Gorxheimertal

Wohnraum dringend gesucht

Bürgermeister Uwe Spitzer dankt für das bisherige Engagement bei der Aufnahme von Flüchtlingen und bittet um weitere Unterstützung.

Wer als Flüchtling nach Deutschland kommt, braucht erst einmal ein sicheres Dach über dem Kopf. Daher sucht auch die Gemeinde Gorxheimertal nach geeigneten Unterkünften. Foto: Alexander Scheuber
Wer als Flüchtling nach Deutschland kommt, braucht erst einmal ein sicheres Dach über dem Kopf. Daher sucht auch die Gemeinde Gorxheimertal nach geeigneten Unterkünften.

Die Gemeinde sucht weiterhin dringend nach Wohnraum zur Unterbringung von Flüchtlingen. „Im Jahr 2022 konnten rund 50 Ukrainer durch zahlreiche Privatinitiativen von Bürgern in Gorxheimertal untergebracht werden. Viele dieser Personen sind bereits auf einem sehr guten Weg der Integration“, schreibt Bürgermeister Uwe Spitzer in seinem Weihnachtsbürgerbrief. Einige hätten Gorxheimertal aber auch bereits wieder verlassen.

WNOZ WhatsApp-Kanal

Die Weinheimer Nachrichten und Odenwälder Zeitung auf WhatsApp! Aktuelle Nachrichten aus deiner Region. Die Top-Themen jeden Mittag frisch auf dem WhatsApp-Kanal.

Impressum

Der Rathauschef dankt den zahlreichen Privatpersonen und Familien, die in dieser durch den Krieg in der Ukraine ausgelösten lebensbedrohlichen Situation großartige Unterstützung geleistet hätten und auch noch leisteten. „Dies war und ist ein herausragendes Beispiel für den Zusammenhalt in Gorxheimertal, wenn es gilt, auch über Gemarkungs- und Ländergrenzen hinaus bei dieser kriegerischen und völkerrechtswidrigen Auseinandersetzung in der Ukraine solidarisch Hilfe zu leisten“, erklärt Spitzer. Er schließe auch die ehrenamtlichen Helfer in diesen Dank ausdrücklich mit ein.

Vergleichbar hoch einzustufen sei das Engagement bei der Bereitstellung von Gebäuden und Wohnungen im Zusammenhang mit der Direktzuweisung von Flüchtlingen, die seit April 2023 regelmäßig durch den Kreis Bergstraße erfolge.

Gemeinde trägt Verantwortung

In den bisherigen Zuweisungsfällen durch den Kreis trete die Gemeinde gegenüber den Vermietern als Mieter auf und trage die Verantwortung für die Zahlung der vereinbarten Mieten inklusive der Nebenkosten, aber auch für die räumliche Ausstattung und die ordnungsgemäße Rückgabe der Räumlichkeiten nach Abschluss des Mietverhältnisses. Die zugewiesenen Flüchtlinge müssten teils mit vier bis fünf Personen in einem Raum mit Stockbetten leben. In der Regel gebe es zur Nutzung jeweils einen gemeinsamen Küchen- und Sanitärbereich. Die Gegebenheiten wichen deutlich von dem ab, was sonst an Mietflächen, aber auch Wohnraumqualität je Person in Gorxheimertal üblich sei. Es handele sich schlichtweg um Notunterkünfte.

Durchgängig würden bei den bisher abgeschlossenen Mietverhältnissen im Rahmen der vertraglichen Vereinbarungen für beide Seiten marktgerechte und faire Konditionen festgesetzt. Hier bereichere sich niemand; ganz im Gegenteil. Spitzer: „Wir hoffen sehr, als Teil der Kompensation dieses enormen Bedarfs an Wohnraum, die bestehenden Vertragsverhältnisse auch weiter verlängern zu können, da zunächst im beiderseitigen Einvernehmen keine langfristigen Verträge geschlossen werden konnten.“

Noch immer hoher Bedarf

So appelliere die Verwaltung an dieser Stelle an alle Eigentümer von leer stehendem Wohnraum in Gorxheimertal, an die Gemeinde heranzutreten und mit ihr in Gespräche zu gehen, inwieweit hier Kooperationen geschaffen werden könnten. Der Bedarf sei nach wie vor außerordentlich dringend und hoch, was nachfolgende Zahlen belegten:

Seit dem 1. April 2023 ist die Gemeinde Gorxheimertal zur Aufnahme von Flüchtlingen per Zuweisung verpflichtet. Das Land Hessen weist den Landkreisen und die kreisfreien Städte wöchentlich ein Kontingent an Flüchtlingen zu, da die zentralen Erstaufnahmestellen des Landes nicht zur dauerhaften Unterbringung dienen können. Der Kreis Bergstraße verteilt die zugewiesenen Flüchtlinge weiter in die Gemeinden des Kreises. Die Zuweisungsquote richtet sich nach der Einwohnerzahl. Einflussnahme auf die Nationalitäten, Größe der Familienverbände und Ähnliches ist dem Grunde nach für die Gemeinden nicht möglich.

16 Personen im Quartal

Waren es seit April zwölf Personen pro Quartal, die der Gemeinde Gorxheimertal zugewiesen wurden, so sind es inzwischen 16 Personen. Auf das erste komplette Zuweisungsjahr betrachtet (1. April 2023 bis 30. März 2024) hat die Gemeinde die Verpflichtung zur Aufnahme von etwa 56 Personen. Bisher konnten in den Monaten April und Mai 2023 bereits 45 Personen aus diesem Kontingent in Gorxheimertal Aufnahme finden. Entsprechend besteht weiterhin dringender Handlungs- und Wohnraumbedarf, zumal eine Entspannung der Zuweisungszahlen im Jahr 2024 überhaupt nicht absehbar ist.

Obwohl die derzeit zur Verfügung stehenden vier Liegenschaften/Wohnungen stark belegt sind, teil-weise mit bis zu zwölf Personen in einem Haus, sind in der Umgebung bisher sehr wenige Probleme aufgetreten. „Hier danken wir ausdrücklich einer sehr rücksichtsvollen und auch unterstützenden Nachbarschaft“, schreibt der Bürgermeister weiter. Die Integration schreite voran. Zahlreiche Kinder und Jugendliche besuchten den Schulunterricht. Analog erfolge für die Jüngeren die Betreuung im Kindergarten. Sukzessive erfolge für die Älteren auch die Teilnahme an den Sprachkursen, sofern diese angeboten würden.

Die Gemeinde bekommt pro Person einen festen Erstattungsbetrag. Dieser Betrag reiche im Rahmen der aktuellen Konstellationen aus, um die Kosten zu decken. Der Gemeindehaushalt werde durch die Flüchtlingshilfe nicht zusätzlich belastet. Spitzers abschließender Appell: „Bitte unterstützen Sie uns und treten Sie gerne mit der Gemeindeverwaltung in Kontakt, wenn Sie Wohnraum bereitstellen können.“