Eishockey-WM

Sorgen um NHL-Profi Sturm: WM-Auftakt mit Höhen und Tiefen

Der WM-Start verläuft für die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft eher erwartungsgemäß. Personell sieht die Lage dagegen nicht gut aus. Immerhin kommt Verstärkung aus Nordamerika.

Nico Sturm war im vergangenen Jahr ein wichtiger Leistungsträger bei der Vizeweltmeisterschaft. Foto: Sebastian Kahnert/dpa
Nico Sturm war im vergangenen Jahr ein wichtiger Leistungsträger bei der Vizeweltmeisterschaft.

Ostrava (dpa) - Drei Punkte nach zwei WM-Spielen machen Harold Kreis froh. «Nehme ich», sagte der Eishockey-Bundestrainer in Ostrava. Der sportliche Start mit dem starken 6:4 gegen die Slowakei und dem ernüchternden 1:6 gegen das Star-Ensemble der USA gerät vor den nächsten Spielen in Tschechien aber in den Hintergrund.

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Der drohende Ausfall vor allem von NHL-Profi Nico Sturm sowie Abwehrspieler Maksymilian Szuber und Fabio Wagner bereiten dem Coach einige Sorgen. «Wir werden schauen, wie die Genesung ist», sagte Kreis. «Wir haben die Erwartungen und Hoffnungen, dass sie bald wieder fit sind.» Ob das Trio gegen Mitfavorit Schweden wieder mitwirken kann, ist offen. 

Am Sonntag absolvierten Sturm und Wagner eine Trainingseinheit mit der Mannschaft, Szuber arbeitete individuell auf dem Eis. Ein Zeichen für eine Rückkehr gegen Schweden ist das allerdings nicht.  «Wir werden am Spieltag sehen, wer sich am Abend umzieht», sagte Kreis nach dem Training. Der 65-Jährige kündigte zudem an, lieber auf Nummer sicher zu gehen und die angeschlagenen Profis weiter zu schonen: «Wir werden niemanden forcieren.»

Vor allem das Fehlen von Sturm von den San Jose Sharks schmerzt die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes enorm. Die Pleite gegen die USA am Samstagabend, die höchste Niederlage in knapp anderthalb Jahren unter Bundestrainer Kreis, hätte auch der 29-Jährige nicht verhindern können. Doch gerade für den weiteren Turnierverlauf ist Sturm auf und neben dem Eis fast unersetzlich. 

«Jeder verletzte Spieler ist ein Ausfall für uns», sagte Kreis. Nähere Angaben zu Verletzungen gibt es im Eishockey bekannterweise nicht. «Sie fehlen natürlich», sagte Verteidiger Kai Wissmann vom deutschen Meister Eisbären Berlin.

Wissmann: «Es war ein guter Lerneffekt»

Zufriedenheit herrscht beim Vizeweltmeister dagegen mit dem bisherigen WM-Start. «Am Freitag war es eine reife Leistung», beschrieb Kapitän Moritz Müller das überzeugende 6:4 gegen den Olympia-Dritten Slowakei. Gegen die USA fehlten laut dem Routinier etwas mehr als 24 Stunden später «mental ein paar Körner».

Die abgezockten Amerikaner mit zahlreichen Top-Stars nutzten jeden Fehler der DEB-Auswahl gnadenlos aus. «Es war gut zu sehen, was mir machen können, um mitzuhalten. Es war aber auch gut zu sehen, was wir nicht machen dürfen», sagte Wissmann. «Es war ein guter Lerneffekt.»

Gegen die mit 20 NHL-Profis agierenden US-Amerikaner kam die deutsche Mannschaft zwar auch zu guten Chancen und hatte Pech mit zwei Lattenschüssen. Gegen die Power und Cleverness der Stars aus Nordamerika waren Müller und Co. aber chancenlos. Münchens Torhüter Mathias Niederberger, der für den geschonten NHL-Keeper Philipp Grubauer zwischen den Pfosten stand, verhinderte mit zahlreichen Paraden eine noch höhere Niederlage.

Nächster Gegner ebenfalls ein «Brocken»

«Es geht jetzt darum, das Ergebnis richtig einzuordnen», forderte Kapitän Müller. «Wir werden erst mal in Ruhe schauen, was wir gegen die USA gemacht haben. Wir müssen jetzt analysieren, das Spiel dann abhaken, am Sonntag mentale Kraft aufladen und am Montag angreifen.»

Nach dem spielfreien Sonntag folgt dann die nächste schwere Aufgabe. In Schwedens Team, das zum Auftakt die USA mit 5:2 düpierte, wartet in Ostrava laut Wissmann erneut ein «Brocken». «Da gehen wir sicher nicht als Favorit ins Spiel, da müssen wir realistisch bleiben», sagte der Berliner. Auch Coach Kreis forderte von seinen Profis, «ein anderes Spiel an den Tag zu legen».

In der Aufarbeitung dürfte es vermehrt um die Defensive gehen. Ohne Weltklasse-Verteidiger Moritz Seider aus der NHL, der diesmal nicht zur Verfügung steht, wackelt die deutsche Abwehr immer wieder. Die Ausfälle von Szuber und Wagner kommen noch hinzu. Zehn Gegentore nach zwei Spielen sind deutlich zu viel. «Das werden wir uns angucken», sagte Kreis.

Zumindest gibt es gegen den elfmaligen Weltmeister Verstärkung aus Nordamerika in der Offensive. Lukas Reichel, der für die Chicago Blackhawks in der NHL aktiv ist, wird voraussichtlich erstmals bei den Titelkämpfen in Tschechien für die DEB-Auswahl auflaufen. Der 21-Jährige stieß am Freitagabend zur Mannschaft und wurde gegen die USA noch geschont. «Ich will einfach nur Spiele gewinnen und Spaß mit den Jungs haben», sagte Reichel am Sonntag.