Weinheimer äußern sich zu den geplanten EU-Führerscheinreformen
Die Straßen der Europäischen Union könnten sich in den kommenden Jahren drastisch verändern. Eine Führerschein-Reform nimmt vor allem Fahranfänger und Senioren in den Fokus.
Bis 2050 soll kein einziger Mensch mehr auf EU-Straßen ums Leben kommen. Bereits bis 2030 soll die Zahl der Toten halbiert werden (2022 waren es nach Angaben des ADAC 20 600 Menschen in den EU-Ländern). Um das zu schaffen, wird in Brüssel derzeit an einer Führerschein-Reform gefeilt. Besonders im Fokus der Maßnahmen: Fahranfänger und Senioren.
Für junge Fahrer könnte sich einiges ändern. Beispielsweise schlägt der Entwurf eine Höchstgeschwindigkeit von 90 Stundenkilometern. Nachts (von Mitternacht bis 6 Uhr) könnte ein vollständiges Fahrverbot herrschen. Manche Fahrzeugtypen wie SUVs und E-Autos, so ein weiterer Vorschlag, würden ab einem Gewicht von 1,8 Tonnen einen eigenen Führerschein der Klasse B+ erfordern. Diesen dürften junge Menschen erst ab 21 Jahren machen. Den LKW-Führerschein könnten sie hingegen bereits mit 17 Jahren beginnen (derzeit liegt die Altersschwelle bei 21 Jahren). Generell soll ab 17 Jahren das begleitete Fahren im ganzen EU-Gebiet möglich sein.
Unsere Redaktion hörte sich in der Weinheimer Fußgängerzone um: Was halten die Passanten von den Reformplänen der EU?
„Das ist doch Quatsch, als ob jemand kontrollieren könnte, wie schnell man fährt“, sagt Stella Eck. Die 23-Jährige ist der Meinung, dass man Unfälle nicht verhindern kann: „Sie verlagern sich nur nach hinten“, so Eck und spricht von dem Alter. Die junge Frau würde, wenn sie unter diesen Umständen noch einmal vor der Entscheidung stünde, einen Führerschein zu machen, lieber keinen mehr machen. „Der ist viel zu teuer“, meint die 25-Jährige. Eck könnte sich vorstellen, auf das Auto zu verzichten, wenn das Netz der Öffentlichen in Deutschland besser ausgebaut wäre.
„Ich finde den Vorschlag von Tempo 90 für Fahranfänger eine gute Idee. Man dürfte immer noch früh genug schnell fahren“, sagt Lukas Dombrowski. Auch die Gewichtsbeschränkung bei Pkw hält der 30-Jährige für sinnvoll. „Von SUVs bin ich nicht begeistert, ein Kleinwagen reicht für den Anfang“, so Dombrowski. Den Vorschlag einer Zusatzprüfung für das Fahren eines SUVs findet er nicht schlecht. Aber wenn das einen finanziellen Mehraufwand bedeute, müsse man darüber nachdenken.
„Meine Kinder haben den Führerschein für begleitetes Fahren gemacht. Bis heute haben sie keinen Unfall gebaut“, sagt Frank Krüger stolz. Von der 90-Stundenkilometer-Regelung hält er hingegen nichts: Der 59-Jährige würde es als gefährlich erachten, wenn Fahranfänger mit so geringer Geschwindigkeit auf der Autobahn unterwegs sind. „So sammeln die jungen Leute keine Erfahrungen“, meint Krüger. Er ist überzeugt, dass die Verbote dazu verleiten, sie auszureizen. Und das sei völlig normal, das habe er auch als junger Mann gemacht. Krüger unterstellt, dass es bei diesen Reformplänen nicht die Fahrsicherheit im Vordergrund stehen würde. Er meint, es gehe darum, Geld zu verdienen – mit den Jugendlichen als Leidtragenden. Der 59-Jährige ist davon überzeugt, dass im Elternhaus die Verkehrserziehung nicht vernachlässigt werden darf. Dann bekommen Fahranfänger intuitiv ein Gefühl für die Verkehrsregeln.
„Mit 17 Jahren einen LKW zu fahren, finde ich nicht gut. Da muss man schon ein paar Jahre Autoerfahrung haben“, sagt Heiko Gabsteiner. Die Idee einer Zusatzprüfung für die Klasse B+ findet der 54-Jährige gut. „Wenn man noch einmal eine Prüfung machen muss, ist es halt wie beim Motorradführerschein“, sagt Gabsteiner. Allerdings findet der 54-Jährige, dass die Kosten für den Führerschein allgemein viel zu hoch sind. Gerade in der Ausbildung wird es schwierig, sich die Fahrschule und das erste Auto leisten zu können. „Zu meiner Zeit hat man den Führerschein für viel weniger Geld gemacht und war dann nicht auf eine Klasse beschränkt“, so Gabsteiner.
„Alles klingt nach ausdifferenzierten Richtlinien, da bin ich kein Freund von“, so Tobias Haas. Der 30-Jährige sehe das Problem, dass der Aufwand zu groß ist, um die neue Reform zu verabschieden. „Es wird mehr Bürokratie aufgebaut statt abgebaut, das kostet doch alles Geld“, sagt Haas. Dennoch ist der Führerschein wichtig. Er ist auf dem Land aufgewachsen und war froh, fahren zu können. Seine Frau, Isabelle Haas, hat mit 17 Jahren ihren Führerschein gemacht und das relativ kurz vor ihrem 18. Geburtstag. „Das richtige Auto fahren, habe ich gelernt, als ich alleine im Auto gefahren bin.“ Die 25-Jährige fügt hinzu, dass kleine Pkw sowie SUVs gleichermaßen gefährlich sein können.
„Ein Auto bedeutet für mich Freiheit und ist ein Hobby“, so Joachim Schwöbel. Der 73-Jährige ist der Meinung: wenn Einschränkungen, dann für alle. Gerade die Idee, einige 17-Jährige aufgrund des Fachkräftemangels dazu zu ermutigen, Fernfahrer zu werden, findet er gegenüber den Altersgenossen unfair. „Sie werden wegen des Fachkräftemangels bevorteilt, während diejenigen, die noch zur Schule, Universität oder zur Arbeit gehen, auch die Freiheit haben sollten, selbst zu entscheiden, wie sie fahren wollen“, so Schwöbel. Der 73-Jährige würde jeden ermutigen, einen Führerschein zu machen. Es gehe nicht nur darum, sich fortzubewegen, sondern es sei ein Lebensgefühl.
Von Loredana Bland