EM in Zagreb

Daumen hoch: Kevric und Frauen-Team in Europas Turn-Spitze

Gold für Helen Kevric, Silber für Karina Schönmaier: Zwei Jahre vor den Olympischen Spielen gehören die deutschen Turnerinnen zu Europas Top-Nationen. Wie der Bundestrainer die Situation beurteilt.

Stolzes Lächeln: Helen Kevric mit ihrer Goldmedaille. Foto: Igor Kralj/PIXSELL/dpa
Stolzes Lächeln: Helen Kevric mit ihrer Goldmedaille.

Zagreb (dpa) - Helen Kevric reckte erst beide Daumen nach oben und ließ sich dann glücklich die große Goldmedaille umhängen. Der 18 Jahre alte Jungstar hat bei den Turn-Europameisterschaften abgeliefert und mit ihm das gesamte deutsche Team - trotz der Rückkehr der starken Russinnen um Mehrkampf-Europameisterin Angelina Melnikowa. «Großartig, starke Leistung. Ich bin ein stolzer Cheftrainer», sagte Bundestrainer Gerben Wiersma in Zagreb nach Abschluss der Finals an den Einzelgeräten.

Vier Jahre nach Elisabeth Seitz holte Kevric wieder EM-Gold am Stufenbarren. Karina Schönmaier war trotz der verpassten Titelverteidigung am Sprung auch mit der Silbermedaille zufrieden. Und die 29-jährige Pauline Schäfer-Betz schrammte am Schwebebalken nur wegen einer zwei Sekunden zu langen Übung hauchdünn an Bronze vorbei. 

Was das Team erreicht hat

Überdies hat das Trio zusammen mit Silja Stöhr und Lea Marie Quaas in der Mannschaft durch Platz vier in der Qualifikation schon die Teilnahme an den Weltmeisterschaften im Oktober in Rotterdam sicher. Bei Halbzeit auf dem Weg zu den nächsten Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles gehört das deutsche Frauen-Turnen zumindest auf europäischer Ebene zu den Top-Nationen.

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Für Kevric war bereits im vergangenen Jahr bei den Heim-Europameisterschaften in Leipzig die Hauptrolle am Stufenbarren vorgesehen. Doch ihre schwere Verletzung am linken Knie machte der Stuttgarterin einen Strich durch die Rechnung - und Schönmaier sprang mit ihren Titeln am Sprung und im Mixed mit Timo Eder (Ludwigsburg) in die Bresche. In Zagreb nun hielt die 18-Jährige den hohen Erwartungen stand und holte ihre erste internationale Einzel-Medaille bei den Frauen.

Preisgeld für Turnerinnen und Sieger-Banane

«Ich bin einfach nur dankbar, dass ich jetzt wieder hier stehe, meine Leistung wiederholen konnte und mit der Goldmedaille hier stehe», sagte Kevric erleichtert. Neben dem Titel konnte sie sich auch über 3.000 Euro freuen - erstmals bei EM bekommen die ersten Acht ein Preisgeld. Zudem gab es für die Sieger eine aufblasbare Banane. «Ich wusste am Anfang nicht, ob ich die behalten darf. Aber ich finde die Banane richtig cool», sagte die Barren-Europameisterin lachend.

Was der Bundestrainer zur Situation von Kevric sagt

Wesentlich einsilbiger reagierte Kevric, wenn die Sprache auf ihre Situation ohne festen Trainer kam. «Ich würde heute eigentlich gern nur Fragen beantworten zu meiner sportlichen Leistung» - so moderierte sie das Thema bestimmt ab. Seit den Missbrauchsvorwürfen am Kunst-Turn-Zentrum Stuttgart ist Kevric mit wechselnden Trainerinnen nicht zurechtgekommen - auch nicht mit Aimee Boorman aus den USA, die Superstar Simone Biles in die Weltspitze geführt hatte, oder deren Landsfrau LaPrise Williams.

Wesentlich gesprächiger war Bundestrainer Wiersma. In Stuttgart werde Kevric von verschiedenen Trainerinnen betreut. Wenn sie in Italien sei, werde sie vom früheren italienischen Top-Turner Enrico Pozzo trainiert, mit dem er sich wie mit allen Heimtrainern abstimme, verriet der Niederländer. «Ich bin sehr beschäftigt mit der Situation», sagte Wiersma. Man plane aktuell Schritt für Schritt, zunächst war es bis zur EM, nun ist es bis zur WM in acht Wochen. «Ich hoffe natürlich, dass es eine stabile Lösung gibt in der Zukunft», betonte er.