Nikolas Rohr radelt von Weinheim nach Rumänien
Ein Fahrrad, 2.000 Kilometer und drei Wochen Zeit: Der "Freudenberger" Nikolas Rohr hat Großes vor - und das auch noch für einen guten Zweck. Hier kommen die ersten Bilder seiner Tour.
Die Tasche ist gepackt, die sind Reifen aufgepumpt, der Helm sitzt. Nikolas Rohr ist bereit für seine Fahrradtour. Wohin es für den 22-Jährigen geht? Knapp 2.000 Kilometer von Weinheim bis nach Brasov, Rumänien. Dabei sammelt er Spenden für die gemeinnützige Organisation "World Bicycle Relief".
Rohr ist eigentlich Fußballer beim FV 03 Ladenburg und war nie der große Fahrradfahrer. Er arbeitet bei der Weinheimer Firma Freudenberg, hat sich erst vor knapp fünf Wochen sein erstes Fahrrad gekauft und seine längste Strecke bis zum Gespräch mit der WNOZ-Redaktion waren 50 Kilometer zum See an der Schlicht in Neuhofen. "Aber das ist auch Teil des Reizes, nicht genau zu wissen, was passieren wird", sagt der gebürtige Heidelberger. Am 29. September geht die Reise los, am 17. Oktober will er abends in Brasov ankommen.
Nicht der typische Italien-Urlaub
Der Ausgangspunkt war folgender: Drei Wochen Urlaub - was macht man damit? Was erfüllt einen? Darüber unterhielt Rohr sich mit seinen Kollegen bei Freudenberg. "Das klingt jetzt etwas philosophisch, aber viele starten ja größere Projekte im Leben und wandern zum Beispiel den Jakobsweg entlang." Der Ladenburger dachte sich, er fängt "mit etwas Kleinerem" an und so entstand die Idee zur Fahrradreise.
Erste Inspiration fand Rohr auf Instagram, wo Radfahrer große Touren nach China unternehmen. Sein Arbeitgeber hat auch einen Sitz in Shanghai, aber das war Rohr für die Zeit von drei Wochen doch ein bisschen zu ambitioniert. Als weitere Länder mit Firmensitz fielen ihm noch die USA, Costa Rica - und eben Rumänien ein. Das klang schon eher machbar. "Es ist mal was anderes als der klassische Italien-Urlaub, den man sonst so macht." Die Freudenberg-Kollegen aus dem rumänischen Brasov schauen ab und zu in Weinheim vorbei, daher will Rohr die Gelegenheit nutzen und seine Tour mit einem Besuch verbinden.
Durch Deutschland, Österreich, die Slowakei und Ungarn
Auf dem Weg nach Rumänien durchquert der Ladenburger vier Länder. Der Großteil der Route ist eher flach, aber auch ein paar bergige Abschnitte erwarten ihn. Am Tag will er im Schnitt 105 Kilometer radeln. Die längste Strecke mit circa 155 Kilometern ist dabei auch die schwierigste. Sie führt durch einen Nationalpark in Ostungarn, wo laut Rohr "quasi nichts" ist. Er muss also einfach durchziehen. Was die Übernachtungen betrifft, hat der Radfahrer bereits alles vorgebucht - meistens Hostels in den größeren Städten. Eins der Highlights ist dabei eine Hütte auf 1.100 Metern Höhe in der Nähe von München. Auf die Hotelsuche während der Fahrt hatte der 22-Jährige keine Lust. "Zudem hat man so immer ein Ziel vor Augen, wo man abends schläft." Dieses Ziel hilft auch bei der Motivation, jeden Morgen aufs Neue loszuradeln. "Das könnte tatsächlich schwer werden", sagt Rohr. "Aber ich denke, man muss einfach früh losfahren und sobald man auf dem Sattel sitzt, klappt's."
Ich packe meine Fahrradtasche und nehme mit ...
... ein langes und ein kurzes Trikot, dazu passende Hosen, Waschzeug, das nötige Fahrradwerkzeug wie Multitool, Ersatzschläuche und Fahrradpumpe sowie ein normales Outfit für abends. "Damit ich im Restaurant nicht in Fahrradklamotten antanzen muss", so Rohr. Unterwegs wird wohl eher das lange Trikot zum Einsatz kommen, aber das Wetter lässt sich natürlich nicht planen. "Laut Klimatabelle ist der Oktober aber einer der regenärmsten Monate", recherchierte der 22-Jährige. Das ist zwar keine Garantie, aber die Chancen stehen immerhin besser, dass es nicht drei Wochen durchregnet. Essen wird er wohl viele Obst- und Müsliriegel, ergänzt durch Restaurantbesuche und Supermarkteinkäufe. "Ich sollte ganz gut über die Runden kommen, auch wenn ich bei dem Kalorienverbrauch mit täglich sechs bis sieben Stunden auf dem Rad bestimmt viel mehr essen müsste, als ich kann", sagt Rohr.
"Alles, was man mitnimmt, muss man natürlich auch schleppen."
Welche Sorgen sich der 22-Jährige macht - und welche die Oma
Wenn man seine Oma fragt, klingt Rohrs Radtour fast nach einer Reise um die Welt. "Sie macht sich einfach immer Sorgen." Er versteht auch die Bedenken, fühlt sich aber dank der Technik heutzutage sehr sicher. "Worst Case wäre, dass sich mein Fahrrad in zwei teilt - und dann fahre ich eben mit einem Uber weiter", sagt Rohr entspannt. Das einzige, was schiefgehen könnte, sei sich zu verletzen. "Ansonsten ist mit genügend Disziplin alles machbar." Es sei denn, sein Rad wird unterwegs geklaut. Plötzlich ohne Fahrrad oder ohne Reifen dazustehen, wäre problematisch. "Ein gutes Schloss habe ich zumindest", so der 22-Jährige. WNOZ drückt die Daumen!
World Bicycle Relief
- Internationale Hilfsorganisation, die Menschen in Afrika, Südamerika und Südost-Asien mit Fahrrädern eine größere Mobilität ermöglicht
- Fördert Bildung, Gesundheitswesen und wirtschaftliche Entwicklung in Entwicklungsländern
- Liefert unter anderem spezielle Lastenfahrräder an Schüler, Krankenpfleger und Kleinstunternehmer, um Schulen, Arbeitsplätze, Patienten und Märkte zu erreichen
- Für langfristiges und nachhaltiges Reduzieren von Armut
- Eigens entwickeltes, sehr robustes "Buffalo-Fahrrad"
- Mit 147 Euro wird ein Buffalo-Fahrrad finanziert
- Allein im Jahr 2023 wurden 73.698 Fahrräder ausgeliefert
- Spenden-Link
- Zur Webseite der Organisation
Mit dem Fahrrad für Fahrräder
Der 22-Jährige hat sich vorgenommen, etwas zurückzugeben. So kam die Idee, auf der Tour Spenden zu sammeln. Nach einigen Überlegungen, ob er vielleicht einen Bezug zwischen den Ländern herstellen kann, kam er schließlich auf den Bezug zum Fahrrad - und somit auch auf World Bicycle Relief. "Sie produzieren extrem schwere und stabile Fahrräder, quasi unkaputtbar." Diese werden in Afrika eingesetzt, damit beispielsweise Kinder in die Schule fahren können. Sein Spendenziel sind 1.000 Euro, aber jeder kleine Betrag zählt. Zur Spenden-Seite geht's hier.
Bären und Draculaschloss in Brasov
Donnerstags ist die Ankunft in Brasov geplant, Samstagabend startet schon die 36-stündige Rückreise nach Deutschland mit Bus und Bahn. Vorher will sich der 22-Jährige aber noch mit einer Freudenberg-Kollegin treffen und die Burg von Graf Dracula besuchen, denn sein Vater ist großer Graf Dracula-Fan. "Sie hat zwar nur im entfernteren Sinne etwas mit den Filmen um Dracula zu tun, aber die Ausstellung möchte ich trotzdem besuchen", so Rohr. Zudem hat er sich für Freitag einen Mietwagen gebucht, um eine der schönsten Straßen der Welt, die Transfogarascher Hochstraße, zu entdecken. Der Pass zieht sich in Schlangenlinien den Berg hoch und ist auch als "Bärensafari"-Strecke bekannt. "Ich hoffe zwar, dass ich ihnen auf dem Fahrrad nicht begegne, aber im Auto dann schon." Die Chancen stehen gut, denn in Rumänien gibt es das größte Bärenvolk Europas.
Seine Reise will er mit täglichen Videos auf seinem Instagram-Account @tourdeniko dokumentieren - auch wir von WNOZ werden euch nach Möglichkeit updaten. "Da freuen sich meine Eltern - und die Oma!"