Weinheimer Liebesbotschaft gibt Rätsel auf
Stell dir vor, dein Viertel wird zu einem großen, begehbaren Liebesbrief - so geschehen in Weinheim zwischen Alter Post und Peterskirche.
Es ist eines der romantischsten Viertel in Weinheim, kuschelig und irgendwie immer ein wenig im Dornröschenschlaf: der Abschnitt entlang der Weschnitz zwischen Alter Post und Peterskirche rund um die Entengasse und die Alte Postgasse. Eng schmiegen sich die teilweise historischen Häuser aneinander, ein bisschen verwinkelt, ein bisschen verwunschen, hinter so manchem großen Hoftor erstreckt sich am Hang, dem Erbsenbuckel, ein bezaubernder Garten und in der friedlich dahinfließenden Weschnitz tummeln sich die Enten. Kein Wunder, dass sich jemand ausgerechnet dieses Viertel für eine ungewöhnliche Liebeserklärung ausgesucht hat. Verteilt auf vier Stromkästen und einen Laternenmast hat er oder sie mit grüner Farbe folgendes gepinselt: "Es ist an der Zeit, dir etwas über mich zu erzählen" steht an der ersten Station, gleich gegenüber vom Restaurant "Esszimmer" in der Alten Post. Wer dem grünen Pfeil folgt und immer entlang der Weschnitz durch die Entengasse geht, der kommt am nächsten romantischen Halbsatz vorbei: "Als ich dich das erste Mal sah" . . .
Weiter geht es, die Entengasse hinunter, nach rechts Richtung Erbsenbuckel und dann einem weiteren grünen Pfeil nach links folgend Richtung Peterskirche. Dort könnte man es fast übersehen, denn offenbar aus Mangel an einem Stromkasten, steht nun auf einem Laternenmast die Fortsetzung: "konnte ich kaum glauben" . . .
Spätestens jetzt dürfte sich sogar der abgebrühteste Spaziergänger fragen: Was konntest du kaum glauben? Schnell marschiert man also weiter, um nach nur wenigen Metern auf einen weiteren Stromkasten mit der Aufschrift "wie herrlich du bist &" zu stoßen. Dazu muss man nun wissen, dass der Duden für das schöne Wort "herrlich" folgende Bedeutung parat hat: "in einem so hohen Maße gut, schön, dass es sich nicht besser, schöner denken lässt". Wenn das kein Kompliment ist!
Nur das Wörtchen "seitdem" ist auf dem nächsten Kasten zu lesen, bevor man dann etwas ratlos und verloren an der Einmündung der Alten Postgasse zur Hauptstraße und Grundelbachstraße angekommen ist. Ausgerechnet jetzt, wo es doch so spannend wird.
Der letzte Kasten liegt tatsächlich sehr versteckt. Nur wer die Straßen überquert und links um die Peterskirche herumläuft, der stößt am Ende auf den letzten Stromkasten am Mühlweg. Dort ist zu lesen: "muss ich ständig an dich denken. ZK"
Seitdem machen sich die Menschen im Viertel so ihre Gedanken. Ganz klar, Laternenmasten und Stromkästen zu beschmieren, das darf man nicht gutheißen, aber trotzdem ist man neugierig. Wer ZK wohl ist? Ob die Botschaft bei dem oder der Angebeteten angekommen ist? Gab es ein Happy End? Oder hat sich ZK vielleicht noch gar nicht getraut, sich zu offenbaren? Und dann wäre da noch die Überlegung, ob der Aufkleber der TSG Hoffenheim ganz zufällig in die Mitte der Botschaft gerückt ist. Fragen über Fragen.
Irgendwann wird die Botschaft verschwunden sein, wenn die Stadtwerke mal wieder einen Reinigungstrupp losschicken, um ihre Stromkästen von Schmierereien aller Arten zu reinigen. Doch bis dahin darf im kleinen, romantischen Quartier von Weinheim noch ein wenig die Liebe regieren.
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