Wärmewende in Weinheim: Bundespolitiker informiert sich über Hürden
Wärmewende ohne Öl und Gas: Wie das verbraucherfreundlich realisiert werden soll, war jüngst Gesprächsthema in den Stadtwerken. Dort tauschte sich Geschäftsführer Alexander Skrobuszynski mit dem Bundestagsabgeordneten Alexander Föhr (CDU) im Rahmen der Sommertour des Wahlkreisvertreters zum Thema aus.
Wie kann die Wärmewende in Weinheim gelingen und eine Energieversorgung ohne Öl und Gas aussehen? Welche politischen Rahmenbedingungen braucht es, damit der Umbau Verbraucher und Hausbesitzer nicht überfordert? Zu diesen und anderen wichtigen Fragen für eine nachhaltige und sozialverträgliche Energiezukunft haben sich Alexander Skrobuszynski, Geschäftsführer der Stadtwerke, und Bundestagsabgeordneter Alexander Föhr (CDU) ausgetauscht, wie die Stadt per Mitteilung informiert.
Politische Diskussion
Auf seiner Sommertour (siehe weiteren Bericht auf dieser Seite) durch die Region hat der Bundestagsabgeordnete einen Halt bei den Stadtwerken Weinheim gemacht und sich vor Ort über die Herausforderungen eines überwiegend kommunalen Energieversorgers informiert. Im Fokus des offenen Austauschs stand die kommunale Wärmeplanung. Nicht zuletzt wegen der politischen Diskussionen um das Gebäudeenergiegesetz und der schwierigen Gemengelage bei der Gasbeschaffung aus Russland sowie der dadurch ausgelösten Energiepreiskrise. „Damit wir von Öl und Gas in der vorgesehenen Zeit wegkommen, brauchen die Energieunternehmen mehr Rückhalt von der Politik und weniger Bürokratie“, richtet Alexander Skrobuszynski seine Forderungen an die Bundespolitik.
So viel Strom verbraucht Weinheim
Laut Stadwerke-Chef Alexander Skrobuszynski liegt der Stromverbrauch eines durchschnittlichen Weinheimer Haushalts bei 2000 bis 4000 Kilowattstunden im Jahr.
Dieser Wert, so prognostiziert Skrobuszynski, wird in den kommenden Jahren durch den Einsatz von immer mehr Wärmepumpen und Lademöglichkeiten für E-Autos im eigenen Haushalt steigen.
Derzeit liegt der Anteil von Fahrzeugen mit E-Kennzeichen im Rhein-Neckar-Kreis zwar nur bei 4,6 Prozent.
Die vergangenen Jahre zeigten jedoch einen rasanten Anstieg, der durch das weitgehende Verbrenner-Aus 2035 noch einmal beschleunigt werden dürfte.
Die höchste Nachfrage herrscht laut Skrobuszynski übrigens in den Abendstunden im Winter: „Dort sind gewerbliche Verbrauche wie auch die privaten Haushalte durch die Beleuchtung und den Stromverbrauch für Heizungen besonders aktiv.“ Die Spitzenlast im Stromnetz sei am 27. Januar 2022 um 18 Uhr gemessen worden und betrug 37 Megawatt (MW).
Die Leistungsspitzen würden an den Tagen mit wenig Sonne weiter steigen. Gleichzeitig werden viele Haushalte energieeffizienter. Alte Geräte werden durch stromsparende ersetzt. Und auch bauliche Maßnahmen sorgen für mehr energetische Wirksamkeit. gab
Baden-Württemberg hat als erstes Bundesland eine verbindliche kommunale Wärmeplanung eingeführt. Diese erstellt die Stadt Weinheim aktuell unter Bürgerbeteiligung für das gesamte Stadtgebiet und hat sich zudem die Klimaneutralität bis 2040 auf die Fahne geschrieben. „Darauf arbeiten wir bei den Stadtwerken hin. Unser Ziel ist, die erdgasbetriebene Wärmeerzeugung sukzessive durch erneuerbare Energien zu ersetzen“, erklärt Alexander Skrobuszynski, während er mit dem Bundestagsabgeordneten die zukünftige Wärmezentrale am Breitwieserweg besichtigt. Das Richtfest fand bereits im April statt, die Fertigstellung ist für den Herbst geplant. In dem Neubau finden künftig zwei Pelletkessel zur Wärmeerzeugung sowie vier Pufferspeicher Platz.
Die neue Wärmezentrale ist der nächste Schritt zum grünen Wärmenetz in Weinheim und wird den erneuerbaren Anteil im Kernnetz auf mindestens 65 Prozent anheben. Die zusätzlichen Erzeugungskapazitäten der neuen Anlage sind schon vermarktet, sodass die Stadtwerke bereits an der nächsten Ausbaustufe arbeiten. „Für eine klimaneutrale Wärmeversorgung im Jahr 2040 gibt es jedoch noch viel zu tun“, betont Alexander Skrobuszynski und fügt an: „Die Wärmewende und die Stromwende hängen direkt zusammen. Können wir zur Wärmeerzeugung nicht auf Strom aus erneuerbaren Energiequellen zurückgreifen, wird die Wärmewende nicht gelingen. Das ist eine große Herausforderung.“ #
Szenario 2040 gezeigt
Der Stadtwerke-Chef zeigt ein Szenario im Jahr 2040 auf, bei dem zur Wärmegewinnung in Weinheim und Umgebung überwiegend auf Fernwärme und Wärmepumpen gesetzt wird. „Der Strombedarf wird damit vor allem im Winter enorm hoch sein. Das bedeutet wiederum, dass das Stromnetz ausgebaut und mit intelligenter Steuerung versehen werden muss“, verdeutlicht Alexander Skrobuszynski. Technisch sei dies realisierbar, den entscheidenden Faktor für das Gelingen der Wärmewende sieht der Stadtwerke-Chef bei der Gesellschaft: „Wir müssen heute pragmatisch mit einer Transformation beginnen und ich wünsche mir, dass möglichst viele Hausbesitzer die Dringlichkeit erkannt haben und mit am gleichen Strang ziehen.“ Die Bereitstellung von Fördermitteln sei unabdingbar, damit sich Bürger und Versorger den Wandel leisten können. Der Stadtwerke-Chef hofft in Zukunft auf eine noch stärkere inhaltliche Diskussion, wie die praktische Umsetzung gelingen kann.
Halt bei der VHS
Die Volkshochschulen (VHS) brauchen eine institutionelle Förderung, um Planungssicherheit zu bekommen. Diesen dringenden Wunsch hat Heiner Bernhard, Vorsitzender der VHS Badische Bergstraße (VHS), an den Bundestagsabgeordneten Alexander Föhr (CDU) herangetragen.
Föhr wohnte zu Beginn seines Besuches einem der zahlreichen Deutsch-Integrationskurse bei, die die VHS im Auftrag des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge durchführt. Nach einer kurzen Führung durch das Haus fand ein „Sechs-Augen-Gespräch“ statt, das VHS-Direktorin Dr. Cristina Ricca und Heiner Bernhard nutzten, um auf Probleme hinzuweisen. Obwohl die VHS die Corona-Phase inzwischen gut überwunden habe, gebe es nach wie vor einen großen Raum- und Personalmangel, betonte Bernhard: „Wir haben keine Planungssicherheit, weil uns grundsätzlich eine institutionelle Förderung durch Bund und Land fehlt.“
Bildung integrale Bedeutung
Dies sei umso bedauerlicher, weil Bildung ein integraler Bestandteil der Daseinsvorsorge sei und allen Bürgern offenstehen müsse. Ein offenes Ohr fanden die VHS-Verantwortlichen auch beim Thema Umsatzsteuer. Cristina Ricca verdeutlichte, dass Kursangebote der Erwachsenenbildung grundsätzlich umsatzsteuerfrei bleiben müssten. „Finanzbeamte können nicht entscheiden, welche Kurse umsatzsteuerpflichtig sind oder nicht“, sagte sie und bekam dafür ein zustimmendes Nicken vom Bundestagsabgeordneten.
Föhr ist in Berlin unter anderem Mitglied im Bildungsausschuss, der sich nach seinen Angaben in dieser Funktion noch nicht mit diesem wichtigen Thema auseinandergesetzt habe. Er sei deshalb sehr dankbar für diesen Hinweis. „Die VHS ist eine gute Marke“, betonte er abschließend. Denn sie schaffe Räume, wo Menschen mit gleichen Interessen zusammenkommen könnten.