Wie reduzieren wir den CO₂-Ausstoß, Frau Timmermann?
Die Stadt Weinheim steht vor einer Herausforderung: Bis 2040 soll sie klimaneutral sein. Doch wie steht es aktuell um den Klimaschutz in der Stadt und welche Maßnahmen werden ergriffen? Klimaschutzmanagerin Ute Timmermann und ihre Kollegin Luzia Teinert haben diese Fragen in einem umfassenden Klimaschutzbericht beantwortet.
Die Klimaziele in Baden-Württemberg sind gesteckt. 2040, so ein Beschluss des Landtags, soll das „Musterländle“ mustergültig klimaneutral sein. Aber wo steht Weinheim konkret in Sachen Klimaschutz und was wird getan? Fragen wie diese erreichen das Rathaus immer wieder. Klimaschutzmanagerin Ute Timmermann und Kollegin Luzia Teinert haben die Aktivitäten jetzt transparent und ausführlich, aber auch verständlich und kompakt in einem Klimaschutzbericht zusammengefasst. „Für Verbesserungsvorschläge sind wir natürlich offen und würden uns über Rückmeldungen freuen.“
Wie viel CO₂ wird in Weinheim ausgestoßen?
Die aktuellsten Zahlen stammen aus dem Jahr 2019. Demnach beträgt die Menge der Treibhausgase (THG) jährlich circa 351 370 Tonnen. Diese werden in den Sektoren Verkehr, private Haushalte, Gewerbe und kommunale Liegenschaften zusammengefasst.
Ist das eine vergleichsweise gute oder schlechte Bilanz?
Hier lohnt sich ein Blick auf Kommunen mit ähnlich hoher Einwohnerzahl. Bruchsal (46 587 Einwohner) beispielsweise kommt mit 433 787 Tonnen CO₂ auf ein höheres Ergebnis als Weinheim (neuster Stand 2016). Der kommunale Energieberater Endura rechnet der Stadt Fellbach (45 896 Einwohner) 2022 mit 264 463 Tonnen CO₂ hingegen eine Treibhausgas-Bilanz aus, die Weinheim und Bruchsal in den Schatten stellt.
Albstadt (46 422 Einwohner) kommt in seinem Klimaschutzkonzept von 2015 auf ein ganz ähnliches Ergebnis wie die Zweiburgenstadt, und zwar von knapp über 350 000 Tonnen CO₂. Neben den bloßen Zahlen sind allgemein natürlich die örtlichen Gegebenheiten wie die Stärke und Art der hiesigen Industrien zu beachten. Auch andere örtliche Besonderheiten können hier eine Rolle spielen: Filderstadt beispielsweise muss einen Teil des CO₂-Ausstoßes durch den Kerosinverbrauch seines Flughafens in die städtische Bilanz einrechnen.
Welcher Sektor ist in Weinheim der größte CO₂-Treiber?
Auf dem ersten Platz befindet sich in Weinheim das Gewerbe mit insgesamt 34 Prozent Anteil am CO₂-Kuchen. Dicht gefolgt von Verkehr und privaten Haushalten, die jeweils 32 Prozent einnehmen.
Kommunale Liegenschaften machen nur ein Prozent aus. In Fellbach hingegen sind die privaten Haushalte mit 38 Prozent auf Platz eins (Verkehr: lediglich 26 Prozent). Die Industrie hat einen Anteil von 34 Prozent. In Bruchsal machen die Privathaushalte sogar 44 Prozent aus, der Verkehr 38 Prozent und die Industrie nur 17 Prozent.
Was tut das Rathaus für ein besseres Klima?
Bisher wurden schon viele Maßnahmen umgesetzt. So wurde beispielsweise eine Taskforce Klimaschutz vor Jahren ins Leben gerufen und ein Programm mit 60 Sofortmaßnahmen vom Gemeinderat verabschiedet. Noch früher, bereits vor zehn Jahren, bildete sich der Runde Tisch Energie. Es gab wiederkehrende Aktionen wie den Energietag oder die Beteiligung beim Stadtradeln. Das Personal im Klimaschutzmanagement wurde ergänzt, die Stadt beteiligt sich engagiert am European Energy Award. Dabei handelt es sich um ein europäisches Gütezertifikat für die Nachhaltigkeit der Energie- und Klimaschutzpolitik von Gemeinden. Im Rahmen des Awards lässt sich die Stadtverwaltung begleiten – aber auch auf die Umsetzung ihrer Maßnahmen überprüfen.
Welche zukünftigen Vorhaben hat das Rathaus?
Auch hier ist eine ganze Palette in der Planung, in der Mache oder bereits vorhanden. Namentlich handelt es sich um 37 Maßnahmen. Neben einer kommunalen Wärmeplanung soll auch ein gesamtstädtisches Mobilitätskonzept entwickelt werden. Der Fokus soll künftig auf dem Fuß- und Radverkehr sowie der Stärkung des ÖPNV liegen. Das Kommunale Energiemanagement wird ausgebaut. Obwohl die kommunalen Liegenschaften nur ein Prozent des Weinheimer CO₂-Ausstoßes ausmachen, will das Rathaus auch hier mit gutem Beispiel vorangehen. Die Stelle des Beauftragten für eine klimaneutrale Verwaltung wurde im Juli besetzt (siehe weiteren Artikel). Mit KLIMAfit soll sich auch in Unternehmen und Organisationen etwas tun.
Wo stößt das Rathaus auf Hürden und wo hakt es noch beim Klimaschutz?
Der Müllsektor liegt weitgehend nicht in den Händen des Rathauses, da dieser vom Tochterbetrieb des Rhein-Neckar-Kreises, der AVR, übernommen wird.
Auch ist das Klimaschutzkonzept der Stadt bereits zehn Jahre alt und muss dringend aktualisiert werden. Das gilt ebenso für die damals gesteckten Ziele. Nicht immer bekommen Maßnahmen auch grünes Licht vom Gemeinderat. So gab es beispielsweise Vorbehalte gegenüber dem Bau eines Geothermie-Kraftwerks und dreier Windkraftanlagen.
Wie hilft die Stadt Weinheim den Bürgern?
Neben Beratungsangeboten gibt es hier vor allem Fördermöglichkeiten. Die Energieberatung der KLiBA steht Bürgern kostenlos im Rathaus zur Verfügung. Auch finden immer wieder Informationsveranstaltungen statt wie zuletzt zum Thema Wärmepumpe. Förderprogramme für Balkonmodule, zur energetischen Gebäudesanierung und beispielsweise für vorbildliche Organisationen und Projekte stellen Gelder zur Verfügung.
Was lässt sich die Stadt die Klimaneutralität kosten?
Für die erwähnten 37 Maßnahmen wurde vom Gemeinderat ein Budget von 455 000 Euro zur Verfügung gestellt. Die Summe der eingeplanten und abgerufenen Gelder für Förderungen und Beratungen hat sich in den vergangenen Jahren erhöht. Im Jahr 2023 sind insgesamt 200 000 Euro für Förderprogramme eingeplant (ausgezahlt wurden 90 Prozent). Im Jahr 2021 waren es noch 36 500 Euro.
Den Klimaschutzbericht gibt es hier.