Dartturnier des SV Lörzenbach sprengt den Rahmen
Das Teilnehmerfeld muss beim Turnier des SV Lörzenbach auf 96 Spieler erweitert werden. Holger Rettig gewinnt ein spannendes Finale.
Lörzenbach. Mathias Felsch hatte ihn schon dicht vor den Augen, den vierten Sieg bei der siebten Auflage des Taxi-Schröder-Dartturniers beim SV Lörzenbach. Mit 4:1 lag er im Finale vorne und es fehlte nur noch ein Leg (Durchgang) zu seinem erneuten Erfolg, doch dann verlor er plötzlich seine Linie – was sein Gegner Holger Rettig zu einer furiosen Aufholjagd nutzte. Der Albersbacher schaffte nicht nur den Ausgleich, sondern entschied den finalen Durchgang für sich und durfte somit seinen ersten Turniersieg feiern.
Es war kurz nach 23 Uhr, als er den Sieger- und den Wanderpokal sowie den Geldpreis von Turnierchef Thomas Schröder überreicht bekam. Zehn Stunden lang hatten insgesamt 96 Teilnehmer – das Feld war aufgrund der großen Nachfrage kurzfristig noch aufgestockt worden – ihre Steeldarts auf die 14 Boards geworfen, spätestens in den K.o.-Runden trennte sich dann aber die Spreu vom Weizen.
Hobby- und Ligaspieler
Bei dem Lörzenbacher Turnier nehmen nämlich traditionell etliche Ligaspieler teil, von denen manche sogar Bundesliga-Niveau haben. So ist es für die vielen Hobbyspieler schwierig, sich bis ins Vorderfeld vorzukämpfen. „Das macht aber auch den Reiz aus, dass man sich auch mal mit einem Top-Spieler messen kann“, sagte Thomas Schröder dazu. Und es gibt immer wieder Überraschungen, so trumpfte dieses Mal der erst 14-jährige Tim Scheidel aus Viernheim groß auf und kam bis ins Viertelfinale, wo er sich dann aber doch dem späteren Drittplatzierten Andreas Kriegel beugen musste.
Da Vorjahressieger Jannis Barkhausen fehlte, war klar, dass es einen neuen Turniersieger geben würde. Schon in den Gruppenspielen machte Holger Rettig auf sich aufmerksam, der gleich mehrere 180er warf, also dreimal die Triple-20. Und der Albersbacher stellte auch gleich einen neuen Rekord, einen sogenannten „Zehner“, denn er schaffte es, mit zehn Würfen von 501 auf Null zu stellen. „Das hat noch niemand bei unserem Turnier geschafft“, zeigte sich auch Turnierchef Thomas Schröder beeindruckt, denn mit weniger als neun Würfen kann man nicht auschecken. Und so marschierte Rettig durch das Turnier.
Gut aufgelegt zeigte sich aber auch Felsch, der das Turnier vor der Vorjahresniederlage im Finale gegen Barkhausen dreimal in Folge gewonnen hatte und somit erstmaliger Gewinner des Wanderpokals wurde. Auch er gab sich keine Blöße und zog souverän ins Halbfinale ein.
Dort bekamen die Zuschauer hochkarätiges Dart geboten. Felsch geriet gegen Andreas Kriegel mit 1:3 ins Hintertreffen, legte dann aber zu, während sein Gegner das Niveau nicht halten konnte. Felsch drehte das Blatt und zog mit dem 4:3 ins Endspiel ein. Im zweiten Halbfinale ließ sich Rettig auch von Stefan Reich aus Darmstadt, der in den vergangenen Jahr stets unter den letzten Vier stand, nicht aufhalten und machte den Finaleinzug klar.
Rettig legt vor
Auch hier legte Rettig vor und gewann das erste Leg. Doch Felsch konterte, spielte solide Legs und ging mit 3:1-Durchgängen in Führung. Als ihm dann das 4:1 gelang, hatte er den Sieg zum Greifen nah. Rettig riss sich aber zusammen, gewann das sechste Leg und plötzlich lief es bei ihm wieder rund, während Felsch nicht an seine vorheriger Leistung anknüpfen konnte. Die Spannung war zum Greifen, als die beiden nach dem 4:4 zum entscheidenden neunten Durchgang antraten. Hier ließ sich Rettig nicht mehr aus dem Konzept bringen und krönte sich unter dem Beifall der Zuschauer mit dem 5:4 zum erstmaligen Sieger.
Bei der Siegerehrung gab es viel Beifall für die beiden Finalisten. Dritter wurde Kriegel, der im kleinen Finale gegen Reich die Nase vorne hatte. Thomas Schröder verteilte dann auch die Sonderpreise. In dem Turnier wurde 38 mal ein 180er geworfen. „So viele hatten wir auch noch nie“, sagte der Turnierchef. Den Jackpot, der ausgelost wurde, gewann ebenfalls Rettig– quasi verdientermaßen, weil er die meisten geworfen hatte. Und auch der Preis für Shortleg ging an ihn für seinen Zehner-Dart. Das höchste Finish hatte dagegen Steffen Heckmann mit einem 160er, das zweithöchste in der Turniergeschichte.
„Es ist das ganze Turnier über gut für mich gelaufen. Als ich im Finale jedoch mit 1:4 in Rückstand geriet, war der Wurm drin, doch mit Kampfgeist bin ich zurückgekommen, und das Glück war auf meiner Seite“, freute sich Rettig. Felsch hatte angesichts des stark besetzten Teilnehmerfelds gar nicht damit gerechnet, dass er soweit nach vorne kommen könnte. „Als ich im Halbfinale 1:3 zurück lag, hatte ich Glück, dass Andi nicht mehr reinkam. Das hat mich im Finale nach dem 4:1 leider verlassen und ich habe einfach nicht mehr ins Triple getroffen“, sagte der Zweitplatzierte.
Auch einige Fußballer des SV Lörzenbach waren mit von der Partie, doch nur Moritz Köhler und Tobias Pfeifer schafften es bis in die erste K.o.-Runde. Aber auch für sie kam hier das frühe Aus.
Reibungsloser Ablauf
Abschließend freute sich Thomas Schröder, dass das Turnier trotz der Aufstockung des Feldes „so gut wie noch nie“ über die Bühne gegangen war. Das lag vor allem an der hervorragenden Turnierleitung von Patricia Knittel und seinem Sohn Christopher. Für die guten Rahmenbedingungen hatten die Helfer des SV Lörzenbach gesorgt. Und auch die Sponsoren wurden gewürdigt, die das Turnier überhaupt erst möglich gemacht hatten und auch die Preise zur Verfügung stellten. Am Ende gab es auch viel Beifall für Thomas Schröder selbst, in dessen Händen die Organisation gelegen hatte. jün