Hirschberg

Was passiert mit dem Edeka-Markt in Hirschberg-Leutershausen?

Gemeinderat lehnt einstimmig die Schriesheimer Pläne zum Gewerbegebiet am nördlichen Ortsausgang ab. Warum es jetzt zu Ärger kommen könnte.

Ärger mit der Stadt Schriesheim ist vorprogrammiert. Durch eine Planungsänderung sollen im Norden, also in unmittelbarer Nähe zum Hirschberger Ortsteil Leutershausen, die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass ein größerer Lebensmittelmarkt errichtet werden kann. Foto: Fritz Kopetzky
Ärger mit der Stadt Schriesheim ist vorprogrammiert. Durch eine Planungsänderung sollen im Norden, also in unmittelbarer Nähe zum Hirschberger Ortsteil Leutershausen, die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass ein größerer Lebensmittelmarkt errichtet werden kann.

Der Stress mit der Stadt Schriesheim ist vorprogrammiert. Hirschberg ist alarmiert und fürchtet die Auswirkungen der Schriesheimer Pläne auf den Leutershausener Edeka-Markt. Dies wurde in der Sitzung des Ausschusses für Technik und Umwelt am Dienstagabend deutlich.

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Einstimmig lehnten Freie Wähler (FW), Grüne Liste Hirschberg (GLH), CDU, SPD und FDP die Änderungspläne des Nachbarn für den Bebauungsplan „Schanz, 3. Änderung – Teilbereich Säulenweg“ ab. Am nördlichen Ortsausgang befinden sich derzeit westlich der B 3 ein Gewerbegebiet und mehrere stillgelegte Gewerbebetriebe. Die Stadt Schriesheim beabsichtigt, durch die Änderung des Bebauungsplans die Voraussetzungen für deutlich größere Verbrauchermärkte zu schaffen, da der Bauzustand des jetzigen Lebensmittelmarkts nicht mehr den heutigen Anforderungen entspricht.

Hirschberg geht davon aus, dass ein Lebensmittelmarkt von mehr als 1200 Quadratmetern Grundfläche und mehr als 800 Quadratmetern Verkaufsfläche entstehen wird. Durch ergänzende Sortimente könnten an dieser Stelle Verbrauchermärkte von deutlich mehr als 2000 Quadratmetern entstehen. Dies stelle eine Gefahr für den Markt in Leutershausen dar, der nur wenige Kilometer entfernt liegt.

Auswirkungen noch nicht abschätzbar

Ob die Erweiterungsmöglichkeiten den Zielen der Einzelhandelssteuerung des Nachbarschaftsverbands Heidelberg-Mannheim entsprechen, kann die Gemeinde Hirschberg nicht beurteilen und muss insofern auf die Expertise des Verbands vertrauen. Anders als Hirschberg hat die Stadt Schriesheim kein Einzelhandelsgutachten, weshalb die Verwaltung die Auswirkungen auf die dauerhafte Sicherstellung der Nahversorgung in Hirschberg nicht abschätzen kann.

Bürgermeister Ralf Gänshirt, der von den Plänen Schriesheims nur nebenbei bei einem Gespräch erfahren hat, fürchtet negative Auswirkungen auf seine Gemeinde: „Wir lehnen die Pläne daher ab.“ GLH-Sprecherin Monika Maul-Vogt sah dies genauso und sorgt sich um die Nahversorgung und den Edeka-Markt Kuzu in Leutershausen: „Das ist eine bedrohliche Lage für Hirschberg. Von Schriesheim hätte ich da in Sachen Information und Kommunikation mehr erwartet“, ärgerte sich auch sie über den Nachbarn und stimmte der Verwaltungsvorlage zu. SPD-Fraktionssprecher Dr. Thomas Scholz reagierte als „Heisemer“: „Diese Pläne könnten der Todesstoß für unseren Lebensmittelmarkt sein. So eine Konkurrenz im Umfeld könnte dazu führen, dass sich der Markt für Kuzu nicht mehr rechnet“, warnte er. Angesichts der Schriesheimer Pläne könne sich die Gemeinde Hirschberg das Mobilitätskonzept schon fast sparen, denn die Menschen müssten dann wegen eines Brots nach Schriesheim fahren. Der Erhalt des Lebensmittelmarktes habe oberste Priorität.

Für CDU-Gemeinderat Thomas Götz ist dies alles ein schwieriges Thema: „Schriesheim wächst und wir treten auf der Stelle. Unser Nachbar macht Pläne und schaut nicht auf uns. Für unseren Markt, der bereits schwierige Rahmenbedingungen hat, wird die Situation noch schwieriger.“

FW-Fraktionssprecher Werner Volk kommentierte die Diskussion mit einem leichten Schmunzeln angesichts mancher Stellungnahmen im Bürgersaal: „Bei uns wird alles hinterfragt und torpediert. Wir hätten beispielsweise einen Drogeriemarkt im Sterzwinkel haben können, aber was ist passiert? Ich wundere mich über die Aussagen. Da müssen sich manche selbst an die Nase fassen“, sagte er und schaute zu den Kollegen der GLH rüber.

GLH-Gemeinderat Karlheinz Treiber wollte dies so nicht stehen lassen: „Hier geht es jetzt um Leutershausen“, sagte Treiber und prophezeite auch Schriesheim harte Zeiten, denn der Lebensmittelmarkt sei mit weiteren Märkten übersättigt. Bürgermeister Gänshirt wollte in Sachen Sterzwinkel und Lebensmittelmarkt in Großsachsen nicht wieder alte Wunden aufreißen: „Wir müssen nach vorne schauen“, betonte er. Der Hirschberger Gemeinderat steht hinter ihm und lehnt die Planungswünsche Schriesheims ab.

Tarik Kuzu nimmt Stellung

Tarik Kuzu, der seit 2004 den 800 Quadratmeter großen Edeka-Markt in Leutershausen leitet, begrüßt die Unterstützung der Gemeinde. Auf Nachfrage der WN äußerte er sich: „Für mich steht und fällt das Ganze mit den Kunden.“ Er betont, dass es vor allem darauf ankomme, wie sich die Umsatzzahlen entwickeln, falls in Schriesheim ein weiterer Edeka-Markt eröffnet.

Konkurrenz habe es bereits immer gegeben, so Kuzu. Nur 700 Meter entfernt liegt Edeka Zeilfelder in Großsachsen, und auch der Heddesheimer Edeka-Markt Zipser sowie bestehende Aldi- und Rewe-Märkte in Schriesheim sind nur wenige Kilometer entfernt. „Bislang hat uns das alles nicht geschadet. Die Leutershausener stehen zu uns“, versichert Kuzu.

Gleichzeitig sieht er jedoch auch schwierige Rahmenbedingungen. Der Markt stoße an räumliche Grenzen und die demografische Entwicklung, insbesondere die älter werdende Bevölkerung, bereite ihm Sorgen. Hinzu kommt die Nähe zur RNV-Linie 5 und dem OEG-Bahnhof, die Kunden manchmal eher weiterfahren lassen, wenn sie an der Schranke warten müssen.

Kuzus Mietvertrag läuft Ende 2027/2028 aus, allerdings sei er selbst nur Untermieter; Hauptmieter ist die Edeka. „Es bleibt also abzuwarten“, sagt der Einzelhändler. „Wie gesagt: Es steht und fällt mit den Zahlen.“