reimer Photography
Beim Training zeigen die Hockeyspielerinnen der U12 echten Teamgeist.

Ein Ball, ein Schläger und ein Spielfeld – mehr braucht es nicht, um Mira und Hanna in ihrem Hobby glücklich zu machen. Die beiden zwölfjährigen Mädchen sind begeisterte Hockeyspielerinnen. Beim AC Weinheim finden sie beste Trainingsbedingungen. Doch das Glück stößt an seine Grenzen: an den Außenlinien.

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An diesem Nachmittag wuselt es regelrecht auf der Anlage in der Waidallee. Während die Kinder der U12 noch trainieren, laufen sich Mira, Hanna und ihre Teamkolleginnen der U14 schon mal warm. Gleich streifen sie sich die Knieschoner über, beißen auf den Mundschutz und greifen zum Carbonschläger. Es wird geschlagen, geschoben, geschlenzt und gehoben. Aber egal wie, der Ball muss ins Tor. „Man muss den Ball kennenlernen, verstehen, wie er reagiert“, erklärt Hanna und wiegt die weiße Kugel mit einem Durchmesser von sieben Zentimetern in der Hand. „Denn Hockey ist ein sehr technisches Spiel. Man haut nicht nur drauf.“

Mira und Hanna sind das beste Beispiel für die erfolgreiche Nachwuchsarbeit der Hockeyabteilung des AC. Foto: Privat
Mira und Hanna sind das beste Beispiel für die erfolgreiche Nachwuchsarbeit der Hockeyabteilung des AC.

Hanna und Mira sind das beste Beispiel für die erfolgreiche Nachwuchsarbeit der Hockeyabteilung in den vergangenen Jahren. Unter der sportlichen Leitung von Roger Zeißner und mit einem engagierten Team an Trainern konnte der Jugendbereich auf elf Mannschaften ausgebaut werden. Die Bandbreite reicht dabei von den Minis bis zur U18. Neben den Kinder- und Jugendmannschaften ging 2021 erstmals eine Ü18-Damen-Mannschaft an den Start, die in der Halle gleich in der zweiten Saison die Vizemeisterschaft ihrer Spielklasse gewann. Mit den „Grizzlys“ gibt es zudem eine rege Freizeitmannschaft, bestehend aus 38 Frauen und Männern zwischen 20 und 60 Jahren. Auch 20 Aktive vom Pilgerhaus gehören seit 2021 zum AC-Hockey in Weinheim.

Ab der U12 ist Schluss

Es läuft, der Ball ist im Spiel – eigentlich. Die einzige große Einschränkung: Es fehlt ein Kunstrasen-Großfeld. Der Platz im AC-Sportpark, ein sogenanntes Klein- oder Halbfeld, eignet sich nur für die unteren Altersklassen. Ligaspiele oder Turniere ab der U12 aufwärts sind daheim nicht möglich. Deshalb pendeln in den Sommermonaten fast jedes Wochenende Mannschaften, Trainer, Betreuer und Schiedsrichter samt Eltern nach Mannheim zu „Heimspielen“ auf den Anlagen des Bundesligisten Mannheimer HC am Neckarplatt.

Hockey ist ein sehr technisches Spiel. Foto: Philipp Reimer Photography
Hockey ist ein sehr technisches Spiel.

„Nur das Gefühl, daheim zu spielen, fehlt“, sagt Cathérine Schleicher. Sie ist Vorsitzende des 2022 gegründeten Fördervereins AdHock!. Das Ziel: ein Hockey-Großfeld. Realisiert sein soll das ehrgeizige Projekt bis in drei Jahren. Gespräche mit der Vereinsführung laufen, auch ein Standort im hinteren Bereich der Freifläche wurde bereits auserkoren.

Jetzt stellt eine Projektgruppe alle Fakten und Daten zusammen, um eine fundierte Grundlage für die Planung zu haben. Der Förderverein schätzt die Kosten für den Kunstrasenplatz mit einer Größe von 91 auf 55 Metern auf 750 000 Euro. Ein stattlicher Betrag. Schleicher: „Doch der ist unabdingbar, um nicht nur in der Hallen-, sondern auch in der Feldsaison für alle Spielerinnen und Spieler einen guten Trainings- und Ligabetrieb zu führen und die schmerzliche Abwanderung von Jugendlichen hin zu Clubs mit besserer Infrastruktur zu verhindern.“

Die Miniausgabe des Hockeytores. Foto: Philipp Reimer Photography
Die Miniausgabe des Hockeytores.

Die eingeschränkten Entwicklungsmöglichkeiten haben die Hockeyabteilung schon manchen geschätzten Nachwuchs gekostet. Gerade unter den Jugendlichen, die ihren Sport mit besonderer Leidenschaft und Ehrgeiz ausüben, überlegen sich einige, das vertraute Team zu verlassen, den Fahrtaufwand in Kauf zu nehmen und zu einem der beiden großen Mannheimer Clubs mit ihren vier oder fünf Teams pro Jahrgang zu wechseln. Olli Krebs, Spieler-Vater, der seit vielen Jahren eine Jungen-Mannschaft beim AC Weinheim betreut, berichtet: „Wir haben allein letztes Jahr acht Leute verloren!“ Das schwächt die Jugendmannschaften und hat einzelne Teams schon in Spielgemeinschaften gezwungen. Und Cathérine Schleicher ergänzt: „Wir verlieren Leute, die im neuen Verein vielleicht gar nicht zum Zuge kommen, weil sie nicht fünf Mal in der Woche trainieren können oder wollen.“

Dabei geht es dem Förderverein keineswegs nur um sportliche Leistung. „Hockey ist ein toller Sport, der unglaublich positiv formt. Wir wollen, dass Kinder, Jugendliche und Erwachsene in geschütztem Raum Spaß haben und dabei sportlich aktiv sein können“, fasst Cathérine Schleicher zusammen.

Ab aufs Hockeyfeld

Das sehen auch Hanna und Mira so. Sie können sich nicht vorstellen, den Verein zu wechseln. „Hier sind meine Freunde und wir sind wie eine große Familie“, sagt Hanna, bevor sie sich ihren Schläger schnappt und losrennt – ab aufs Hockeyfeld.