Niederlage im WM-Finale

Messis bittere Tränen: Das Ende scheint nahe

Der Titel-Traum ist geplatzt - und Lionel Messis Zeit im argentinischen Nationalteam vorbei? Rund um den 39-Jährigen beginnt der Abgesang. Messi selbst äußert sich am Abend nach dem Finale.

Lionel Messi weinte nach dem WM-Finale bitterlich. Foto: Stephanie Scarbrough/AP/dpa
Lionel Messi weinte nach dem WM-Finale bitterlich.

East Rutherford (dpa) - Vor der gewaltigen hellblau-weißen Wand konnte Lionel Messi seine Tränen nicht mehr zurückhalten. Argentiniens entthronter Superstar weinte nach dem verlorenen WM-Endspiel bitterlich - während die Fans ihn feierten. Es waren bewegende Szenen. Die eines Abschieds?

Messi sagte in der Nacht der Niederlage zunächst nichts. Er verließ den Ort, an dem er vor zehn Jahren seinen nicht mal zwei Monate währenden Rücktritt aus der Nationalmannschaft verkündet hatte, diesmal ohne sich zu seiner Zukunft zu äußern. Argentinischen Berichten zufolge trat er auch nicht die Rückreise nach Buenos Aires im Delegationsflieger mit an.

Messi: «Wunde braucht Zeit zum Heilen»

Erst etwa 18 Stunden später äußerte sich der Weltmeister von 2022 über die sozialen Netzwerke. «Der Schmerz ist unermesslich, und diese Wunde braucht Zeit zum Heilen», schrieb der 39-Jährige am Tag nach dem 0:1 gegen den neuen Weltmeister Spanien bei Instagram.

Immer top informiert mit dem WNOZ-WhatsApp-Kanal!

Breaking News, spannende Hintergründe und Newsletter: Mit unserem WhatsApp-Kanal bleiben Sie stets über Weinheim, den Odenwald und die Metropolregion informiert.

Impressum

Die nächste Copa, die nächste WM, ein Abschiedsspiel? All das thematisierte Messi in seinem von vielen Fans so sehnlich erwarteten ersten Post nach dem Turnier nicht. «Es ist schwer, unseren Erfolg jetzt schon vollends zu würdigen, aber diese Mannschaft hat zwei WM-Finals in Serie erreicht», schrieb Messi. Konkreter ging er nicht auf seine eigene Zukunft ein.

Der gefühlte Abgesang auf Messi begann auch so nach der verdienten Niederlage nach Verlängerung gegen den Welt- und Europameister. «Es gibt keine Worte im Wörterbuch, die ausreichen würden, um dir für alles zu danken, was du uns gegeben hast, Kapitän», schrieb Argentiniens Verbandschef Claudio Tapia in den sozialen Medien.

«Danke für jede Freude, die du uns in die Seele geschrieben hast, für jede Träne des Stolzes und dafür, dass du unsere Flagge bis an die Spitze der Welt getragen hast.» Messis ältester Sohn Thiago meinte bei Instagram: «Erinnere dich daran: Du hast schon dein Bestes gegeben.»

Werden Silber und Trumps Handschlag Messis letzte Momente im Nationaltrikot bleiben? Foto: Tom Weller/dpa
Werden Silber und Trumps Handschlag Messis letzte Momente im Nationaltrikot bleiben?

Trainer bricht Pressekonferenz unter Tränen ab

«Er ist der beste Spieler, der je den Rasen betreten hat», erklärte Coach Lionel Scaloni. Er habe mit Messi aber nicht über dessen Zukunft gesprochen. Kurz nach den Worten über den achtmaligen Weltfußballer brach der 48-Jährige seine Pressekonferenz unter Tränen ab. Auf seinem Weg zum vor dem Stadion geparkten Mannschaftsbus hielt Scaloni noch mehrfach an - und wischte sich immer wieder über die glasigen Augen.

Im Bus zum Flughafen in der New Yorker Nacht saß Scaloni ganz vorn. «Der Abschied der 'Scaloneta' von der Weltmeisterschaft war traurig und trostlos», schrieb «Clarín». Auch, weil neben Messi auch andere Spieler individuell abgereist sein sollen.

Den Superstar zog es demnach wie Rodrigo de Paul zuerst nach Miami, danach wolle er in seine argentinische Heimat Rosario fliegen, hieß es. Beim Triumph 2022 hatte sich der komplette Kader noch in den Straßen von Buenos Aires feiern lassen.

«Das Ende der Wunder» 

Der geplatzte Titel-Traum hat die Argentinier schwer getroffen. Besonders Messi, der sie erst ins Finale geführt hatte. Es war vor allem das Verdienst des Ausnahmekönners, dass die Südamerikaner ihren Triumph von Katar vor vier Jahren fast wiederholt hätten. Nur ein Sieg fehlte, nachdem sie dem vorzeitigen Aus in der K.o.-Phase mehrfach knapp entgangen waren.

Das Finale zeigte aber auch, wie abhängig die Albiceleste von ihrem Topspieler ist. Es war geradezu erschreckend. Messi, der zuvor im Turnier acht Tore erzielt und vier weitere vorbereitet hatte, war gegen Spanien quasi kein Faktor - und Argentinien entsprechend chancenlos.

Das Ende von Messi und womöglich auch das von Scaloni, dessen Vertrag nur noch dieses Jahr gültig ist, würde Argentinien nach den vergangenen Erfolgsjahren vor die gewaltige Herausforderung eines Neuaufbaus stellen.

Spaniens Lamine Yamal (l.) nahm Messi tröstend in den Arm. Foto: Seth Wenig/AP/dpa
Spaniens Lamine Yamal (l.) nahm Messi tröstend in den Arm.

Eine weitere Zeitenwende: Yamals innige Umarmung mit Messi

Messis 207. Länderspiel war gerade beendet, da kam Spaniens Youngster Lamine Yamal auf den völlig desillusioniert auf dem Rasen sitzenden Kapitän der Argentinier zu. Messi erhob sich, es folgte eine lange Umarmung. Es wirkte, als überlasse der eine Weltstar die Bühne hiermit nun dem anderen.

Vor knapp 19 Jahren war ein legendäres Foto von Messi und Yamal entstanden - der eine schon Profi, der andere noch ein Baby. Gemeinsam an einer kleinen Badewanne. Nun, nach dem Duell im WM-Finale, also neue einprägsame Bilder. War das die Zeitenwende? Ist Messis Ära im Nationaltrikot vorbei? Während die von Yamal, der jetzt schon Welt- und Europameister ist, erst richtig losgeht?

Titeltraum geplatzt: Messi nach dem Abpfiff in East Rutherford. Foto: Tom Weller/dpa
Titeltraum geplatzt: Messi nach dem Abpfiff in East Rutherford.

Messi trat schon mal zurück - nach Pleite im Final-Stadion

In der Tat prägte Messi die vergangenen zwei Jahrzehnte wie kein anderer Fußballer - von seinem portugiesischen Dauerrivalen Cristiano Ronaldo mal abgesehen. Der kleine Junge aus Rosario wurde zu einem der Allergrößten. Viele sagen: mit seinem WM-Triumph vor vier Jahren sogar größer als die 2020 gestorbene argentinische Fußball-Legende Diego Maradona.

Die Erfolge bei der Copa América 2021 und 2024 kommen noch dazu, von all den Titeln auf Clubebene - vor allem in den vielen Jahren beim FC Barcelona - ganz zu schweigen. Messi bestritt sechs Weltmeisterschaften und erzielte für die Nationalmannschaft 125 Tore. Waren die beim XXL-Turnier in den USA, Kanada und Mexiko seine letzten für die Albiceleste? Während der nächsten WM 2030 würde der Ballzauberer immerhin schon 43 Jahre alt.

2016 war Messi schon einmal aus dem Nationalteam zurückgetreten. Nach der bitteren Niederlage im Elfmeterschießen im Finale der Copa América gegen Chile. In East Rutherford. Im Final-Stadion dieser WM. Damals war er nach wenigen Wochen schon wieder dabei. 

Diesmal könnte das anders sein. Messis Tränen sprachen Bände. Argentiniens Held war überwältigt von der Liebe einer ganzen Nation. Vor der hellblau-weißen Wand. Das Ende scheint nahe.