17-jährige Künstlerin aus Gorxeimertal stellt bei Landrat Christian Engelhardt aus
Zusammen mit ihrer Mutter Dr. Nicole Hilkert stellt Cosima (17) Kunstwerke im Besprechungszimmer des Landrats aus. Wie sie in ihren Bildern das Thema Kommunikation vermitteln.
Gorxheimertal/Heppenheim. Die Kinder schauen neugierig aus dem Fenster und grüßen den Fremden, der diese Szene nicht mehr vergessen und später sogar in einer Zeichnung festhalten wird; ein asiatisches und ein europäisches Kleinkind unterscheiden sich zwar in ihrer Muttersprache, kommunizieren aber auf ganz eigene Weise; und eine ältere Dame, mit Koffer auf italienischem Kopfsteinpflaster unterwegs, lässt ungeniert ihren Frust an den zufällig beobachtenden Passanten aus. So und auf viele weitere Arten zeigt sich Kommunikation – eben mal laut, leise, nonverbal oder neugierig. Passend zum Thema Kommunikation ermöglicht Landrat Christian Engelhardt es nun einer jungen Künstlerin aus Gorxheimertal, Werke in einer ersten kleinen Ausstellung zu zeigen. Es ist eine Premiere für die 17-jährige Schülerin Cosima Hilkert.
Facetten der „Kommunikation“
Gemeinsam mit ihrer Mutter Dr. Nicole Hilkert, Diplom-Designerin, Illustratorin und Kunstwissenschaftlerin, zeigt die Nachwuchskünstlerin aus Gorxheimertal nun im Besprechungszimmer von Landrat Engelhardt Werke, die mit verschiedenen Techniken entstanden sind – von Aquarell und Tusche über Acryl bis Bleistift. Und Engelhardt weiß, warum er seit einigen Jahren regionalen Künstlern diesen Raum für ihre Werke zur Verfügung stellt. „In diesem Besprechungszimmer finden täglich Gespräche mit Vertretern aus Politik und gesellschaftlichem Leben statt. Und die Bilder, die hier gezeigt werden, können oft ein Anknüpfungspunkt sein, um auch über sie und die gezeigten Szenen zu sprechen“, sagt er im Rahmen der kleinen Vernissage. Bis ins Frühjahr hinein wird die kleine Ausstellung dort zu sehen sein.
Während sich Nicole Hilkert seit 1994 intensiv mit der Kunst beschäftigt und bereits international tätig war, begeistert sich auch ihre jüngere Tochter, die 17-jährige Cosima, für Kunst – und das bereits mit Erfolg: So wurde sie im vergangenen Jahr schon zum zweiten Mal mit dem Jugendkunstpreis Baden-Württemberg ausgezeichnet und überzeugte auch beim Europäischen Wettbewerb für das Schuljahr 2023/24 auf Landesebene (wir haben berichtet). Die Resonanz darauf sei sehr positiv gewesen, sagt Cosima, die sehr dankbar dafür ist, über die Möglichkeiten zu verfügen, ihre Kunst umzusetzen.
„Kunst ist Teil meines Alltags“
„Meine erste Aufgabe ist es, bis 13 Uhr Schülerin zu sein“, erklärt Cosima und fügt hinzu: „Aber danach widme ich mich oft der Kunst. Sie ist Teil meines Alltags.“ So unterhalten sie sich innerhalb der Familie viel über Kunst und über das, was gemalt wird, und warum. „Das hat meine Leidenschaft geweckt“, sagt sie. Kreativ kann sie im heimischen Atelier ihrer Mutter sein.
Kunst sei immer nah am Menschen, denn sie „spiegelt viel von dem, was die Menschen beschäftigt“. So habe sie nicht nur Kunst als Leistungskurs gewählt, sondern sie sei sich auch sicher, dass sie einen kreativen Beruf erlernen möchte. Als Grundlage für ihre Kunst, die in Acryl- und Bleistift-Technik entsteht, dienen Cosima oft Fotografien, wie beispielsweise ein Foto aus ihrem Fundus, das an einem Tag in Italien entstanden ist und eine fluchende Frau in einer Gasse zeigt. „Auch das ist Kommunikation. Bei meiner Kunst geht es darum, Begegnungen zu verarbeiten, die einem im Alltag widerfahren. Und manchmal können diese eben auch lauter sein“, sagt Cosima.
Jugendkunstpreis
Seit dem Jahr 1998 schreiben das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport und der Landesverband der Kunstschulen jährlich den Baden-Württembergischen Jugendkunstpreis aus. Der Wettbewerb stößt jedes Jahr auf große Resonanz: Es beteiligen sich bis zu 500 Jugendliche zwischen 15 und 21 Jahren, wie der Landesverband auf seiner Homepage schreibt. Die 17-jährige Cosima Hilkert gehörte bereits zweimal zu den 40 Nachwuchskünstlern, die nach der Auswahl einer Fachjury in Ludwigsburg ihre Werke ausstellten, und zu den 16 jungen Erwachsenen, die sogar mit dem Jugendkunstpreis des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet wurden.
Das Motto des Jugendkunst- preises wird jedes Jahr neu festgelegt. Das Thema für 2025 lautet: „Am Rand“. In diesem Jahr wird der Preis zum 28. Mal ausgeschrieben. Einsendeschluss ist der 18. Mai.
Weitere Informationen zum Jugendkunstpreis gibt es unter hier.
Kunst und Kulturen
Der Alltag der Familie Hilkert war mitunter auch von unterschiedlichen Kulturen geprägt, da sie unter anderem drei Jahre in Singapur lebte. Einige Werke, die nun in Heppeheim zu sehen sind, entstanden in dieser Zeit oder nehmen Bezug auf sie, wie beispielsweise die Zeichnung der freundlich-neugierigen Kinder, die Nicole Hilkert seinerzeit anfertigte. Skizzen und Fotografien aus dieser Zeit dienen ihr dabei als Vorlage. Sie nutzte die Auslandserfahrung auch, um sich fortzubilden, unter anderem in Kalligrafie und Tuschemalerei, die sich dort von der Technik in unserem Kulturkreis unterscheidet, denn in Asien sei die Tuschemalerei vor allem eine „Konzentrationsarbeit“, erklärt sie, die mit Begeisterung von Kunst, ihrer Geschichte und Kultur spricht. Denn „wie wir schreiben, malen, denken, das prägt eine Kultur“. Hilkert, die auch von ihrem Kunstlehrer am Starkenburg-Gymnasium spricht, der sie sehr geprägt habe, erklärt auch, wie viel Disziplin es benötige, künstlerisch tätig zu sein: „Wenn man ein Künstler ist, muss man trainieren wie ein Pianist.“ Gerade das Zeichnen mit Tusche sei eine schwere Technik, da man Fehler nur schwer korrigieren könne. „Die Technik ist oft eine Charaktersache des Künstlers, der sie auswählt.“ Sie selbst zeichnet am liebsten Menschen, „aber das ist auch das Schwierigste“, sagt sie und lässt am Entstehungsprozess einer Zeichnung teilhaben, die manchmal ein paar Versuche brauche. Als Künstler sei die Ehrlichkeit zu sich selbst wichtig.
Hilkert, die auf Anfrage Vorträge, unter anderem zum Thema „Künstliche Intelligenzen der Kunst“, hält, ist Beiratsmitglied des Kunstfördervereins Weinheim und stellte zuletzt im Sommer 2024 im Museum Weinheim zum Thema „Das Märchen in neuen Farben“ aus. In Gorxheimertal organisiert sie seit vergangenem Jahr die Ausstellungen im Rathaus. Die Expertin, die bereits in lehrender Funktion tätig war, setzt sich auch kritisch mit Kunst auseinander und würde sich wünschen, dass man dieser in der Schule mehr Zeit und Raum geben würde.
Die Qualitätskriterien, wann Kunst als diese bezeichnet werden könne, seien schwierig zuzuordnen. Auch Künstliche Intelligenz könne Kunst sein, „aber das bestimmt jeder selbst“.