Tag des Lokaljournalismus

„Wir richten den Blick auf die Menschen vor Ort“

Melissa Richter ist gerade erst 20 Jahre alt und schon seit über einem Jahr dabei. Die Volontärin berichtet über Blaulicht-Einsätze, die Herausforderung des täglich Neuen - und einen Flug, den sie nicht vergessen wird.

Ob Feuerwehrmeldung oder Flug im Doppeldecker: Melissa Richter erlebt, warum Journalismus so besonders sein kann. Foto: Schramm / Greinert
Ob Feuerwehrmeldung oder Flug im Doppeldecker: Melissa Richter erlebt, warum Journalismus so besonders sein kann.

Weinheim. Wenn vor der Redaktion Polizeisirenen aufheulen, greift Melissa Richter routiniert zum Telefon und wählt die Pressestellen von Feuerwehr und Polizei an. „Es brennt.“ Das ist ihr Stichwort. Block und Stift einpacken, Jacke überwerfen, los zum Einsatzort. „Halte mich telefonisch auf dem Laufenden“, ruft ihr Ausbilder ihr noch hinterher. Was bei der 20-Jährigen heute fast selbstverständlich wirkt, musste sie erst lernen. Seit anderthalb Jahren ist Richter Volontärin in der Redaktion der DiesbachMedien.

Eine Bandbreite an Themen

„Am meisten reizt mich die tägliche Abwechslung und der Kontakt mit den unterschiedlichsten Menschen“, erzählt die fröhliche junge Frau auf die Frage, warum sie sich für den Journalismus entschieden hat. Im Redaktionsalltag könnten Lokalthemen nicht nur berichtet, sondern auch eingeordnet und aufgearbeitet werden. „Wir richten den Blick nicht nur auf die Weltgeschehnisse, sondern vor allem auf die Menschen vor Ort.“ Und diese Bandbreite darf das jüngste Mitglied der Redaktion im Volontariat einmal komplett durchprobieren. „Wir machen so super viel. Ich beschäftige mich mit Themen, von denen ich gestern noch nichts gehört habe“, sagt sie und lacht. Eine Tatsache, die herausfordern, manchmal aber auch überfordern kann. Vor allem Aufgaben, die sie noch nie gemacht hat, lassen Richter gelegentlich zweifeln. „Im ersten Moment ist es ungewohnt, zu einem Unfall zu fahren. Mit der Zeit wird es aber immer einfacher.“

Der Volontärin ist bewusst, dass sie ihre Ausbildung in einer Zeit großer Veränderungen beginnt. Die Medienbranche wird immer digitaler, Printauflagen gehen zurück, und dann schleicht sich mit der KI noch ein neuer Mitspieler aufs Feld. „Die Möglichkeiten, die KI bietet, geben mir schon zu denken.“ Für Richter steht fest: Mit künstlicher Intelligenz müsse sich jeder Einzelne auseinandersetzen. Angst davor sei jedoch wenig förderlich. Gleichzeitig könne die Technik den straffen Redaktionsalltag erleichtern und die Möglichkeit geben, die eingesparte Zeit anders zu nutzen. „Mit Menschen interviews zu führen, ist der KI zum Glück noch nicht möglich“, betont Richter grinsend. Sie vermutet, dass es ihr im Vergleich zu älteren Kollegen leichter fällt, neue technische Anforderungen umzusetzen. „Ich komme aus der Generation der Technik. Social Media zum Beispiel begleitet mich schon fast mein ganzes Leben lang.“

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Mit der Tiger Moth durch die Luft

So leicht ihr die technische Anpassung fällt, so spürbar ist manchmal der wirtschaftliche Druck der Medienbranche. Der Sprung ins Digitale sei zwingend erforderlich, um auch in Zukunft als Redakteurin arbeiten zu können. Zur schnellen und sauberen Nachrichtenproduktion für die Webseite kommt für die Volontärin der Druck einer tagesaktuellen Zeitung dazu. „Gerade am Anfang war es schon schwierig, Texte aktuell für den nächsten Tag zu schreiben.“ Doch auch hier gilt: Übung macht den Meister. „Mittlerweile wird es immer normaler für mich, Texte für die nächste Ausgabe zu schreiben.“ Am liebsten schreibt sie über actionreiche Themen. Einer ihrer bisherigen Höhepunkte: ein Flug in einem originalen einmotoriger Doppeldecker der Tiger Moth von 1939. „Das werde ich mein ganzes Leben nicht vergessen“, schwärmt die junge Volontärin. Genau das sei das Tolle am Journalismus: Er biete „unfassbar viele“ Möglichkeiten. In einer Branche, die sich so stark im Wandel befindet wie die Medien, ist ein Blick in die Zukunft schwierig. Richter versucht es trotzdem: „Ich bin mir nicht sicher, in welche Richtung sich der Journalismus entwickelt. Aber ich denke und hoffe, dass jeder, der möchte, einen Platz darin findet.“ Die Volontärin hat ihren Platz gefunden. Die Freude an der Arbeit zeige ihr, dass sie zumindest für den Moment dort ist, wo sie hingehört. „Wenn ich von einem erfahrenen Kollegen positives Feedback zu einem Text bekomme, dann ist das immer ganz besonders schön.“ Kaum hat sie den Satz beendet, landet die nächste Pressemitteilung der Feuerwehr in ihrem Postfach. „Und weiter geht’s“, sagt sie mit einem Schmunzeln.