Weinheim

Warum die Rückkehr nach Weinheim für Autorin Maja Jane Voß so emotional ist

In ihrer Autobiografie "Love – Time – Death" arbeitet sie literarisch die Themen Liebe, Verlust und Hoffnung auf.

Dort, wo Bücher sind, fühlt sich Maja Jane Voß wohl. Die Autorin mit ihrem Erstlingswerk "Love - Time - Death" am öffentlichen Bücherregal in der Weinheim Galerie. Foto: Katrin Oeldorf
Dort, wo Bücher sind, fühlt sich Maja Jane Voß wohl. Die Autorin mit ihrem Erstlingswerk "Love - Time - Death" am öffentlichen Bücherregal in der Weinheim Galerie.

Der Engel auf dem Einband ihres ersten Buches sitzt in sich gekehrt auf einer Wolke und hat seine Flügel abgelegt. Maja Jane Voß (53) hat das Bild selbst gemalt. Es ist Sinnbild für den irdischen Seelenschmerz einer tragischen, mit dem Suizid ihres Freundes endenden Liebe, aber auch für die Hoffnung auf ein gutes Ende über den Tod hinaus, das sie im letzten Abschnitt ihrer fiktionalen Autobiografie durch Schilderungen einer Zwischenwelt bewahrt. „Love – Time – Death“ (Liebe – Zeit – Tod) ist eine intensive literarische Aufarbeitung einer bewegenden Reise.

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Impressum

„Ich möchte, dass Frank nicht vergessen wird“, sagt die Autorin beim Gespräch über ihr erstes Buch in einem Café und rührt in ihrem Tee. Die Strecke von ihrem Wohnort bei Koblenz nach Weinheim hat sie gerne zurückgelegt. „Es ist immer noch ein bisschen wie nach Hause kommen, wenn ich nach Weinheim fahre“, sagt sie. Mit zwölf Jahren war sie mit ihrer Mutter und Geschwistern nach Oberflockenbach gezogen, hatte in Weinheim die Schule besucht. Die hieß damals noch Multschule und zu der Zeit, als die Autorin in ihrem Roman einen Blick in ihr Tagebuch werfen lässt, gab es Ende der Achtzigerjahre noch Telefonzellen und das größte Weinheimer Kaufhaus hieß Birkenmeier.

Kein Himmel voller Geigen

Die Münzen rattern in der Telefonzelle schnell durch, wenn sie mit Frank telefoniert. Der Himmel der 16-jährigen Maja hängt allerdings nicht nur voller Geigen, nachdem sie mit dem etwas älteren Jungen ihren Traummann gefunden hat. Durch die Scheidung ihrer Eltern, die sie als Fünfjährige miterleben musste, durch ständige Wohnungsumzüge, die das Schlagen von Wurzeln verhinderte, durch Mobbing in der Schule litt das Selbstwertgefühl der Heranwachsenden. Stattdessen machten sich Verlustängste breit, die sich zunehmend belastend auf die Liebe des jungen Pärchens auswirkten.

Liebe kann auch erdrückend sein

„Die Geister vergangener Schmerzen fanden wieder den Weg an die Oberfläche, lebendig und quälend, als würde die Zeit zwischen damals und jetzt verschwimmen“, heißt es an einer Stelle im Buch. Immer wieder schildert Maja Jane Voß, wie sich ihr Freund bemüht, seine Liebe zu ihr zu beteuern. Aber er scheitert an ihren wiederkehrenden Zweifeln, die einer fehlenden Selbstliebe geschuldet sind. Heute weiß die Autorin, dass Liebe auch erdrückend sein kann. Doch als Teenagerin hatte sie noch nicht die Reife und Erkenntnis, sondern wurde von ihren Gefühlen und Seelenschmerz getrieben.

Die Katastrophe nimmt ihren Lauf

Die Katastrophe nimmt im zweiten Abschnitt der Autobiografie Formen an, als die Mutter den nächsten Umzug von Weinheim nach Oedekoven bei Bonn verkündet. Und tatsächlich: Die Fernbeziehung scheitert. Maja schildert als Ich-Erzählerin ihren weiteren Lebensverlauf und erfährt in der Ferne, dass sich Frank das Leben genommen hat. „Selbstmord ist keine Lösung, wenn Frank gewusst hätte, welche tiefe Trauer und Traumata er hinterlassen würde, wäre er nicht gesprungen“, schreibt die Autorin in einem Nachwort.

Fiktionaler Teil

Dem Suizid gibt sie in „Love – Time – Death“ nur im Titel, aber nicht auf den gedruckten Seiten das letzte Wort. In einem stark fiktionalen dritten Teil des Buches gibt es in Folge eines eigenen Suizidversuchs und eines monatelangen Komas eine Reise in die Zwischenwelt mit einer tröstlichen, heilsamen Begegnung der Seelen.

Schonungslose Seelenreise

Das Schreiben an ihrem Erstling, mit dem Maja Jane Voß 2019 begann, war für die Altenpflegerin mit Zusatzausbildung in Intensivpflege auch ein Stück Eigentherapie. „Ich habe auch Verdrängtes wieder hervorgeholt“, sagt sie. Dass beim Blättern im noch erhaltenen Tagebuch auch eine gepresste Blume zum Vorschein kam, ist ein tröstlicher Aspekt angesichts der Seelenreise, die schonungslos jene Gefühlsklippen offenbart, die auf einer Lebensreise zu umschiffen sind. Maja Jane Voß hat literarisch bei der Aufarbeitung ihres Schicksals mutig noch einmal den Anker gelichtet und die Segel gehisst. Es ist ihr Wunsch, dass ihr Buch Menschen, die selbst von dunklen Gedanken betroffen sind, Hilfestellung gibt und den Mut, sich Unterstützung zu holen. Die Autorin: „Es gibt Hoffnung und Heilung, auch wenn der Weg oft steinig ist.“

Maja Jane Voß, „Love – Time – Death“, fiktionale Autobiografie, Books on Demand, ISBN: 3759736823, 9783759736826

Haben Sie suizidale Gedanken oder haben Sie diese bei einem Angehörigen/Bekannten festgestellt? Hilfe bietet die Telefonseelsorge: 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222. Auch eine Beratung über das Internet ist möglich.