Weiter Stillstand im Weinheimer Neubaugebiet
Anfrage im Gemeinderat zum Stand der Verhandlungen mit den Investoren, die in den Allmendäckern sozialen Wohnungsbau planen, lässt aufhorchen.
Insgesamt sieht das städtebauliche Konzept für das Neubaugebiet Allmendäcker am Rande der Weinheimer Weststadt die Schaffung von 51 Sozialwohnungen und 37 preisgedämpften Wohnungen vor, deren Miete höchstens einen Euro über dem vom Jobcenter vorgegebenen Höchstsatz für Sozialmieten liegen darf. Doch bislang sieht man in den dafür vorgesehenen Baufeldern 2 bis 5 keine Mehrfamilienhäuser in die Höhe wachsen, sondern nur das Unkraut.
„Da bewegt sich nichts, außer das Steppengras“
„Da bewegt sich nichts, außer das Steppengras“, wählte Holger Haring (CDU) am Mittwoch im Gemeinderat klare Worte. Und er legte nach: „Wir alle reden davon, den sozialen Wohnungsbau fördern zu wollen. Aber es passiert nichts. Wir werden doch als Stadträte von den Bürgern nicht mehr ernst genommen.“ Seine konkreten Fragen an die Verwaltungsspitze: Wie weit sind denn die Verhandlungen mit den Investoren? Wäre es nicht langsam an der Zeit, sich nach Alternativen umzuschauen, zum Beispiel in Zusammenarbeit mit der Baugenossenschaft Weinheim?
Entscheidung noch in diesem Jahr?
Oberbürgermeister Manuel Just zeigte Verständnis für die Fragen. Aber er glaube daran, dass man noch vor dem Jahreswechsel zu Entscheidungen kommen werde, die dann im ersten Quartal 2025 vom Gemeinderat formal zu beschließen wären. Bürgermeister Andreas Buske berichtete, dass er diese Woche zu einem Gespräch mit einem der Investoren verabredet sei. Sein Eindruck: Ohne Landeszuschüsse wären die Bauvorhaben nur schwer umsetzbar.
Lange Vorgeschichte
Dabei hatte der Gemeinderat den Investoren 2020 bereits erhebliche „Rabatte“ auf den Grundstückspreis eingeräumt, um die Schaffung von sozialem Wohnraum zu ermöglichen. Bezogen auf die Grundstückspreise von 2018 summierten sie sich auf 3,35 Millionen Euro. Da seinerzeit die Preise auf dem Höhenflug waren, stieg der Preisnachlass im Vergleich zum Verkehrswert bis 2021 auf mehr als zehn Millionen Euro. Doch Verträge wurden bis heute nicht unterzeichnet. Dafür wurde der Bebauungsplan auf Betreiben der Investoren 2023 noch einmal geändert. Trotzdem zogen zwei der vier Investoren ihr Angebot zurück und verwiesen auf dramatisch veränderte Rahmenbedingungen seit Beginn des Ukraine-Krieges. Seither verhandelt die Stadt in den Baufeldern 2 und 4 mit den Zweitplatzierten. In den Baufeldern 3 und 5 wird weiter mit den Wettbewerbssiegern gesprochen.
GRN-Areal als positive Ausnahme
Harings Aussage, dass ja auch bei der ehemaligen Albert-Schweitzer- und der Johann-Sebastian-Bach-Schule die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum nicht absehbar sei, konterte Sven-Patrick Marx, der Leiter des Amtes für Stadtentwicklung, mit dem Hinweis, dass zumindest auf dem GRN-Areal des ehemaligen Kreispflegeheims der Bau von 78 preisgedämpften Wohnungen bereits weit fortgeschritten sei.