Porträt

Von Memphis nach Weinheim: Musikerin CeyCey über Musik, Inspiration und Identität

Schon mit 15 Jahren wusste CeyCey alias Celia Groß, dass Musik ihr Leben bestimmen würde. Heute studiert sie an der Pop-Akademie Mannheim, produziert ihre eigenen Songs und träumt von einem Grammy.

CeyCey tritt am 15. Mai bei der ersten „Pop Night“ im Schlosspark Weinheim auf. Foto: Emy Sitte
CeyCey tritt am 15. Mai bei der ersten „Pop Night“ im Schlosspark Weinheim auf.

Weinheim. Dunkelbrauner Eyeliner, roter Lippenstift und durchsichtiger Gloss – in wenigen Schritten zaubert CeyCey ihre „LipCombo“. Dieses Detail fällt sofort ins Auge, denn ihre Lippen spielen nicht nur optisch, sondern auch künstlerisch eine Rolle. Auf dem Musikvideo zu ihrer Single „Listen“ rückt die Kamera ganz nah an ihren Mund, auf dem in glitzernden Zahnsteinen der Titel des Tracks prangt.

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Mit derselben Präzision, mit der CeyCey die visuelle Umsetzung ihrer Kunst inszeniert, verfolgt sie auch den musikalischen Weg. Celia Groß, wie sie mit bürgerlichen Namen heißt, veröffentlichte im vergangenen Jahr ihr Debütalbum „May I Introduce“ (dt. „Darf ich vorstellen“). Schon nach dem ersten Song – der Interlude „DistanceDoesntMeanDisrespect“ – wusste die geborene Weinheimerin: „Ich muss daraus ein Album machen!“ Ihr Ziel war eine 30-minütige Tonaufnahme – auf Spotify ist ihr Werk schließlich 29 Minuten lang, während es auf Apple Music 30 Minuten dauert.

CeyCey inszeniert ihre Kunst mit Präzision und verfolgt ihren musikalischen Weg ebenso konsequent. Foto: Emy Sitte
CeyCey inszeniert ihre Kunst mit Präzision und verfolgt ihren musikalischen Weg ebenso konsequent.

Die 20-jährige Deutsch-Amerkanerin überzeugt mit einem Mix aus Hip-Hop, Neo-Soul und Alternative R&B mit Jazz-Elementen und Texte mit vielen Emotionen. Ihr Stil habe sich einfach so ergeben: „Heutzutage produziert niemand etwas neues – jeder versucht, die Elemente zu kombinieren, die einen am meisten berühren.“

Fester Bestandteil ihres Lebens

Klänge und Rhythmen prägen ihr Leben seit jeher. CeyCeys Mutter unterrichtet Musik in Weinheim, ihr Vater ist ebenfalls Musiker. Doch der entscheidende Moment für den Beginn ihrer Karriere kam während der Corona-Pandemie, als sie im Alter von 15 Jahren ihren ersten Beat produzierte. „Ich wusste sofort: Das ist mehr als nur ein Hobby – ich werde das mein ganzes Leben lang machen“, erinnert sich die junge Künstlerin.

Mit 16 Jahren wagte sie den Schritt nach Memphis, Tennessee, um ihre Musikkarriere zu verfolgen. Dort erwartete sie nicht nur eine ungewohnte Umgebung, sondern auch eine ganz neue Verbindung zu ihren Wurzeln. „Ich hatte zuvor kaum Kontakt zur amerikanischen Seite meiner Familie, aber ich spürte, dass ich das jetzt brauche“, erzählt sie. Schon nach kurzer Zeit merkte CeyCey, wie sehr diese Erfahrung sie veränderte. „Ich habe mich wie ein Schwamm gefühlt, der alles um sich herum aufsaugt.“

Die 20-jährige Deutsch-Amerikanerin Celia Groß alias CeyCey verbindet Hip-Hop, Neo-Soul und Jazz-Elemente mit tiefgründigen Texten. Foto: Emy Sitte
Die 20-jährige Deutsch-Amerikanerin Celia Groß alias CeyCey verbindet Hip-Hop, Neo-Soul und Jazz-Elemente mit tiefgründigen Texten.

Nach nur drei Wochen sagte Groß zu ihrer Mutter am Telefon: „Ich kann nicht mehr in Deutschland auf eine Schule gehen.“ Der Grund? Ein völlig neues Identitätsgefühl. „Ich hatte einen Kulturschock – aber im positiven Sinne. Zum ersten Mal war ich als Schwarzes Mädchen nicht in der Minderheit“, betont CeyCey.

Tatsächlich spiegelt sich dieses Gefühl auch in der Demografie der Stadt wider: Memphis hat laut dem US Census Bureau rund 630.000 Einwohner, davon über 64 Prozent Schwarze US-Amerikaner. Ihre Erfahrungen mit Alltagsrassismus in Deutschland verarbeitete sie in ihrem Lied „Not Another Song About Racism“. „Ich wollte einfach mal ausdrücken, wie ich mich wirklich fühle“, sagt die 20-Jährige.

Aufnahmeprüfung an der Pop-Akademie Mannheim

Neben dem Unterricht an der Highschool (dt. Weiterführende Schule) war sie Teil des Programms „Production und Audio-Engeneering“ und vertiefte ihr Wissen über Musikproduktion. Nach ihrem Abschluss kehrte CeyCey nach Weinheim zurück – allerdings nur für kurze Zeit. Drei Wochen später stand die junge Künstlerin bereits vor einer neuen Herausforderung: der Aufnahmeprüfung an der Pop-Akademie Mannheim.

Das war alles anderes als einfach: „Ich erinnere mich noch genau, dass ich einen Tag davor auf einem Beyoncé-Konzert war – und meine Mutter mich auf der Hin- und Rückfahrt abgefragt hat“, erzählt sie lachend. Die Prüfung drehte sich um deutsche Popmusikgeschichte – ein Bereich, mit dem sie sich bis dahin kaum beschäftigt hatte. Doch sie konnte überzeugen: Mittlerweile studiert sie im vierten Semester an der Hochschule.

Von ihrem ersten selbst produzierten Beat mit 15 bis zur Pop-Akademie Mannheim – CeyCey wusste früh, dass Musik mehr als ein Hobby ist. Foto: Emy Sitte
Von ihrem ersten selbst produzierten Beat mit 15 bis zur Pop-Akademie Mannheim – CeyCey wusste früh, dass Musik mehr als ein Hobby ist.

Über ihr Studium ergab sich schließlich auch ihr erster Auftritt in ihrer Heimatstadt Weinheim. Am Donnerstag, 15. Mai, findet im Schlosspark die erste „Pop Night“ statt – ein Event mit aufstrebenden Talenten aus der Mannheimer Musikszene. „Ich freue mich riesig – ich liebe es, auf der Bühne zu stehen. Nirgendwo sonst bin ich so präsent wie dort“, sagt die Künstlerin begeistert.

Gerade deshalb sieht Celia Groß auch künstliche Intelligenz nicht als Bedrohung für die Musikbranche. „Musik lebt von Menschlichkeit – wer Kunst macht, drückt etwas Persönliches aus.“ Ihr großer Traum? Einen Grammy gewinnen, so oft wie möglich auf der Bühne stehen – und von ihren Werken leben können.