Vierjährige Doping-Sperre

Stadion-Training nach Sperre: Vuskovic als HSV-Lichtblick

Nach dem Fehlstart ist der Hamburger SV Bundesliga-Letzter. Da kommt das emotionale Trainingscomeback von Mario Vuskovic kurz vor Ablauf der Doping-Sperre recht. Eine Rückkehr mit vielen Fragezeichen.

Endlich wieder zur im HSV-Training: Der noch doping-gesperrte Mario Vuskovic. (Archivbild) Foto: Arne Dedert/dpa
Endlich wieder zur im HSV-Training: Der noch doping-gesperrte Mario Vuskovic. (Archivbild)

Hamburg/Leipzig (dpa) - Für einen Nachmittag kann sich der Hamburger SV von seiner schwersten sportlichen Krise seit dem Wiederaufstieg in die Fußball-Bundesliga ablenken. Zwei Monate vor Ablauf seiner Doping-Sperre darf Mario Vuskovic am Dienstag (15.00 Uhr) erstmals wieder mit der Mannschaft trainieren. Ein Ereignis, das der Club und die Anhänger seit vier Jahren herbeigesehnt haben, Trainer Merlin Polzin hat deshalb die Einheit sogar in das Volksparkstadion verlegt.

Vuskovic-Comeback überstrahlt Fehlstart - für einen Nachmittag

Dabei hat Polzin nach dem 0:5 bei RB Leipzig und dem kapitalen Fehlstart mit null Toren, zwölf Gegentreffern und dem letzten Tabellenplatz eigentlich andere Themen, als die Rückkehr des 24-Jährigen zu moderieren. Dennoch überstrahlt das Comeback des Innenverteidigers zumindest kurzfristig die trübe Lage der Hamburger. Eine womöglich willkommene Ablenkung.

«Wir haben nichts Besonderes geplant. Wir versuchen, ihm einen sehr wertschätzenden Moment am Dienstag zu geben», hatte Polzin schon vor dem Spiel in Leipzig gesagt. Es gehe darum, nicht zu sehr das Ganze in den Mittelpunkt zu stellen. «Ich glaube, er freut sich einfach extrem darauf, wenn er wieder in der Kabine sein darf, wenn er mit den Jungs vor dem Training, nach dem Training, im Kraftraum ist, in der Kabine einfach Zeit verbringt, Spaß zusammen hat.» 

Immer top informiert mit dem WNOZ-WhatsApp-Kanal!

Breaking News, spannende Hintergründe und Newsletter: Mit unserem WhatsApp-Kanal bleiben Sie stets über Weinheim, den Odenwald und die Metropolregion informiert.

Impressum

Zurück nach fast vier Jahren

Für Vuskovic wird der 15. September 2026 in jedem Fall ein ganz besonderer Tag sein. Sein Fall sorgte für Aufsehen. Ende des Jahres soll eine Dokumentation dazu herauskommen. Seit dem 15. November 2022 durfte er nicht mehr mittrainieren, nachdem bei einer Trainingskontrolle die verbotene Substanz Erythropoetin (Epo) im Urin des Kroaten nachgewiesen worden war. Er beteuert weiterhin seine Unschuld. 

Der Verein stellte sich hinter ihn. Club-Verantwortliche begleiteten ihn zu Verhandlungen. Der Fall löste eine Debatte unter Fachleuten um die Nachweismethoden aus. Es half nichts: Dem damals 20-Jährigen wurde für vier Jahre die Ausübung seines Berufs verboten. 

Mario Vuskovic erfuhr in unterschiedlicher Form Solidarität. Foto: Daniel Löb/dpa
Mario Vuskovic erfuhr in unterschiedlicher Form Solidarität.

«Free Vuskovic»

Doch so richtig weg vom HSV war Vuskovic nie. Solidaritäts-Bekunden der Teamkollegen und der Fans mit Trikots mit seiner Rückennummer 44 und der Aufschrift «Free Vuskovic» gab es regelmäßig. Immer wieder traf er sich in Hamburg mit Spielern, war im Stadion und feierte 2025 den Bundesliga-Aufstieg auf der Tribüne mit. Heute sind in Torwart Daniel Heuer Fernandes, Bakery Jatta und Miro Muheim noch drei Mitspieler von damals da.

Die enge Bindung zwischen ihm und dem Verein half auch mit, dass sein fünf Jahre jüngerer Bruder Luka sich in der vergangenen Saison von Tottenham an den HSV verleihen ließ. Er wählte die Rückennummer seines Bruders und wurde ein mitentscheidender Faktor für den Klassenverbleib. Sein Traum, dass beide Brüder gemeinsam für den HSV auf dem Platz stehen, ließ sich nicht erfüllen. Luka spielt mittlerweile für Brighton in der Premiere League.

Die Brüder Mario und Luka Vuskovic als Tattoo verewigt auf dem Unterarm von Luka. (Archivbild) Foto: Christian Charisius/dpa
Die Brüder Mario und Luka Vuskovic als Tattoo verewigt auf dem Unterarm von Luka. (Archivbild)

Bisher einmaliges Experiment 

Noch ist nicht absehbar, ob und wann Mario Vuskovic wieder auf höchstem Niveau spielen kann. In seiner Heimat Split trainierte er vier Jahre lang mit Fitness-Trainern. Unter anderem mit Josko Vlasic, ehemaliger kroatischer Zehnkampfmeister und Vater von Hochsprung-Olympiasiegerin Blanka Vlasic. «Was ich von ihm gesehen habe, als er dann mal da war, macht er einen sehr, sehr fitten, sehr dynamischen Eindruck», sagte Polzin.

Doch gelingt es, einen Spieler nach so langer Zeit wieder auf Erstliga-Level zu bringen? Es ist ein Experiment, das es so zumindest in der Bundesliga noch nicht gegeben hat. Vier Jahre kein Mannschafts-Training, keine Abläufe, keine Spiele, keine Zweikämpfe.

Und überhaupt? Was haben die vier Jahre bei Vuskovic mental bewirkt? «Ich habe bislang im Profifußball kaum einen Typen wie Mario erlebt. Er bringt mit seinen charakterlichen Stärken alles mit», sagte Ex-HSV-Sportvorstand Jonas Boldt dem «Kicker». Der heutige Sport-Geschäftsführer des Zweitligisten Hannover 96 mahnte zugleich, es müsse aber «um den Menschen und nicht um die Umsetzung eines Pilotprojektes gehen». 

Enger Vertrauter von Mario Vuskovic: Ex-HSV-Sportvorstand Jonas Boldt (l). (Archivbild) Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
Enger Vertrauter von Mario Vuskovic: Ex-HSV-Sportvorstand Jonas Boldt (l). (Archivbild)

HSV könnte einen Mario Vuskovic auf Top-Niveau gut gebrauchen 

Zwei Monate muss Vuskovic noch warten, eher er überhaupt mal wieder spielen darf. Am Dienstag beginnt sozusagen die Wiedereingliederung. Die erste Partie nach Ablauf der Sperre am 15. November ist das Nordderby beim SV Werder Bremen. Erwartungen, dass er dann schon spielen könnte, wären illusorisch.

Dabei kann der HSV einen guten Innenverteidiger aktuell sehr gut gebrauchen. Vor dem 0:5 in Leipzig am Sonntag hatten die Hamburger eine Woche zuvor ebenfalls 0:5 gegen den FSV Mainz 05 verloren.

«Es darf uns einfach nicht passieren, dass wir wieder fünf Tore kriegen. Man muss kompakt stehen und die Ruhe nicht verlieren», sagte Torwart Daniel Heuer Fernandes. Was der HSV defensiv zeigte, war phasenweise abenteuerlich. Dennoch meinte Kapitän Nicolai Remberg: «Ich werde es nicht schönreden, trotzdem werden wir die positiven Dinge mitnehmen.»