Fußballkreis Bergstraße trauert um Ehren-Kreisfußballwart Willy Hartmann
Der Fußballkreis Bergstraße verliert ein prägendes Gesicht. Willy Hartmann starb mit 93 Jahren. Sein Wirken reicht weit über den Sport hinaus.
Kreis Bergstraße. Er konnte knurrig werden, hartnäckig sowieso, mit klarer Linie und oft überzeugend – aber nie aus Eigennutz. Die Sache stand im Mittelpunkt. Jetzt trauert der Fußballkreis Bergstraße um seinen Ehren-Kreisfußballwart Willy Hartmann, der am Mittwoch im Alter von 93 Jahren gestorben ist.
Hartmanns Sache, das war in erster Linie, aber nicht nur, der Fußball. Der Elmshäuser, der kurioserweise nie selbst gegen den Ball getreten hatte, schlug als 19-Jähriger die Funkionärslaufbahn ein, prägte in den folgenden Jahrzehnten seinen Heimatverein TSV Elmshausen und einen ganzen Fußballkreis.
Dort arbeitete er sich beharrlich hoch, vom Beisitzer im Kreisjugendausschuss (1955), zum stellvertretenden Kreisjugendwart (1957), stellvertretender Kreisfußballwart (1964), schließlich Kreisfußballwart als Nachfolger von Franz Hackl (1990).
Zukunftsweisende Schritte
Spielpläne wurden damals noch per Schreibmaschine erstellt, Tabellen per Hand ausgerechnet, der Kontakt verlief persönlich. Der Moderne hatte sich Willy Hartmann aber selten verschlossen. Unter seiner Regie wurde der Kunstrasenplatzbau im Fußballkreis salonfähig und vorangetrieben. Das erste künstliche Grün entstand 1997 in Affolterbach, mittlerweile verfügt fast jeder Sportplatz über ein solches.
In der Saison 2003/04 kam, nicht ohne Widerstand, die Einführung der D-Liga, in den Nullerjahren wurde der Kreispokal mit einem Sponsor aufgewertet. Der Ball der Fußballer in der Lautertalhalle Elmshausen war ebenso sein Kind.
„Zu dieser Karriere braucht man Willensstärke und ein dickes Fell“, sagte einst der Präsident des Hessischen Fußball-Verbandes, Rolf Hocke. Über beides verfügte Hartmann in ausreichendem Maße, nahm selten ein Blatt vor den Mund. Das wussten besonders die, die nicht der Meinung des Kreisfußballwartes waren. „Er hat durchregiert“, brachte es Matthias Wilkes, ehemaliger Landrat und langjähriger Weggefährte, auf den Punkt.
2000, beim Kreisfußballtag in Bürstadt, erhielt Hartmann vom VfR-Vorsitzenden Heinrich Hiltl einen schwarzen Koffer „für Akten und Bimbes“. Eine Anspielung? Hartmann nahm’s mit Humor und den Koffer schmunzelnd an. „Der Kreisfußballausschuss war die zweite Heimat für Willy Hartmann“, so Wilkes.
Hartmanns politisches Engagement: in Elmshausen und im Kreistag aktiv
Fußball bestimmte zwar sein Leben, aber es gab noch Platz für andere Dinge, denen sich der bekennende Elmshäuser, 1988 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, mit Verve widmete. Der Sozialdemokrat mischte federführend bei mehreren Vereinen seines Heimatortes und vor allem auf der politischen Bühne mit.
Hartmann war 24 Jahre Ortsvorsteher, Gemeindevertreter in Lautertal, saß acht Jahre im Bergsträßer Kreistag, dazu noch als Schöffe bei Gericht. Dass da noch Zeit für den Broterwerb blieb, mag erstaunlich erscheinen. Als Anzeigenvertreter war Hartmann 31 Jahre lang für die Südhessische Post (heute Starkenburger Echo) unterwegs.
Willy Hartmann wusste schon von Berufs wegen, mit Worten umzugehen. Geht nicht, gibt’s nicht – und wenn es ein wenig Nachdruck bedurfte, damit es wirklich geht. „Es gibt viele Bereiche, in dem Sie Spuren gelegt haben, die bleiben“, fasste 2005 der damalige Innenminister Volker Bouffier (CDU) bei der Verleihung des Hessischen Verdienstorden am Bande Hartmanns Wirken zusammen.
Das bestätigt auch Martin Wecht, seit 2024 Kreisfußballwart: „Er ist unbestritten ein Urgestein des Bergsträßer Fußballs, der ihm viel zu verdanken hat. Mit seiner direkten, zupackenden Art ist er sicherlich auch bei dem einen oder anderen angeeckt, aber letztlich ging es ihm immer darum, den Fußball im Interesse der Mannschaften und Vereine voranzubringen.“
Nur eine Niederlage hatte der Elmshäuser lange nicht verwunden: seine Abwahl als Kreisfußballwart 2008. Zwar trugen ihm die Delegierten bei der Versammlung in Mitlechtern die Ehren-Kreisfußballwart-Würde an, doch ernannt wurde er erst 2016. Damit schloss sich der Kreis, der fast sieben Jahrzehnte zuvor begonnen hatte.
Willensstark und lebensfroh
Dass es in den vergangenen Jahren ruhiger geworden ist um Willy Hartmann, war nicht allein dem Alter geschuldet. Mit Sohn Michael und Schwiegertochter Maria pflegte er seine Frau Elli bis zu ihrem Tod im Jahr 2022. Auch die Besuche der Spiele seines Heimatvereins TSV, dem er über 70 Jahren angehörte, wurden seltener.
Aber Hartmann blieb trotz körperlicher Einschränkungen und dem Umzug aus der Sackgasse in ein Seniorenheim willensstark und lebensfroh. Seinen 90. Geburtstag feierte er groß, legte gar noch eine flotte Sohle aufs Parkett.
Am Ende konnte der Körper nicht mehr, was der Geist wollte. Willy Hartmann starb nach kurzer Krankheit in Heppenheim. Der Beerdigungstermin steht noch nicht fest. (all)