Treibhausgase

Was kostet Weinheim der Klimaschutz?

Weinheim will bis 2040 Neutralität erreichen. Wo die Zweiburgenstadt heute steht und wie sie ans Ziel gelangen möchte.

In Zeiten steigender Grade bietet die Flucht ins Grüne manchmal den einzigen Schutz vor der Hitze Foto: Marco Schilling
In Zeiten steigender Grade bietet die Flucht ins Grüne manchmal den einzigen Schutz vor der Hitze

Weinheim. Die Stadt Weinheim will eine Vorreiterrolle in Sachen Klimaschutz einnehmen. Das will das Rathaus tun, indem die Zweiburgenstadt bis zum Jahr 2040 CO₂-neutral und die Verwaltung bereits bis zum Jahr 2035 klimaneutral wird. Diese Vorhaben gehen über das Klimagesetz des Bundes hinaus. Aber wie ist der Status quo und durch welche Schritte will die Kommune ihre ambitionierten Ziele erreichen?

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Wie ist die aktuelle Klimabilanz in Weinheim?

Die Grundlage für das Klimaschutzkonzept bildet eine umfassende Ist-Analyse mit Daten aus dem Jahr 2019 (Vor-Corona-Niveau). Demnach beträgt die Menge der Treibhausgase (THG), die Weinheim in diesem Jahr ausgestoßen hat, circa 351.370 Tonnen. Diese wurden in vier Sektoren produziert: Gewerbe (Anteil: 34 Prozent), Verkehr (33 Prozent), private Haushalte (32 Prozent) sowie kommunale Liegenschaften (1 Prozent).

Ist das eine vergleichsweise gute oder schlechte Bilanz?

Hier lohnt sich ein Blick auf Kommunen mit ähnlich hoher Einwohnerzahl. Bruchsal (47.014 Einwohner) beispielsweise kommt mit 433.787 Tonnen CO₂ auf ein höheres Ergebnis als Weinheim (Stand 2016). Der kommunale Energieberater Endura rechnet der Stadt Fellbach (46.205 Einwohner) im Jahr 2022 mit 264.463 Tonnen CO₂ hingegen eine Treibhausgas-Bilanz aus, die Weinheim und Bruchsal in den Schatten stellt. Albstadt (46.831 Einwohner) kommt in seinem Klimaschutzkonzept von 2015 auf ein ganz ähnliches Ergebnis wie die Zweiburgenstadt, und zwar von knapp über 350.000 Tonnen CO₂. Neben den bloßen Zahlen sind allgemein natürlich die örtlichen Gegebenheiten wie die Stärke und Art der hiesigen Industrien zu beachten.

Die Statistik zeigt den jährlichen Ausstoß von Treibhausgasemissionen in Tonnen. Foto: Stadt Weinheim
Die Statistik zeigt den jährlichen Ausstoß von Treibhausgasemissionen in Tonnen.

Wie will Weinheim in 25 Jahren CO₂-neutral werden?

Hierfür sind Maßnahmen in sechs Bereichen vorgesehen. Namentlich handelt es sich dabei um Entwicklungsplanung und Raumordnung, kommunale Gebäude und Anlagen, Ver- und Entsorgung, Mobilität, interne Organisation sowie Kommunikation und Kooperation.

Und wie sehen solche Maßnahmen konkret aus?

Was das Rathaus an Maßnahmen anpacken will, wird jährlich in Form eines energiepolitischen Arbeitsprogramms vom Gemeinderat beschlossen. Für das Jahr 2025 sind 34 Maßnahmen geplant. Darunter befinden sich 21 Maßnahmen, mit denen bereits begonnen wurde. Beispielsweise der Mobilitätsplan 2040, der die Reduzierung des motorisierten Verkehrs zum Ziel hat, oder die sukzessive Umrüstung von Straßenlaternen auf energiesparende LED.

Welche Vorhaben kommen also neu hinzu?

Neu ist beispielsweise der Umbau der Lützelsachsener Sommergasse zugunsten von Radlern und Fußgängern. Außerdem soll es eine Machbarkeitsstudie zu Abwasserwärmepumpen geben. Mit ihr wird zunächst bei einem Abwassersammler in der Weststadt eruiert, ob diese prinzipiell zu Heizungen für ihr umliegendes Areal werden könnten.

Was kosten die Maßnahmen das Rathaus?

Im Haushalt für das Jahr 2025 wurden Mittel in Höhe von 455.000 Euro für die Umsetzung der Klimaschutzmaßnahmen eingestellt. Wie hoch die Kosten in den Folgejahren sind, hängt immer vom erwähnten energiepolitischen Arbeitsprogramm ab. Dieses sieht in jedem Jahr anders aus und bedarf immer der Zustimmung des Gemeinderates. Während der jüngsten Sitzung des Gremiums machte Oberbürgermeister Manuel Just aber auch klar, dass die ambitionierten Ziele, die sich Weinheim gesteckt hat, nur mit entsprechender Finanzhilfe von Bund und Ländern zu stemmen sind.

Apropos Gemeinderat: Wie sieht es hier mit der Rückendeckung in Sachen Klimaschutz aus?

Der schlussendliche Haushalt muss zwar noch vom Gremium abgesegnet werden. Für das Weinheimer Klimaschutzkonzept sowie das energiepolitische Arbeitsprogramm für das Jahr 2025 gab es aber zweimal einhellig grünes Licht und damit ein starkes Zeichen in Richtung Stadtverwaltung.

Also gab es gar kein Wenn und Aber?

Doch. CDU-Stadträtin Inge Oberle betonte, dass es nicht ausreiche, wenn nur die Stadtverwaltung als Vorbild vorausgehe. Auch die Bürger müssten mitziehen – und zwar schnell. Susanne Tröscher von der WMD äußerte ihre Sorge, dass zu viel Zeit und Geld in Bürokratie und externe Gutachten fließen. Außerdem hielt sie die Flagge für den Bodenschutz hoch.

FDP-Stadtrat Dr. Wolfgang Wetzel mahnte, dass nicht nur Maßnahmen zum Klimaschutz getroffen werden müssen. Ebenso müsste man auch welche treffen, um sich den klimatischen Veränderungen anzupassen.