Einzelhandel

Wie Eva Wohlgemuth die Weinheimer Innenstadt beleben möchte

Die 55-jährige Weinheimerin ist seit Anfang des Jahres Teil des Stadtmarketings. Wie sie ihre 25 Jahren Berufserfahrung einbringen will.

Seit Anfang des Jahres ist Eva Wohlgemuth Teil des Marketing-Teams der Stadt Weinheim. Foto: Stadt Weinheim/Nikola Neven Haubner
Seit Anfang des Jahres ist Eva Wohlgemuth Teil des Marketing-Teams der Stadt Weinheim.

Wenn Eva Wohlgemuth durch die Weinheimer Fußgängerzone läuft, vorbei an den Ladengeschäften der City, neugierig und ein bisschen prüfend die Schaufenster betrachtet, dann ist die 55-jährige Marketing-Expertin nicht etwa auf Shopping-Tour.

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Die studierte Betriebswirtin (Schwerpunkte Marketing, Internationales Management und Wirtschaftspsychologie) ist dann aus beruflichem Interesse unterwegs. Denn seit Anfang dieses Jahres ist sie im Amt für Kommunikation, Kultur, Tourismus und Wirtschaft für das Stadtmarketing zuständig. Als solche brennen ihr viele Fragen auf den Nägeln. Wo und wie kann man etwas verbessern? Wie kann sie den Einzelhändlern unterstützend und beratend zur Seite stehen? Wie kann man die Attraktivität des Weinheimer Einzelhandels noch besser in den Fokus rücken und so darstellen, dass die Zweiburgenstadt vor Ort, aber auch in der ganzen Region, als besonderer Einzelhandelsstandort wahrgenommen wird? Kurz: Wie schafft es Weinheim, dass der Handel floriert – dem allgemeinen Trend zum Trotz.

Gutes Netzwerk

Das Rathaus hat die Stelle in Übereinkunft mit dem Gemeinderat eingerichtet, um Projekte, Aktionen und Marketing-Aktivitäten zu stärken, die dem Einzelhandel nutzen; in der City, aber durchaus auch in den Stadt- und Ortsteilen.

Die verstärkte Wahrnehmung dieser Aufgabe beruht auf dem Innenstadt-Belebungskonzept, das die Stadt schon in Corona-Zeiten gemeinsam mit der IHK Rhein-Neckar und ihrem Innenstadt-Berater Timo Cyriax sowie dem Verein „Lebendiges Weinheim“ aufgesetzt hat. Der Verein der aktiven Innenstadt-Einzelhändler wird ein enger Kooperationspartner der neuen Rathaus-Mitarbeiterin sein. Dabei ist es praktisch, dass Eva Wohlgemuth bereits ein gutes Netzwerk zum Innenstadt-Einzelhandel pflegt; schließlich ist sie waschechte Weinheimerin. 1988 hat sie am Werner-Heisenberg-Gymnasium Abitur gemacht und wohnt heute mit ihrer Familie nahe der Innenstadt.

In ihrer Heimatstadt will sie nun „die stets erreichbare, engagierte erste Ansprechpartnerin und Impulsgeberin für den Einzelhandel sein“. Sie beschreibt: „Mein vorrangiges Ziel ist es, die Attraktivität der Einkaufsstadt Weinheim in den Fokus der Wahrnehmung zu rücken, auch über die Region hinaus. Die Bürger Weinheims und die Menschen im Umland sollen Lust bekommen, die Geschäfte und Gastronomie neu für sich zu entdecken – ob zum Erlebnisshopping oder für die täglichen Besorgungen.“ Man spürt: Weinheim liegt ihr am Herzen. Organisatorisch ist das Stadtmarketing ein Bereich der Wirtschaftsförderung. Ihr Arbeitsplatz befindet sich am Marktplatz neben der Tourist-Info. Das ist auch eine Botschaft: Eine intensivere Zusammenarbeit zwischen Tourismus, Einzelhandel, Gastronomie und Gewerbeverein gehört ebenfalls zu ihren Zielen.

Expertise aus 25 Jahren

Eva Wohlgemuth hat sich mit der Expertise aus 25 Jahren Berufserfahrung im Marketing bei der Stadt beworben. Unter anderem war sie sieben Jahre beim Bio-Lebensmittelunternehmen Alnatura in Darmstadt im Marketing tätig. Zuletzt hat sie bei einer Mannheimer PR-Agentur auch eines der großen Einzelhandels-Outlets beraten.

Die Hobby-Tennisspielerin in den Reihen des TC 02 Weinheim tritt ihren neuen Job in einer Zeit an, in der Kommunen und Einzelhändler gemeinsam große Herausforderungen annehmen müssen. Das Einkaufsverhalten der Menschen ändert sich seit Jahren. „Das Thema Leerstände werde ich mit Hochdruck angehen“, kündigt Eva Wohlgemuth an. Eine intensive Vernetzung mit den Vertretern des Vereins Lebendiges Weinheim, der IG Marktplatz und des Gewerbevereins stehe dabei ganz oben auf der Agenda. Auch die Ortsteile mit ihren besonderen örtlichen Bedingungen finden Berücksichtigung in der Planung.

Nicht zuletzt möchte sie den Bekanntheitsgrad des Zweiburgen-Gutscheins deutlich erhöhen. Ab diesem Jahr wird sie auch die bewährten Innenstadt-Veranstaltungen wie die Musikreihe „Woinem Live am Windeckplatz“ betreuen. Eine große Chance sieht die neue Mitarbeiterin – wie ihre Kollegen im ganzen Amt – in den Heimattagen. Eva Wohlgemuth ist davon überzeugt, dass 2025 auch für den lokalen Einzelhandel und die Gastronomiebetriebe ein voller Erfolg wird.

Wie kann man die Attraktivität des Weinheimer Einzelhandels noch besser in den Fokus rücken? Dieser Frage wird sich Eva Wohlgemuth annehmen. Foto: Philipp Reimer
Wie kann man die Attraktivität des Weinheimer Einzelhandels noch besser in den Fokus rücken? Dieser Frage wird sich Eva Wohlgemuth annehmen.

Ladeninhaber über die Zukunft

Unsere Redaktion hörte sich während des Weihnachtsgeschäftes bei den Einzelhändlern um: Wie sehen sie ihre Zukunft in der Zweiburgenstadt? Natascha Rude, Inhaberin des Familienbetriebs „Leder Rude“, zeigte sich besorgt über rückläufige Kundenzahlen, blieb jedoch optimistisch und lobte städtische Maßnahmen wie verkaufsoffene Sonntage. Sebastian Kerner von „Englert Herrenmode“ betonte die Bedeutung von Qualität und Service als Gegenpol zum Online-Handel und sah einen Trend zu bewussterem Konsum. Alexandra Ebert-Rödel, Inhaberin eines Dekorationsladens, beobachtete einen zurückhaltenden Kundenstrom seit Corona, nutzt aber Social Media erfolgreich zur Kundenbindung.

Natascha Rude führt den Familienbetrieb "Leder Rude" in der vierten Generation. Die rückläufigen Kundenzahlen beunruhigen sie. Foto: Amelie Michel
Natascha Rude führt den Familienbetrieb "Leder Rude" in der vierten Generation. Die rückläufigen Kundenzahlen beunruhigen sie.

Elke Stoiber vom Weltladen betonte die Notwendigkeit von Kreativität und Einsatz, sah jedoch in den hohen Mieten eine große Hürde. Auch Gaming-Shop-Besitzer Faruk Akgül kritisierte die Mietpreise und fehlende Unterstützung durch Behörden, während er seinen Traum von einem größeren Laden aufschieben muss. Bernhard Richter, Juwelier, sah die Verkehrsanbindung als Problem und forderte den Erhalt des Individualverkehrs. Er war jedoch zuversichtlich, dass Weinheim lebenswert bleibt, wenn Veränderungen maßvoll gestaltet werden.

Alle betonten, dass Engagement und innovative Ideen entscheidend für die Zukunft des Einzelhandels sind. Genau für solche Einfälle kommt nun Eva Wohlgemuth ins Spiel.