Skifliegen

Party und Abschiede: Skisprung-Saison endet emotional

Zum Saisonabschluss feiern Springer und Fans in Planica ein großes Fest. Die Ära von Bundestrainer Stefan Horngacher endet. Den Nachfolger kennen seine Sportler bereits.

Karl Geiger war beim Saisonabschluss der beste Deutsche. Foto: Darko Bandic/AP/dpa
Karl Geiger war beim Saisonabschluss der beste Deutsche.

Planica (dpa) - Stefan Horngacher umarmte seine Kollegen auf dem Trainerturm, am Fuß der gigantischen Schanze von Planica feierten mehr als 26.000 Fans ein großes Skiflug-Fest. Der Saisonabschluss der Skispringer stand im Zeichen von Party und Abschieden. «Es ist natürlich schon emotional. Es war eine lange schöne Zeit», sagte Bundestrainer Horngacher nach seinem letzten Wettkampf in dieser Funktion. 

Dominator Domen Prevc ließ sich in der Heimat nach seiner Super-Saison auf den Schultern seiner Teamkollegen hochleben. Der 26-Jährige gewann den Gesamtweltcup, die Vierschanzentournee, holte zweimal Olympia-Gold und wurde Skiflug-Weltmeister.

Im letzten Wettkampf des Winters war er hinter dem Norweger Marius Lindvik der zweitbeste Flieger. Für die deutschen Springer endete die Saison so, wie sie an vielen Wochenenden verlaufen war: Für ganz vorne reichte es nicht.

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Marius Lindvik siegte beim Saisonabschluss. Foto: Darko Bandic/AP/dpa
Marius Lindvik siegte beim Saisonabschluss.

Raimund: «Jetzt kann ich endlich die Beine hochlegen»

Karl Geiger war auf Rang acht der beste Deutsche. Andreas Wellinger wurde Elfter. Olympiasieger Philipp Raimund, der als Siebter der stärkste DSV-Adler im Saisonranking ist, landete auf nur Rang 28. «Die Flüge - vor allem bei Olympia - waren phänomenal», sagte der trotzdem gut gelaunte Raimund im ZDF. «Jetzt kann ich endlich die Beine hochlegen. Es war echt zäh zum Ende.»

Wenige Minuten zuvor hatte ein Konkurrent für emotionale Momente gesorgt. Die polnische Skisprung-Legende Kamil Stoch ließ sich nach einer langen Karriere mit drei Tourneesiegen noch einmal vom begeisterten Publikum feiern. Wie Horngacher und der Österreicher Manuel Fettner hört auch er auf.

 

Viele Erfolge, aber ein großes Ziel verfehlt

Wer sie in der kommenden Saison als Chefcoach betreut, wissen die deutschen Springer bereits. «Ich glaube, dass das funktionieren wird. Das wird eine gute Sache», sagte Geiger mit einem Lächeln. «Ich muss sagen, ich freue mich sehr drauf. Ich bin zufrieden mit der Wahl.»

Was die Verkündung des Namens in der Öffentlichkeit angeht, bat Sportdirektor Horst Hüttel vom Deutschen Skiverband (DSV) in Planica um «noch ein paar Tage Geduld». Bis eine Entscheidung kommuniziert werde, werde es «nicht mehr lange dauern». Mit Horngachers Arbeit in den vergangenen sieben Jahren sei man «zufrieden», resümierte Hüttel. «In Summe Schulnote zwei, würde ich sagen.»

Stefan Horngacher verabschiedet sich als Bundestrainer. Foto: Hendrik Schmidt/dpa
Stefan Horngacher verabschiedet sich als Bundestrainer.

Bei Weltmeisterschaften und Winterspielen feierte Horngacher mit seinen Sportlern Gold, Silber und Bronze. Der langersehnte erste Vierschanzentourneesieg seit Sven Hannawalds Triumph 2002 blieb aber auch unter dem Österreicher aus.

Horngacher: Performance «nicht ganz ausreichend»

In Horngachers letzter Saison musste sein Team zahlreiche Enttäuschungen verkraften. Die Abstände deutscher Springer zur absoluten Weltspitze waren in einigen Wettkämpfen ungewohnt groß. Der überraschende Olympiasieg von Raimund im Einzel auf der Normalschanze war der große Höhepunkt eines ganz schwierigen Winters.

Die Performance in diesem Jahr sei «nicht ganz ausreichend» gewesen, resümierte Horngacher. Er selbst will sich nun Gedanken machen, wie er dem Skispringen in anderer Funktion erhalten bleibt. Der 56-Jährige freut sich aber auch auf mehr Freizeit. «Ich werde mit Sicherheit viel Gitarre spielen, viele Pilze sammeln und nebenher noch viel Rad fahren», sagte der Wahl-Schwarzwälder.

Emotionaler letzter Wettkampf von Katharina Schmid

Vor Horngacher verabschiedete sich am Samstag bereits Katharina Schmid von der Weltcup-Bühne. Die über viele Jahre beste deutsche Springerin wurde von ihrem Bruder abgewinkt und von Teamkollegen, Familie und Freunden im Auslauf mit einer Sektdusche empfangen.

Katharina Schmid ließ sich nach dem letzten Sprung ihrer Karriere feiern. Foto: Nik Erik Neubauer/ZUMA Press Wire/dpa
Katharina Schmid ließ sich nach dem letzten Sprung ihrer Karriere feiern.

«Schöner hätte ich es mir nicht vorstellen können», sagte die siebenmalige Weltmeisterin zu ihrem Abschied. Der 13. und damit letzte Platz im kleinen Starterinnenfeld war dabei nur Nebensache. Die 29-Jährige will in Zukunft in ihrer Heimat Oberstdorf als Nachwuchstrainerin arbeiten.