Fußball

Kreisjugendausschuss: Die Führungsspitzewill nicht mehr

Kreisjugendwart Tobias Kleiner und drei weitere Mitstreiter im Jugendfußballausschuss wollen nicht mehr antreten. Beklagt wird unter anderem mangelndes Interesse bei den Vereinen.

Die Zahl der Jugendmannschaften im Kreis Bergstraße ist immerhin stabil. Baustellen gibt es aber viele.	Symbolbild: Sascha Lotz Foto: Sascha Lotz
Die Zahl der Jugendmannschaften im Kreis Bergstraße ist immerhin stabil. Baustellen gibt es aber viele. Symbolbild: Sascha Lotz

Beim Kreisjugendtag am 24. Januar 2024 wird es im Führungsgremium der Bergsträßer Fußballjugend Veränderungen geben. So hat Jugendwart Tobias Kleiner (Lampertheim/Bild: Archiv) bei der Jugendleitersitzung in Lörzenbach bekannt geben, nicht für seine zweite Amtsperiode zur Verfügung zu stehen.

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Ausschlaggebend für die Entscheidung des 35-jährigen war insbesondere die Gleichgültigkeit gegenüber den Angeboten des Jugendausschusses. „Viele Klubs sehen sich offensichtlich nicht mehr in der Lage, Maßnahmen gegen die Missstände im allgemeinen Vereinsleben zu ergreifen und Hilfs- und Beratungsangebote anzunehmen“, sagte Kleiner und verwies beispielhaft auf die vom Jugendausschuss angebotenen Online-Sprechstunden zur Corona-Zeit.

„Das frustriert und demotiviert“

Nur sehr zögerlich angenommen worden seien auch die Unterstützung durch den Clubberater, Besuche von Elternabenden oder Trainersitzungen: „Das frustriert und demotiviert, weil wir immer wieder hören, welche Probleme die Vereine haben, sich aber nicht helfen lassen und nicht bereit sind, mehr zu tun.“

„Viele Klubs sehen sich offensichtlich nicht mehr in der Lage, Maßnahmen gegen die Missstände im allgemeinen Vereinsleben zu ergreifen und Hilfs- und Beratungsangebote anzunehmen“ - Tobias Kleiner

Hinzu kommen bei Kleiner noch berufliche und zeitliche Gründe. Als Lehrreferent wird er aber weiterarbeiten: „Ich war nun zwölf Jahre in diversen Ämtern im Jugendausschuss aktiv, sodass ich nun einen anderen Fokus in meiner ehrenamtlichen Arbeit setzen möchte.“

Neben Tobias Kleiner kündigten auch Sascha Wilke (Beisitzer und Administrator), Markus Essel (Klassenleiter F-Jugend und Bambini) sowie Nadine Schulz (Klassenleiterin D-Jugend und Pokal) an, sich nicht mehr zur Wiederwahl zu stellen, zeigten sich aber bereit, dass dann neue Team mit ihrem Wissen weiter zu unterstützen, insbesondere um einen sauberen Übergang zu kreieren.

Immerhin hatte Kleiner bei der Zusammenkunft in Lörzenbach – es waren 37 von 42 Vereinen mit Jugendabteilung vertreten – auch positive Nachrichten im Gepäck. So ist die Zahl der Nachwuchsmannschaften im Vergleich stabil geblieben: 230 waren es 2022/23, jetzt sind es 230. Zum Vergleich: 2005 durfte sich der Kreis über 319 Mannschaften im Spielbetrieb freuen. 2012 waren es immerhin 300, 2016 noch 285.

Die nackten Zahlen täuschen allerdings ein wenig über die wahre Höhe des Rückganges, da in früheren Zeiten die Mannschaftsstärke größer war. Elf Freunde mussten es einst bei der D-Jugend sein, heute reichen neun. Ebenso ist es beim E-und F-Nachwuchs (heute fünf, früher sieben) und den Bambini (heute drei, früher sieben).

Es gibt einen Silberstreif

Bei der A-Jugend, die vom Mannschaftsrückgang in den vergangenen Jahren prozentual am stärksten betroffen war, gibt es einen Silberstreif. Nach jahrelangen Debatten auf Regionsebene haben sich die Kreise Dieburg, Odenwald, Darmstadt, Groß-Gerau und Bergstraße auf einen kreisübergreifenden Spielbetrieb geeinigt. Der Kreis Bergstraße plädierte bereits vor vier Jahren für dieses Modell, dessen Einführung meist am Veto des Kreises Darmstadt scheiterte. 2022 verhinderte vor allem der Kreis Odenwald eine komplett übergreifende Spielrunde, weshalb es lediglich zu einer Kooperation zwischen Darmstadt und Bergstraße kam.

Funino wird akzeptiert

Im Kreis Bergstraße sind lediglich 14 A-Jugenden am Ball, vier davon in höheren Ligen. 2005 waren noch 24 Teams gemeldet. „Perspektivisch ist dies sicher auch für die B-Jugend ein Modell“, glaubt Kleiner: „Noch ist die Not dort nicht so groß.“ In der gesamten Region Darmstadt spielen aktuell 52 A-Jugenden auf Kreisebene. Am Ende der Qualifikationsrunde werden diese in zwei Kreisligen und drei Kreisklassen eingeteilt, aufgeteilt nach regionalen Gesichtspunkten.

Keine Angst müssen die Kreisvereine vor den neuen Spielformen im Kinderfußballbereich, so heißt Funino offiziell im Sprachgebrauch des Verbandes, haben. Diese sind vom DFB nun verpflichtend vorgegeben. Der damalige Kreisjugendwart Sascha Wilke hatte Weitblick bewiesen, sie teilweise gegen die Bedenken einiger Vereine bereits vor neun Jahren im Kreis Bergstraße eingeführt. „Die Akzeptanz ist recht hoch“, weiß Tobias Kleiner.

Deeskalation funktioniert

Ein Vorreiter war der Kreis auch bei der Einführung des so genannten Drei-Stufen-Modells zur Deeskalation auf den Sportplätzen. Fünf Minuten Unterbrechung nach Unsportlichkeiten von außen, zehn weitere Minuten Pause, falls es sich nicht beruhigen sollte, und erst dann der Abbruch als dritte Stufe. Mit dem Modell soll Trainern die Möglichkeit gegeben werden, deeskalierend einzuwirken auf die Umstehenden, meist Eltern der jungen Spieler.

Dagegen hatten vor allem Verbandsschiedsrichter- und Verbandsrechtsausschuss Bedenken. Kleiner hält dagegen: „Unser Modell verlief durchweg erfolgreich. So musste kein Spiel nach mehrfachen Unsportlichkeiten von Außen gegenüber Schiedsrichtern abgebrochen werden.“ Es habe in der vergangenen Saison lediglich fünf Spielunterbrechungen gegeben: „Diese eine Unterbrechung hat immer zum gewünschten Ergebnis geführt.“

Den Sinn des Verfahrens haben nun auch die Verbandsoberen erkannt, die sich bei Kleiner nach den Modalitäten erkundigten. „Besser spät als nie“, freut sich der Bergsträßer Kreisjugendwart: „Wir dürfen damit weitermachen.“ all