Kreisforstamt

Wälder im Rhein-Neckar-Kreis sind wichtige Klimaschützer

Zustandsbericht zeigt Herausforderungen, aber auch positive Entwicklungen auf. Große Baumartenvielfalt ist ein wichtiger Faktor.

Förster des Rhein-Neckar-Kreises vermessen eine dicke Eiche. Foto: Rhein-Neckar-Kreis
Förster des Rhein-Neckar-Kreises vermessen eine dicke Eiche.

Rhein-Neckar. Alle zehn Jahre werden in Deutschland Stichproben erhoben. Die Ergebnisse fließen in die Bundeswaldinventur ein. Diese bietet einen Überblick über den Zustand der Wälder im gesamten Bundesgebiet. Die Ergebnisse lassen sich auch in kleineren, regionalen Einheiten betrachten. Das Kreisforstamt gibt in einer Pressemitteilung Einblick in den aktuellen Zustand der Wälder im Rhein-Neckar-Kreis.

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Die Trockenjahre von 2018 bis 2022 haben die Wälder im Rhein-Neckar-Kreis spürbar verändert. Vor allem betroffen sind die Baumarten Fichte und Kiefer. Beide Baumarten haben sowohl in ihrer Anzahl als auch in ihrem Flächenanteil stark abgenommen.

Schäden durch Hitze und Trockenheit

Doch auch die Buche, die in den vergangenen 35 Jahren flächenmäßig am stärksten profitiert hat, zeigt inzwischen Schäden durch Hitze und Trockenheit. „Besonders betroffen ist die Rheinebene im Rhein-Neckar-Kreis. Die sandigen Böden speichern Niederschlag nur schlecht. Deshalb sind die Auswirkungen des Klimawandels hier besonders spürbar. Besonders Sorge machen mir außerdem die Schäden an den Buchen, unserer Hauptbaumart. Dennoch sind die Waldschäden im gesamten Kreis nicht so gravierend wie aktuell in Mitteldeutschland“, erklärt Forstbezirksleiter Philipp Schweigler.

Ein Grund dafür ist die hohe Baumartenvielfalt vor Ort. Heute bestehen 82 Prozent der Wälder aus Mischwäldern – ein Anstieg um 25 Prozent in den letzten 35 Jahren. Dies ist vor allem den Bemühungen von Forstleuten und Waldbesitzern im Kreis zu verdanken, die schon seit Generationen aktiv gegensteuern. Der Waldumbau ist ein Prozess, der viele Jahrzehnte dauert.

Trotz der zahlreichen Herausforderungen ist die Waldfläche im Kreis stabil geblieben und umfasst rund 350 Quadratkilometer – das entspricht etwa einem Drittel der Kreisfläche.

Biodiversität gestiegen

Eine bemerkenswerte Entwicklung zeigt sich in der Altersstruktur der Wälder. Die Fläche mit Wäldern, die älter als 100 Jahre sind, hat sich seit 1987 verdoppelt. Dies hat positive Auswirkungen auf viele Tier- und Pflanzenarten, die auf alte Bäume und Wälder angewiesen sind. Zudem zeichnen sich ältere Wälder durch dickere Bäume aus. Die Anzahl der Bäume mit einem Durchmesser von mehr als 60 Zentimetern hat sich in diesem Zeitraum mehr als vervierfacht. Auch die Holzmenge, die durchschnittlich auf einem Hektar Waldfläche steht, ist seit 1987 kontinuierlich gestiegen – heute sind es im Durchschnitt 369 Kubikmeter Holz pro Hektar Wald. Die Wälder verjüngen sich fast ausschließlich durch natürliche Prozesse. Lediglich drei Prozent der Flächen werden aktiv bepflanzt.

Ein weiterer Hinweis auf eine höhere Biodiversität ist der gestiegene Totholzanteil. In den letzten zehn Jahren ist die Menge an Totholz in den Wäldern um 30 Prozent gewachsen. Eine gute Nachricht für die Vielfalt, denn viele Arten sind auf Totholz als Lebensraum angewiesen.

„Die Ergebnisse der Bundeswaldinventur zeigen, dass unsere Wälder vor großen Herausforderungen stehen, aber auch viele positive Entwicklungen zu verzeichnen sind. Der Klimawandel wird die gewohnten Waldbilder weiter verändern. Der hohe Anteil an Mischwäldern und die große Baumartenvielfalt sind aber zwei wichtige Grundvoraussetzungen dafür, um in den meisten Wäldern des Kreises die Folgen des Klimawandels abzumildern“, lautet das Fazit von Manfred Robens, der das Kreisforstamt leitet.

Der Wald als Ökosystem ist und bleibt ein bedeutender CO₂-Speicher und gleichzeitig ein wertvoller Lebensraum für zahlreiche Arten. Die Förster des Rhein-Neckar-Kreises setzen sich mit großem Engagement dafür ein, diese positive Entwicklung weiter voranzutreiben und den Wald für die Zukunft widerstandsfähig zu machen.