Weinheimer Paartherapeutin: So kann man eine Beziehungskrise an Valentinstag meistern
Die Weinheimer Paartherapeutin Petra Röller erklärt, warum hohe Erwartungen oft Enttäuschungen verursachen – und wie Paare den Tag nutzen können, um ihre Beziehung zu stärken.
Weinheim. Klirrende Champagnergläser, süß duftende Rosensträuße und herzförmige Pralinenschachteln in zarten Rosatönen – so inszenieren Filme und Werbung den perfekten Valentinstag. Doch in der Realität kann dieses eigentlich romantische Ereignis schnell zum Stresstest für die Beziehung werden. „Der Valentinstag weckt hohe Erwartungen, birgt aber ebenso viel Enttäuschungspotenzial“, erklärt Petra Röller, Heilpraktikerin für Psychotherapie.
In ihrer Praxis in Weinheim hat sich die 60-Jährige auf Paar- und Sexualtherapie spezialisiert. Für sie ist der 14. Februar nicht nur ein Tag für Blumen und Pralinen, sondern eben auch eine Gelegenheit zur Reflexion: „Als Paar kann man den Valentinstag zum Anlass nehmen, um bewusst Zeit miteinander zu verbringen und offen über seine Gefühle zu sprechen.“
Und dafür hat Röller einen Tipp: nämlich eine ihrer bevorzugten Methoden, den sogenannten Wetterbericht. „Jede Person bekommt zehn Minuten, um zu erzählen, wie es ihr aktuell geht – ohne Unterbrechungen oder Kommentare des Partners.“ Ziel sei es, eine Momentaufnahme der Gefühlslage zu schaffen und dem anderen wirklich zuzuhören.
Alle Altersgruppen kommen zum Gespräch
In ihrer Praxis nehmen Menschen aller Altersgruppen auf den gemütlichen Ledersesseln Platz. „Mein ältestes Paar ist aktuell in seinen 80ern, aber ich hatte auch schon Patienten Anfang 20 bei mir“, berichtet Röller. Am häufigsten suchen die Paar- und Sexualtherapeutin Personen zwischen 30 und 50 Jahren auf.
„In diesem Alter sind viele verheiratet, meistens beide berufstätig. Oft kommen noch Kinder und Hausbau dazu. Da bleibt die Zeit zu zweit auf der Strecke“, weiß die Therapeutin. „Und Paarbeziehungen brauchen gemeinsame Zeit.“
Doch viele Paare nehmen zu spät professionelle Hilfe in Anspruch. Die Expertin empfiehlt, alle zwei bis drei Jahre ein paar Sitzungen einzuplanen, auch wenn vordergründig keine Probleme sichtbar sind. „Mit dem Auto gehen wir ja auch regelmäßig zum TÜV“, fügt sie mit einem Augenzwinkern hinzu.
Die Gesprächsrunden bieten den Betroffenen eine Chance auf einen unparteiischen Schiedsrichter. „Wenn ich meiner Freundin von meinen Beziehungsproblemen erzähle, ist sie nicht neutral. Ein Außenstehender, der beide nicht kennt, kann die Situation objektiver einschätzen“, erklärt Röller. Die Anzahl der Sitzungen variiert: „Manche Paare brauchen nur zwei, andere bis zu sieben, bis es wieder harmoniert.“
Großes Konfliktpotenzial
Durch den Alltagsstress haben schon kleine Meinungsverschiedenheiten das Potenzial, zu ausufernden Streitigkeiten zu werden. „Schon die nicht zugeschraubte Zahnpastatube kann einen handfesten Konflikt auslösen“, erklärt die Sexual- und Paartherapeutin. „Vielleicht hat eine Person ihren Partner schon zehn Mal darauf hingewiesen, aber es hat sich nichts geändert.“
Doch es geht dabei um mehr als Zahnhygiene – solche Kleinigkeiten sind oft nur Stellvertreter für tiefere Probleme. „Wenn mein Wunsch ignoriert wird, denke ich: Meine Bedürfnisse zählen nicht. Ich habe es so oft gesagt – und es ist doch egal“, führt Röller weiter aus.
Wenn dieses Gefühl entsteht, dass der andere sich nicht wirklich für einen interessiert, ist das ein deutliches Warnsignal. Denn wachsende Distanz gefährde die Beziehung. „Viele äußern ihre Wünsche nicht, sondern setzen sie stillschweigend voraus“, sagt Röller. Ein klassisches Beispiel: Eine Frau möchte Blumen zum Valentinstag, bekommt keine – und ist enttäuscht. „Statt zu sagen, was sie sich wünscht, erwartet sie, dass ihr Partner es von selbst weiß.“
Auch die körperliche Nähe leidet
Doch nicht nur die emotionale Entfremdung ist ein Problem – auch die körperliche Nähe leide unter ungelösten Konflikten. „Dass Menschen keinen Sex mehr miteinander haben, liegt in den meisten Fällen an der dynamischen Entwicklung der Partnerschaft“, erklärt Röller. Bevor sie diese Themen in der Therapie intensiv behandelt, schließt sie medizinische Ursachen für Libidoverlust aus: „Meine Patienten schicke ich deswegen zuerst zum Arzt.“
Allerdings kann auch eine Therapie nicht jede Beziehung retten. Das entmutigt Röller jedoch nicht: „Als Paartherapeutin darf ich das Ende einer Beziehung nicht fürchten. Eine Trennung muss nicht immer negativ sein. Egal wie es ausgeht, die Parteien können lernen, besser zu kommunizieren – das ist besonders wichtig, wenn Kinder im Spiel sind.“
Und wie geht es danach weiter? „Eine Trennung bedeutet immer Verlust. Es ist wichtig, sich die Zeit zu nehmen, diesen zu verarbeiten“, sagt sie. Ein unterstützendes Umfeld hilft dabei. „Viel mit anderen sprechen, sich nicht zurückziehen – das sind entscheidende Faktoren.“