Evangelische Kirchengemeinden

Warum die Evangelischen in Hemsbach, Laudenbach und Sulzbach fusionieren müssen

2026 wollen die evangelischen Gemeinden in Hemsbach, Laudenbach und Sulzbach zusammengehen. Das ist bereits beschlossen. Was aber noch diskutiert werden muss.

Die evangelischen Gemeinden in den Bachgemeinden werden fusionieren. Pfarrerin Corinna Seeberger stellte das Projekt in einer Gemeindeversammlung vor. Foto: Thomas Rittelmann
Die evangelischen Gemeinden in den Bachgemeinden werden fusionieren. Pfarrerin Corinna Seeberger stellte das Projekt in einer Gemeindeversammlung vor.

Hemsbach/Laudenbach/Sulzbach. Die evangelische Kirchengemeinde Hemsbach/Sulzbach und Laudenbach wollen am 1. Januar 2026 fusionieren. Der Beschluss dazu fiel bereits im November, jetzt stellten die Geistlichen Corinna Seeberger und Tobias von Hagen in einer von etwa 50 Gläubigen besuchten Gemeindeversammlung in der Bonhoefferkirche den weiteren Fahrplan vor.

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Der Strategieprozess 2032 ist angelaufen. Angesichts schwindender Mitgliederzahlen sollen im evangelischen Kirchenbezirk Neckar-Bergstraße 30 Prozent der Kosten, die aktuell für Gebäude und Personal entstehen, eingespart werden, weil die Kirchensteuereinnahmen nicht mehr ausreichen, um weiterzumachen wie bisher. Um Gebäude ging es bei der Gemeindeversammlung erst einmal nicht, aber um schlankere Strukturen in einer fusionierten evangelischen Kirchengemeinde in den Bachgemeinden.

Gemeinsamer Kirchengemeinderat

Aus diesem Grund würden die Pfarrgemeinden ab kommenden Jahr keine Ältestenkreise mehr haben, sagte Annette Körner, Vorsitzende des Ältestenkreises der Bonhoeffergemeinde. Künftig soll es nur noch einen gemeinsamen Kirchengemeinderat für die Reformationsgemeinde Hemsbach/Sulzbach, die Bonhoeffergemeinde Hemsbach und die evangelischen Kirchengemeinde in Laudenbach geben. „Die Fusion ist zwingend“, sagte Corinna Seeberger, Pfarrerin der Reformationsgemeinde Hemsbach/Sulzbach.

Das betrifft auch das Personal. Wenn Pfarrerin Birgit Risch im Juni 2026 in den Ruhestand geht, wird es nur noch zwei Pfarrstellen in den evangelischen Bachgemeinden geben. Aus diesem Grund werde es künftig auch nicht mehr möglich sein, eine Pfarrerstelle einer Pfarrei klar zuzuordnen. Vielmehr bildeten die Geistlichen eine Dienstgemeinschaft, die sich die Aufgaben aufteilen und eigene Schwerpunkte setzen würden, sagte Seeberger. An der Diakonie-Stellenzahl sei bereits gedreht worden: Aus einer vollen sei eine halbe Stelle geworden, die allerdings nach dem Weggang von Christel Apel noch frei sei, sagte die Geistliche weiter und hoffte, dass die Stelle bald wieder besetzt werden könne.

Über die künftige Struktur entscheiden die Kirchengemeinderäte. Pfarrer Tobias von Hagen bekräftigte: „Je schlanker wir uns strukturieren, desto handlungsfähiger sind wir in der Zukunft.“ Von daher sah er auch Vorteile darin, wenn die Ältestenkreise künftig wegfallen. „Wir brauchen dann weniger Mitarbeiter.“ Den Kirchendienerdienst könnten auch Freiwillige im Wechsel nachgehen. Der Geistliche riet davon ab, die Besetzung des künftigen Kirchengemeinderates streng nach Proporz vorzunehmen, also festzulegen, dass alle heutigen Pfarreien dort mit gleicher Sitzzahl vertreten sind. „Was passiert, wenn sich aus einer Pfarrei nicht genügend Bewerber finden?“, fragte er.

Die Gemeindemitglieder sahen dies nicht ganz so locker, sondern wollten sichergestellt haben, dass sich der gemeinsame Kirchengemeinderat aus allen Pfarreien zusammensetzt oder zumindest eine Mindestzahl an Kandidaten festgelegt wird. Ursula Lang, die die Gemeindeversammlung leitete, stellte nach der Diskussion fest: „Wir nehmen den Wunsch mit, dass alle Orte im Kirchengemeinderat vertreten sind. Wie viele das am Ende sein werden, steht indes noch nicht fest. Aktuell hängt die Zahl der Kirchengemeinderäte von der Zahl der Mitglieder ab. Die evangelischen Kirchengemeinden in den Bachgemeinden haben rund 6000 Mitglieder, das entspräche 16 Kirchengemeinderäten. Gut möglich aber, dass diese Regelung noch überarbeitet wird, sagte Pfarrerin Birgit Risch.

Unklar ist aktuell auch, wann der gemeinsame Kirchengemeinderat gewählt wird. Am ersten Advent, 30. November, müssten eigentlich die Kirchenältesten gewählt werden. Sinn ergibt dies aber eigentlich nicht, wenn diese ab Januar abgeschafft werden sollen. „Die Dinge sind im Fluss“, sagte Pfarrerin Seeberger und geht davon aus, „dass wir nicht ständig wählen müssen“. Anders formuliert: Es wäre denkbar, dass anstelle der Kirchenältesten gleich die Mitglieder des gemeinsamen Kirchengemeinderates gewählt werden.

Kirche als Wahllokal

Eines steht jetzt schon fest: Eine postalische Aufforderung, an der Wahl teilzunehmen, wird es künftig nicht mehr geben, wie Seeberger sagte. Der Aufwand beim letzten Mal sei zu hoch gewesen und habe auch keine höhere Wahlbeteiligung gebracht. Gewählt werde daher in den Kirchen. Sicherlich werde es auch eine Möglichkeit zur Briefwahl geben, sagte sie auf Nachfrage.

Bleibt die leidige Frage des Namens der neuen Kirchengemeinde. Reinhard Schüßler preschte schon einmal mit einem Vorschlag vor und riet dazu, die neue Kirchengemeinde nach dem Ort mit den meisten Mitgliedern zu nennen: nach Hemsbach. Das fand nicht den ungeteilten Zuspruch der Gemeindeversammlung. Bachgemeinde darf es auch nicht sein, sagte Seeberger, das könne nämlich überall sein, wo ein Bach fließe. Von Hagen riet dazu, sich erst einmal die Kriterien für einen Namen durchzulesen, die in Kürze auf die Homepage gestellt werden sollen – bevor der „Ansturm“ mit Namensvorschlägen einsetze.

Ein bisschen Zeit bleibt ja noch. Und ein bisschen Zeit braucht auch der Gang der Bürokratie, in dem der Bezirkskirchenrat, der Oberkirchenrat und schließlich auch das Landratsamt einbezogen sind, wie Pfarrerin Seeberger einleitend skizziert hatte.