"Wir müssen lernen, zu verstehen" - Leben mit Demenz Weinheim in Weinheim
Versuchsparcours in der Weinheimer Innenstadt am Samstag, 20. September. Wissen, Verständnis, Mitgefühl soll für Menschen mit Demenz gefördert werden.
Weinheim. Anlässlich des Welt-Alzheimertags 2025 lädt der Verein „Leben mit Demenz Weinheim“ am Samstag, 20. September, 10 bis 13 Uhr, zu einem besonderen Austausch ein. An mehreren Stationen in der Weinheimer Innenstadt können Interessierte, Angehörige und Fachkräfte selbst erleben, wie sich die Symptome einer Demenz anfühlen. Ob am Marktstand auf dem Dürreplatz, in der Fußgängerzone, vor dem Modernen Theater oder in der Weinheim Galerie – eine Auswahl der Stationen des Demenzparcours von „Hands on dementia“ wird von jeweils zwei Partnern des Netzwerks „Runder Tisch Demenz und Pflege“ betreut. Vertreten sind an diesem Tag der Pflegestützpunkt Rhein-Neckar, der Stadtseniorenrat, die Stadt Weinheim und die Stadt Viernheim sowie der Förderverein „Leben mit Demenz in Weinheim“.
Die Stationen des Demenzsimulators zeigen an Alltagssituationen, wie schwierig es sein kann, einfache Handlungen nicht mehr umsetzen zu können. Daraus entstehen Verzweiflung, Scham und Wut. Wie schwer das auszuhalten ist, erlebt man schnell beim Ausprobieren.
"Wir müssen lernen, zu verstehen"
Die Simulation führt durch einen ganz normalen Tag und hält tägliche Aufgaben bereit, wie etwa das Ankleiden oder das Abendessen, schreibt Britta Müller, Koordinatorin Demenznetzwerk. Es gehe darum, Teilnehmern, nicht an Demenz erkrankten Menschen, auf spielerische Art und Weise Grenzen und Unbehagen erfahrbar zu machen – Gefühle, die Erkrankte tagtäglich erleben. Das Verständnis für Verhaltensweisen und Gefühle des anderen wird durch das Erleben des eigenen Unvermögens gefördert.
„Pflegende Angehörige und alle, die sich während ihrer Ausbildung, in ihrem Beruf oder Ehrenamt für Menschen mit Demenz engagieren, müssen sich immer wieder auf neue, manchmal recht schwierige Situationen einstellen. Menschen mit Demenz ändern ständig ihr Verhalten – das gehört zu ihrer schweren, fortschreitenden Krankheit.“ Und obwohl alles für sie einen Sinn hat, lasse es sich nicht immer nachvollziehen. Und weiter: „Im Verlauf der Erkrankung nehmen sie sich selbst und die Welt anders oder sogar als vollkommen fremd wahr. Menschen mit Demenz zeigen mitunter heftige Gefühle, und es fällt uns nicht leicht, darauf angemessen zu reagieren. Das macht es so schwer, Menschen mit Demenz zu verstehen.“
Mensch sein und bleiben
Der Welt-Alzheimertag 2025 steht unter dem Motto „Demenz – Mensch sein und bleiben“, um deutlich zu machen, dass Menschen mit Demenz nicht durch ihre Krankheit definiert werden, sondern weiterhin Teil der Gesellschaft sind – mit all ihren Stärken. Jeder Mensch hat individuelle Fähigkeiten, persönliche Interessen und einen Schatz an Lebenserfahrung. Wird die Diagnose „Demenz“ gestellt, dominiert oft die Annahme, dass die Betroffenen „verschwinden“, dass sie nichts mehr von ihrer Umwelt wahrnehmen. „Diese Vorstellung ist falsch“, sagt Britta Müller. Eine Demenzerkrankung verändere die Menschen. Die Krankheit nehme ihnen nach und nach viele Dinge, die sie früher konnten und wussten. Doch der Mensch bleibt. Die Fähigkeit, Gefühle wie Freude, Angst und Schmerz zu empfinden, bleibt erhalten – bis zuletzt.
Gewinn für beiden Seiten
Je mehr Wissen, Verständnis, Mitgefühl und Unterstützung es im Umfeld des Menschen mit Demenz und seiner An- und Zugehörigen gibt, desto mehr kann die Erkrankung in den Hintergrund treten. Kompetenzen können sichtbar werden und den Betroffenen im Alltag Halt geboten werden. Menschen mit Demenz möchten sich meist weiterhin mit ihren Fähigkeiten einbringen und etwas Sinnvolles tun. Sie möchten Teil der Gesellschaft bleiben und nicht ausgeschlossen werden.
Eine Demenz ist in der Regel nicht heilbar, aber es kann viel getan werden, um die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen zu verbessern. In einer Gesellschaft und Gemeinschaft, die weiß, was Demenz bedeutet, die Verständnis und Unterstützung bietet, können sich Menschen mit und trotz ihrer Demenz weiterhin als kompetente und geschätzte Person erleben. Es gilt, zu sehen, was noch gut funktioniert und möglich ist, welche Lebenserfahrung und Lebensfreude ein Mensch in die Begegnung einbringen kann. Eine solche Offenheit bedeutet einen Gewinn für beide Seiten. Der Förderverein „Leben mit Demenz in Weinheim“ als Mitglied des Netzwerks „Runder Tisch Demenz und Pflege“ initiiert Aktionen wie den Demenzparcours, um Verständnis im Umgang mit Betroffenen zu erreichen, die Integration von Betroffenen in der Stadtgemeinschaft zu fördern und Angehörige zu unterstützen.
Kurse und Austausch
Darüber hinaus bietet der Verein Schulungskurse für Demenzbegleiter und Nachbarschaftshilfe an, um Wissen über die Demenzerkrankungen zu vermitteln und den Umgang mit Betroffenen zu verbessern. Aktuell gibt es fünf Angehörigengruppen, die den Austausch untereinander fördern und sich gegenseitig stärken. Gemeinsames Singen, Tanzen und Zusammensein von Betroffenen mit deren Angehörigen, Nachbarn und Freunden ist in Weinheim schon etabliert.
Auf der Webseite sind alle Termine und Initiativen zu finden. Kommende Termine sind unter anderem das Herbstfest am 27. September um 16 Uhr beim Wiener Heurigen mit Essen und Musik oder auch ein Kurs zur progressiven Muskelentspannung speziell für Angehörige am 30. September um 18.30 Uhr im Bodelschwingh-Heim Weinheim. Bei allen Terminen wird um Anmeldung gebeten. Interessenten können auch gerne an dem Samstag an einem der Stände vorbeischauen oder sich per E-Mail info@leben-mit-demenz-weinheim.de oder telefonisch 06201/3899467 melden. Der Bedarf ist groß, und die Themen sind vielfältig.
Förderverein „Leben mit Demenz in Weinheim“; Telefon 06201 3899467; E-Mail: info@leben-mit-demenz-weinheim.de – Webseite: www.leben-mit-demenz-weinheim.de