Verantwortung aufs Tal konzentrieren
Bürgermeisterkandidat Michael Anthofer im Gespräch mit Landrat Christian Engelhardt - auch über ein zentrales Thema: die Flüchtlingssituation.
Wenn sich ein Landrat mitten am Nachmittag eineinhalb Stunden Zeit für ein Gespräch nimmt, dann geht es um Wichtiges. So war es auch, als Christian Engelhardt am Mittwoch im Café Fachwerkstuben in Heppenheim mit dem 34 Jahre alten Polizeihauptkommissar Michael Anthofer zusammenkam, der sich in Gorxheimertal um das Amt des Bürgermeisters beworben hat. Am 8. Oktober sind die Gorxheimertaler aufgerufen, den Nachfolger von Uwe Spitzer zu wählen.
Im Gespräch zwischen Landrat und Kandidat nahm erwartungsgemäß das Thema Flüchtlinge in all seinen Facetten breiten Raum ein. Anthofer berichtete von vielen Begegnungen mit Bürgern aus der Talgemeinde, aus denen sich neben dem Aspekt der Sicherheit auch die Situation der Flüchtlinge als Schwerpunkt herauskristallisiert habe. Dabei warf der Kandidat die Frage auf, inwieweit sich die Zusammenarbeit zwischen Kreis und Gemeinde noch weiter verbessern lasse und wie sich beide Ebenen noch stärker unterstützen könnten. Froh sei er, dass die Unterbringung der Menschen in der Gemeinde bisher gut gelungen sei und sich Gorxheimertal sogar ein gewisses Polster im Hinblick auf die Aufnahme von Flüchtlingen geschaffen habe.
Zur Person:
Michael Anthofer ist 34 Jahre alt, wuchs in Viernheim auf und lebt mit seiner Familie in Hornbach. Er ist verheiratet und Vater einer vierjährigen Tochter.
Anthofer ist Polizeihauptkommissar. Zu seinen Stationen seit 2006 gehörten unter anderem Mannheim und Weinheim. Sein Studium absolvierte er von 2013 bis 2016 an der Polizeihochschule in Villingen-Schwenningen. Anschließend war er sechs Jahre lang im Führungs- und Einsatzstab des Polizeipräsidiums Mannheim. Zurzeit arbeitet er im Polizeirevier Heidelberg-Nord.
Anthofer ist seit dem Jahr 2020 kommunalpolitisch aktiv. Vor drei Jahren ist er dem CDU-Gemeindeverband Birkenau beigetreten und ist dessen stellvertretender Vorsitzender. Zudem übt er im CDU-Kreisverband das Amt des Mitgliederbeauftragten aus.
Zu seinen Hobbys zählen die Arbeit im eigenen Garten, ausgiebige Gassirunden mit dem Familienhund Samu und seine Freizeit mit der Familie zu verbringen.
Am 20. März machte Anthofer seine Bewerbung um das Amt des Bürgermeisters in Gorxheimertal öffentlich. Er wurde von der CDU Gorxheimertal als Kandidat für die Bürgermeisterwahl nominiert.
Auch der Landrat würdigte die Anstrengungen, die im Tal für die Unterbringung der aus ihrer Heimat geflohenen Menschen unternommen würden. „Die Gemeindeverwaltung und Bürgermeister Uwe Spitzer machen einen tollen Job“, sagte er. Gorxheimertal zähle damit zu den Kommunen, die ihre Aufgabe besonders gut erledigten. „Uwe Spitzer hat sofort angepackt. Das ist auch ein Zeichen von Solidarität.“
Daran wollte er im Falle seiner Wahl anknüpfen, versicherte Anthofer, der in einer dezentralen Unterbringung von Flüchtlingen die beste Lösung sieht. Das Verteilen der Menschen über die ganze Gemeinde biete letztlich die günstigsten Voraussetzungen für das Gelingen der Integration.
Dramatische Situation
Auf eine Frage des Kandidaten hin sagte Engelhardt, die Situation werde auch künftig angespannt bleiben, die Zahl der Flüchtlinge werde sich sogar noch weiter erhöhen. „Das Dramatische ist, dass die übergeordnete Politik gerade in dieser Situation noch nichts getan hat“, kritisierte Engelhardt. „Es wurde zwar einiges vereinbart, davon aber noch nichts umgesetzt.“ Lediglich das Land Hessen habe für einen Puffer gesorgt, der die Verteilung der Flüchtlinge auf die Landkreise verlangsame. Dies führe zwar aktuell zu einer Entlastung, aber: „Das ist eben auch ein endliches System.“
Einig waren sich Engelhardt und Anthofer darin, dass Flüchtlinge ohne Bleibeperspektive in ihre Heimatländer zurückgeschickt werden müssten. Für die, die über ein Bleiberecht verfügten, müssten die Voraussetzungen für die Integration geschaffen werden. Das beinhalte nicht zuletzt auch die Möglichkeit für die Kinder, Kitas und Schulen zu besuchen. Hier sei, so die beiden Gesprächspartner, Gorxheimertal mit der Daumbergschule sowie dem katholischen Kindergarten und der Kita Erlebnisland Gorxheimertal – zumindest noch – gut aufgestellt.
Dank an die freiwilligen Helfer
Wie bereits beim WN/OZ-Forum im Bürgerhaus dankte Anthofer nicht nur allen, die bisher Wohnraum zur Verfügung gestellt haben, sondern auch all jenen, die sich ehrenamtlich in vielfältiger Weise für das Wohl der Menschen, die ihre Heimatländer verlassen mussten, einsetzten. Sie kümmerten sich auf vielfältige Weise um die Flüchtlinge, leisteten wertvolle Hilfestellung bei der Ankunft und organisierten teilweise sogar Sprachkurse.
Anthofer brachte den Gedanken von „Hausregeln“ ins Spiel. „Meiner Meinung nach müsste man den Menschen, die hier ankommen, etwas in die Hand geben, mit dem wir ihnen unsere Werte vermitteln können. Jeder, der sich an diese Hausregeln hält, ist willkommen“, betonte Anthofer und wiederholte damit eine Aussage aus dem WN/OZ-Forum. Andererseits müssten Grenzen gesetzt werden, allerdings ohne Vorurteile zu befeuern. Engelhardt hielt das „Hausregelheft“ spontan für eine gute Idee und versprach, sie weiterzuverfolgen.
Ideen für die Talgemeinde
Ein weiteres zentrales Thema in dem Gespräch war die interkommunale Zusammenarbeit, deren Bedeutung nach Auffassung der beiden Männer künftig noch wachsen werde. Gerade im ländlich geprägten Odenwald sei diese Form der Kooperation gefragt. Der Bürgermeisterkandidat berichtete dem Landrat auch von seinen Ideen für Gorxheimertal. Er wiederholte die Bedeutung eines Jugendtreffs für die Talgemeinde. „Gerade aus Sicht des Polizeibeamten ist es wichtig, dafür einen Raum zur Verfügung zu stellen, den die Jugendlichen in eigener Regie organisieren.“
Vorstellen könne er sich als Ortsmittelpunkt einen Treffpunkt für die ganze Bevölkerung, der zum Beispiel in den Germaid-Fitz-Parkplatz integriert werden könnte. Ganz wichtig ist Anthofer ein Ansprechpartner in der Verwaltung, der zum Beispiel Vereine dabei berät, bei Projekten möglichst viele Fördermittel abzurufen. Es sei durchaus denkbar, dafür eine halbe oder gar ganze Stelle in der Gemeindeverwaltung zu schaffen.
Ein Missverständnis
Das Einzige, das Michael Anthofer im Rückblick auf seinen Wahlkampf bedauert, ist ein ärgerliches Missverständnis. In einer Veröffentlichung klang an, dass er Kritik an Verwaltung und gemeindlichen Gremien übe, weil das eine oder andere Projekt noch nicht zu einem Abschluss gekommen sei. Gemeint habe er stattdessen, dass er bestehende und noch nicht fertiggestellte Projekte – wie etwa den Kreisel in Unter-Flockenbach – zu einem erfolgreichen Ende führen wolle.
Sein Gesprächspartner, Landrat Engelhardt, erklärte, er wolle auf die Wahl in Gorxheimertal keinen Einfluss nehmen, da er, wer immer auch am 8. Oktober zum Bürgermeister gewählt werde, dessen Dienstherr sei. Allerdings kenne er Anthofer persönlich in seiner Eigenschaft als Vorstandsmitglied der Kreis-CDU und wisse von daher, dass Anthofer „ein tüchtiger Kerl“ sei. Außerdem sei er für jeden dankbar, der in turbulenten Zeiten bereit sei, Verantwortung zu übernehmen.
Genau das, die Übernahme von Verantwortung, sei eines seiner Hauptmotive für die Kandidatur zum Bürgermeister von Gorxheimertal gewesen. „Als Polizeibeamter habe ich Verantwortung für die Allgemeinheit übernommen. Diese Verantwortung möchte ich künftig auf die Gemeinde Gorxheimertal konzentrieren.“