Weinheimer Pärchenexpertin verrät: So klappt's wieder mit der Beziehung
Kleine Aufmerksamkeiten, gemeinsame Ziele und eine Übung zum Aufwärmen: Die langjährige Paar- und Sexualberaterin Antonia Scheib-Berten gibt zum Valentinstag Tipps, wie man seine Beziehung aus dem Dornröschenschlaf küsst.
Selbst die beste Beziehung kann im Lauf der Jahre in einen Dornröschenschlaf verfallen. Was früher als aufregend empfunden wurde, ist heute irgendwie langweilig. Die einst ungeteilte Aufmerksamkeit füreinander muss für Kinder, Haushalt und Co. gesplittet werden. Liebesbekundungen werden seltener. Kleine spontane Geschenke: dito. Ist das Feuer der Beziehung erloschen, gilt es trotzdem, nicht den Kopf in den Sand zu stecken. Anlässe wie der Valentinstag bieten eine gute Gelegenheit für einen Kurswechsel. Die Weinheimer Beziehungsexpertin Antonia Scheib-Berten verrät im WN-Gespräch, wie das funktioniert.
Tipp 1 - Die Aufwärmübung
Alles beginnt mit dem Zeigen von Gefühlen. Der Partner soll wieder wahrgenommen werden und dies auch bemerken. Hier hilft es, die Schmetterlinge im eigenen Bauch wieder wachzurütteln. Scheib-Berten empfiehlt eine kleine Aufwärmübung für erloschene Liebesflammen. Bei nächster Gelegenheit, beispielsweise beim Abendessen, solle die bessere Hälfte ganz intensiv angeschaut werden. Der Clou: „Dabei soll man sich vorstellen, den Partner ganz neu kennenzulernen. Als würde man sich neu verlieben“, so die Expertin. Ein Rollenwechsel quasi, indem die eigene Frau oder der eigene Mann zum Fremden beziehungsweise zur Fremden wird. So würden oftmals Dinge ganz neu wahrgenommen werden. „Und vielleicht fällt einem plötzlich das tolle Kleid ein, das schon lange im Schrank hängt und indem man den Partner gerne einmal wieder sehen würde.“
Tipp 2 - Aufmerksamkeit schenken
Aufmerksamkeit endet natürlich nicht mit Gedankenspielen und Blicken. Um dem Lebensgefährten zu zeigen, dass er wertgeschätzt wird, bieten sich kleine Gesten an. Der Valentinstag kann hier einen guten Auftakt darstellen. Er darf aber keine Eintagsfliege sein. Scheib-Berten betont, dass der Überraschungseffekt eine große Rolle spielt. Und der ist an Weihnachten, am Geburtstag oder eben am Valentinstag nicht so stark wie im ganz gewöhnlichen Alltag. „Es muss ganz ohne Anlass, ohne Grund geschehen. Das ist ja der Gag an der Sache“, sagt die Paarberaterin.
Tipp 3 - Schon kleine Gesten haben große Wirkung
Aber wie können solche Aufmerksamkeiten nun aussehen? „Die können schon mit kleinen Überraschungen beginnen. Zum Beispiel, dass man Aufgaben übernimmt, die sonst dem Partner überlassen werden.“ Den Müll herauszubringen, sei ein Klassiker. Ein Liebesbeweis könne ebenso sein, sich gemeinsam einen Film im Kino oder auf Netflix anzuschauen und der besseren Hälfte freie Wahl bei dem Streifen zu lassen. Gerne darf sie dabei ermutigt werden, eine Art Film auszusuchen, die nur ihr gefällt.
Individuelle Vorlieben, das sei natürlich generell das A und O. „Wenn der Partner gerne badet, lässt man ihm ein Bad ein. Mein Ehemann raucht gerne Zigarre. Ich gehe dann manchmal los und hole ihm einen Gutschein im Laden.“ Nur übertreiben solle man es nicht. Wer seinen Partner plötzlich mit Geschenken und Liebesbekundungen überschüttet, könnte seinen Argwohn wecken. „Nicht, dass der Lebensgefährte noch auf falsche Gedanken kommt und sich fragt: ,Was ist denn jetzt auf einmal los – betrügst du mich?‘“
Tipp 4 - Gemeinsame Ziele schweißen zusammen
Was Entzweite wieder auf einen gemeinsamen Weg führen kann, sind dieselben Ziele. Laut Beziehungsexpertin Scheib-Berten sind sie ohnehin der Klebstoff schlechthin: „Liebende sollten immer ein gemeinsames Vorhaben vor Augen haben.“ Und auch hier gelte: Es muss gar nicht zu groß gedacht werden. Es kann sich auch um den nächsten Besuch einer Lesung oder die Einladung von Freunden zum Essen handeln. Bei den gemeinsamen Aktivitäten könne ebenfalls gepunktet werden, wenn man sich an den Vorlieben des Partners orientiert. „Etwa eine Sportveranstaltung zu besuchen – auch wenn sie einen gar nicht so sehr interessiert.“
Tipp 5 - Mit einem Tapetenwechsel raus aus dem Trott
Ein tolles Ziel kann die nächste gemeinsame Reise sein. Tapetenwechsel sind für eine Beziehung überlebenswichtig. „Gerade bei einer Langzeitbeziehung ist es von Bedeutung, frischen Wind in den Alltag zu bringen, neue Dinge zu wagen und zu erleben“, weiß die Expertin. Selbstverständlich seien auch alte Reiseziele, mit denen schöne Erinnerungen verbunden werden, denkbar.
Tipp 6 - Die Sprache der Liebe
„Sprache ist der Schlüssel einer jeden Beziehung“, erklärt Scheib-Berten. Doch sei es gerade die Kommunikation, die im Laufe der Zeit sowohl quantitativ als auch qualitativ einbüßt. Sprich: Es wird weniger miteinander geredet. Und wenn gesprochen wird, wird dabei weniger Süßholz geraspelt als in der Kennlernphase. Hat die Kälte Einzug in die Kommunikation gehalten, werde es mal wieder Zeit für ein „Ich-liebe-dich“ oder „Ich-mag-dich“.
Tipp 7 - Nicht nur du und ich
„Es gibt nichts Schlimmeres als eine Einsamkeit zu zweit“, befindet Antonia Scheib-Berten. Paare sollten unbedingt soziale Kontakte pflegen. Und zwar ganz bewusst auch getrennt: „Nur in Zweisamkeit zu verharren, bringt mit der Zeit eine gewisse Monotonie.“ Wohingegen eigene Aktivitäten in getrennten Kreisen für interessanten Gesprächsstoff sorgen, der wiederum mit in die Beziehung gebracht werden kann. Im direkten Vergleich mit den Freunden entstehe oftmals ein netter Nebeneffekt: „Da sieht man mitunter auf einmal, andere Leute haben dieselben Probleme wie wir“, so die Weinheimerin.
Tipp 8 - Sex ist kein Leistungssport
Natürlich spiele auch das Sexleben für eine funktionierende Beziehung eine Rolle. Das häufigste Problem, das hier auftreten könne, sei eine unterschiedlich hohe sexuelle Begierde bei den Partnern. An dieser Stelle räumte Scheib-Berten gleich mit einem Gerücht auf: „Entgegen dem Märchen, dass der Mann grundsätzlich mehr Lust hat als die Frau, habe ich immer wieder die Erfahrung gemacht, dass es auch umgekehrt sein kann.“ Hier sei es wichtig, Kompromisse zu finden und eventuell Ausgleich zu schaffen. Gerade bei jüngeren Paaren gehe die Unzufriedenheit mit unrealistischen Vorstellungen an das Liebesspiel einher. Die Sexualtherapeutin ruft deshalb in Erinnerung: „Sex soll kein Leistungssport sein, und Liebende sollten sich nicht nach Statistiken richten.“ Wie oft, wie lange und mit welchen Praktiken – all das sollten Paare für sich selbst herausfinden.
Bei allen Tipps war Antonia Scheib-Berten jedoch auch während ihrer aktiven Beratertätigkeit immer wichtig, zu betonen: „Eine schlechte Beziehung muss nicht krampfhaft weitergeführt werden!“