Kreisliga A: Der FC Ober-Abtsteinach im Meisterporträt

Der Weg zur A-Liga-Meisterschaft ist für den FC Ober-Abtsteinach kein leichter. Die absolute Heimstärke hilft – auch in der Kreisoberliga. Der erste Neuzugang steht bereits fest.

Nach dem 6:3-Sieg liegen sich die Ober-Abtsteinacher in den Armen: Nach 66 Jahren schaffte der FCO als Meister wieder einen Aufstieg. Bild: Philipp Reimer Foto: Philipp Reimer Photography
Nach dem 6:3-Sieg liegen sich die Ober-Abtsteinacher in den Armen: Nach 66 Jahren schaffte der FCO als Meister wieder einen Aufstieg. Bild: Philipp Reimer

Das letzte Spiel der A-Liga-Saison 2022/23 war symptomatisch für den ganzen Rundenverlauf des Meisters FC Ober-Abtsteinach. Beim 6:3 in Rimbach blieb es spannend bis zur 75. Minute, als Lukas Fath unmittelbar nach dem Gegentreffer zum 3:4 das 3:5 erzielt hatte. Zuvor hatte Torwart Tim Wiegand bei einer 3:2-Führung seines FCO einen von Patrick Feller getretenen Elfer gestochen. Das war für viele Beobachter dann auch die Schlüsselszene des Spiels.

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Zur Erinnerung: Bei einem Unentschieden wäre bei dem zu erwartenden Heimsieg der punktgleichen SG Reichenbach über den SV Winterkasten der Traum des FCO vom direkten Aufstieg in die Kreisoberliga futsch gewesen. So aber behielt die Mannschaft die Ruhe und Konzentration und freute sich umso mehr über das dann alles entscheidende 6:3 durch Maximilian Gärtner, einem der Schlüsselspieler, nicht nur an diesem Tag.

Im „Bock“ wird weiter gefeiert

Der Jubel bei den mitgereisten FCO-Anhängern konnte ausbrechen. Er fand nach Bierduschen in Rimbach, nach dem Weiterfeiern „zu Hause“ im „Goldenen Bock“ und am Montag auf dem Marktplatz in Weinheim bis jetzt noch kein Ende.

Für den FC Ober-Abtsteinach war dies die erste Meisterschaft seit 66 Jahren, wie sich Trainer Özcan Sahin freut. Bisherige Aufstiege wurden entweder über gute Platzierungen oder Relegationserfolge gefeiert. Dabei war der Weg zu diesem Meistertitel holprig. Der FCO zeichnete sich vor allem durch seine absolute Heimstärke aus, durch eine makellose Bilanz, die auf der Zunge zergeht: bei 14 Heimspielen wurden 14 Siege erzielt, mit einem Torverhältnis von 78:11. Der Hardberg war eine nicht einzunehmende Festung.

Herausragend dabei war der 10:0-Sieg gegen den Verfolger SG Reichenbach. Beobachter haben die Gäste im Meisterschaftskampf damals schon abgeschrieben. Doch das Team von Christian Bauer ließ sich einfach nicht abschütteln. Manko des FCO war insbesondere in der Hinrunde die Auswärtsschwäche. So wurden die Spiele beim FC 07 Bensheim II, in Heppenheim, beim SC Rodau und beim VfR Bürstadt allesamt verloren, bei Gegnern, die sich jetzt am Ende der Runde im unteren Tabellenbereich befinden. Der FCO blieb in dieser Phase eben nur wegen seiner Heimstärke noch immer gut positioniert.

Özcan Sahin (rechts) ist der Meistertrainer des FC Ober-Abtsteinach. Bild: Philipp Reimer Foto: Philipp Reimer Photography
Özcan Sahin (rechts) ist der Meistertrainer des FC Ober-Abtsteinach. Bild: Philipp Reimer

Nach der Winterpause eilte der FCO von Sieg zu Sieg (auch auswärts), konnte die ebenso gut eingespielten Verfolger Reichenbach, VfR Fehlheim II und SV/BSC Mörlenbach aber nie so recht abschütteln, sodass es buchstäblich bis zum letzten Spieltag spannend blieb. Die Mannschaft bewahrte Ruhe, konnte durch die Vielzahl an Erfolgen auch Selbstvertrauen sammeln und ließ sich durch Rückschläge wie das 2:5 in Fehlheim auch nicht mehr beirren.

Das freut Trainer Özcan Sahin und Sportlichen Leiter Sebastian Trenkwald am meisten. So fuhren sie auch zuversichtlich nach Rimbach, versetzten sich in die Lage des Gegners und hätten, so Sahin, es an Rimbacher Stelle ähnlich getan, „den Favoriten so sehr wie möglich ärgern, ihm das Leben so schwer wie möglich machen“.

Sahin, der als Trainer ins dritte Jahr beim FCO geht, bedankt sich vor allem beim funktionierenden Umfeld des Vereins, beim Vorstand für die Unterstützung, beim sportlichen Leiter Trenkwald, bei seinen spielenden Co-Trainern Christian Murr und Jakob Hirschberg, beim bewährten Torwarttrainer Florian Rohr, bei den Fans („Die waren für uns eine große Motivation“) und nicht zuletzt bei seiner Familie für ihr Verständnis, wenn er nicht so oft zu Hause war.

Am Stamm der erfolgreichen Mannschaft wird sich auch in der nächsten Saison in der Kreisoberliga wenig ändern. Einzig Jan Sarnowski erklärte aufgrund seiner zahlreichen Verletzungen sein Karriereende.

Die bittere Erfahrung eines hoffnungsvollen Aufsteigers aus der A-Klasse musste der FCO bereits vor einigen Jahren nach seinem jüngsten Erfolg machen: „Dort hängen die Trauben hoch.“ Damit rechnen die FCO-Verantwortlichen auch in der nächsten Saison: „Viele Mannschaften haben sich weiter verstärkt“, sagt Sahin. „Mit den Spitzenteams werden wir uns schwerlich messen können. Wir streben einen gesicherten Mittelfeldplatz an, werden uns zurechtfinden müssen und dürfen uns nicht entmutigen lassen.“

Björn Hoppe kommt

Als potenzielle Verstärkung steht jetzt schon Björn Hoppe, der Bruder des früheren Stammtorhüters André Hoppe, fest: Er wohnt in Abtsteinach, hat Lust, will es noch einmal wissen und könnte, so Sahin abschließend, im Mittelfeld und in der Abwehr als Führungsspieler dienen. Hoppe spielte zuletzt für den FC Friedrichsfeld, davor auch für die SG Hemsbach, SV Laudenbach, Sportfreunde Heppenheim und TSG 62/09 Weinheim.

Die Spieler im Einzelporträt

Auf eine auch mental starke Mannschaft des FC Ober-Abtsteinach konnte sich Trainer Özcan Sahin (54) d verlassen. Umso leichter fiel es ihm nach dem Gewinn der Meisterschaft am letzten Spieltag mit dem 6:3-Sieg beim FSV Rimbach eine Einzelspieler-Kritik für ein Meisterschaftsporträt des FCO zu erstellen. Es war der erste Meistertitel für die Fußballer des FC Ober-Abtsteinach nach 66 Jahren. Die bisherigen Aufstiege erfolgten mit der Spielgemeinschaft SG oder als gut platzierte Mannschaft in der Relegation.

Tim Wiegand (Torhüter): Für Sahin ist das der beste Torhüter der A-Liga. Er hat den FCO mit seinen Paraden immer wieder im Spiel gehalten, wenn es eng wurde; zuletzt in Rimbach, als er beim Stand von 3:2 für den FCO einen Elfer von Patrick Feller hielt.

André Hoppe (Torhüter): Der alte Stammtorhüter vom FCO ist in Aschbach für den verhinderten Wiegand eingesprungen und hielt seinen Kasten sauber.

Mattheus da Silva Arnold (Torhüter): Er stand da zur Verfügung, wo er gebraucht wurde, ist ein Teamplayer und für jeden Spaß zu haben.

Felix Roth (Rechtsverteidiger, Kapitän): Er ist Kapitän und Vorbild in jeglicher Hinsicht, gibt immer alles und ist in läuferischer Hinsicht der Beste der Mannschaft. Einige Partien in der Rückrunde hat er wegen Verletzung verpasst.

Christian Murr (Innenverteidiger, Co-Trainer): Noch immer einer der besten Spieler der Liga, bringt Stürmer zur Verzweiflung, Zweikampfbiest und Lenker für den Spielaufbau. Für Sahin unverzichtbar als spielender Co-Trainer.

Jakob Hirschberg (Mittelfeld, Co-Trainer): Mit 33 Toren feiert Hirschberg neben dem Meistertitel für das Team auch die Torjägerkrone der A-Liga. Im Trainingsbetrieb für Sahin sehr wichtig, „weil er sich Gedanken darüber macht, wie sich die Spieler weiter entwickeln können“.

Maximilian Gärtner (Mittelfeld, außen): Zweifelsohne ein weiterer Schlüsselspieler. Er ist ein schneller und torgefährlicher Spieler, der zudem die meisten Treffer vorbereitet hat. Als Co-Kapitän hat er Felix Roth während dessen Verletzung sehr gut vertreten.

Joshua Weihrich (Innenverteidiger): Aufgrund seiner Erfahrung eine wertvolle Bereicherung als Neuzugang. Sehr gefährlich bei Standards, hat immer einen lockeren Spruch auf den Lippen.

Julius Hintenlang (Linksverteidiger): Hat sich als junger Spieler einen Stammplatz verdient. Durch seine Dynamik und Technik bringt er auch als Verteidiger enormen Druck ins offensive Spiel. Er wird sich noch weiter entwickeln, weil er ständig daran arbeitet.

Alem Brkic-Hotic (zentrales Mittelfeld): Durch seinen Ehrgeiz ist er einer der Spieler, die sich am meisten weiterentwickelt haben. Aus dem Spiel des FCO im Mittelfeld ist er nicht mehr wegzudenken. Verrichtet als Staubsauger vor der Abwehr sehr gute Arbeit. Sahin: „Ohne ihn wären wir nicht da, wo wir sind.“

Jonas Jaap (zentrales Mittelfeld, Außen): Wille und Einsatz zeichnen ihn aus. In der Hinrunde öfter mal außer Gefecht. In der Rückrunde hat er gezeigt, dass er zur Mannschaft gehört. Im Spiel kaum zu halten, weil er alles gibt.

Steven Müller (zentrales Mittelfeld): War auch in der Hinrunde nicht immer einsatzfähig. Die ganze Liga kennt dennoch seine Qualitäten im Spielaufbau und seine Fähigkeiten bei Standards. Wird durch seine Erfahrung auch wichtiger Bestandteil in der Kreisoberliga sein.

Tolga Erak (zentrales Mittelfeld, Stürmer): Als Stürmer, Zehner oder Sechser einsetzbar. Er bereitet etliche Tore vor und ist im Spielaufbau ein wichtiger Zielspieler. Mit ihm hat sich die Mannschaft entwickelt.

Lukas Fath (Stürmer, Außen): Ein ehrgeiziger und talentierter Spieler, der sich überragend in die Mannschaft integriert hat. Er wird sich noch enorm entwickeln und eine wichtige Rolle in der Mannschaft einnehmen. Seine Schussstärke ist einzigartig.

Patrick Stang (Mittelfeld außen, Linksverteidiger): Stellt sich absolut in den Dienst der Mannschaft. Hat sich durch Einsatz und Willen enorm weiter entwickelt. Durch seine Schnelligkeit und Zweikampfstärke bringt er manchen Gegenspieler zur Verzweiflung.

Jan Sarnowski (Innen- und Außenverteidiger): Hat durch Gelenk- und Sehnenproblemen nicht so häufig gespielt. Aber wenn, dann war das für gegnerische Stürmer schwierig. Er beendet seine Karriere, der Pass bleibt dennoch beim FCO.

Moritz Spreng (Innen- und Außenverteidiger): In der Verteidigung flexibel einsetzbar, teilweise auch als Sechser. Durch sein Studium konnte er nicht immer mittrainieren.

Maximilian Krüger (Innenverteidiger, zentrales Mittelfeld): Wie Spreng flexibel einsetzbar, aber durch Studium nur bedingt trainingsbereit. Deshalb konnte er nicht oft von Beginn an spielen.

Veselin Georgiev (Stürmer): Eigentlich eine Ikone im Verein bei früheren Aufstiegserfolgen. Ist durch seine Verletzung nie so recht in Tritt gekommen. Durch seine Verbundenheit ist er aus der Mannschaft nicht wegzudenken.

Luis Brücher (zentrales Mittelfeld): Sehr stark in der Hinrunde, hat der Mannschaft Stabilität gegeben.

Dennis Reinhard (Mittelfeld, Außen): Sehr dynamischer Spieler. Hat als Co-Trainer der 1b ausgeholfen, wenn der Kader dünn war.

Philipp Kirschenlohr (offensives Mittelfeld): Der Altmeister hat im Spiel gegen die Starkenburgia nochmals ausgeholfen. mk