Tennis

Zverevs verpasste Grand-Slam-Chancen

Im Finale der French Open will sich Alexander Zverev endlich zum Grand-Slam-Champion küren. Die Chancen dafür stehen gut - aber der Tennisstar ist schon öfter kurz vor dem Ziel gescheitert.

Alexander Zverev beim Aufschlag. Foto: Christophe Ena/AP/dpa
Alexander Zverev beim Aufschlag.

Paris (dpa) - Alexander Zverev benötigt nur noch einen Sieg für seinen ersten Grand-Slam-Titel. Ins Finale der French Open am Sonntag (15.00 Uhr/Eurosport/Nitro) gegen den Italiener Flavio Cobolli geht der deutsche Tennisstar als Favorit. Doch in der Vergangenheit stand Zverev schon öfter kurz vor dem ganz großen Coup bei einem der vier wichtigsten Turniere - und schaffte ihn nicht.

Finale US Open 2020

Womöglich wäre Zverevs Karriere noch erfolgreicher verlaufen, hätte er seine erste echte Chance auf den Grand-Slam-Titel genutzt. Als 23-Jähriger profitiert er in New York auch davon, dass Roger Federer und Rafael Nadal nicht teilnehmen und Novak Djokovic im Achtelfinale disqualifiziert wird, weil er wutentbrannt einen Ball wegschlägt und dabei eine Linienrichterin trifft.

Nach 13 Titeln in Serie für die «Big Three» gibt es wieder einen neuen Grand-Slam-Champion - doch der heißt nicht Alexander Zverev. Der Hamburger führt im Endspiel zwar gegen Dominic Thiem mit 2:0 nach Sätzen, doch dann kommt sein österreichischer Kumpel stärker auf und Zverev zeigt Nerven. Am Ende fehlen ihm zwei Punkte zum Sieg. «Zwei Gladiatoren haben heute alles gegeben», sagt Boris Becker danach. 

Immer top informiert mit dem WNOZ-WhatsApp-Kanal!

Breaking News, spannende Hintergründe und Newsletter: Mit unserem WhatsApp-Kanal bleiben Sie stets über Weinheim, den Odenwald und die Metropolregion informiert.

Impressum

Halbfinale French Open 2022

Gegen Sandplatz-König Rafael Nadal auf dem Court Philippe Chatrier - eine größere Herausforderung gab es damals wohl kaum. Doch Zverev nahm sie beherzt an, denn er hatte «wirklich das Gefühl, in Topform zu sein». So spielte er auch - ehe das Drama seinen Lauf nahm.

Zverev knickt am Ende des zweiten Satzes mit dem rechten Fuß um, seine Schmerzensschreie hallen durch das Stadion. Er wird im Rollstuhl vom Platz geschoben. Kurz darauf kommt er an Krücken zurück, um sich vom Publikum zu verabschieden. Von den Fans gibt es «Sascha»-Rufe, von Nadal aufmunternden Applaus. «Zverev in der Kabine weinen zu sehen», sagt der Spanier, «war ein schlimmer Moment.» Der mehrfache Bänderriss wirft Zverev sportlich weit zurück.

Finale French Open 2024

Zwei Jahre nach dem schlimmen Unfall erreicht Zverev endlich das Finale des Sandplatz-Klassikers. Sein Gegner ist allerdings der sechs Jahre jüngere Carlos Alcaraz, und der Spanier hat den Deutschen schon zu jener Zeit mit zwei Grand-Slam-Titeln überholt. Und in Paris kommt ein dritter für den Spanier hinzu, weil Zverev eine 2:1-Satzführung nicht zum Sieg reicht. Und auch, weil der Deutsche bei einer Schiedsrichter-Fehlentscheidung im fünften Satz Pech hat.

Zverev richtet bei seiner Rede auf dem Platz das Wort an sein ebenso enttäuschtes Team: «Hoffentlich werden wir eines Tages diese Trophäe in unseren Händen halten.»

Finale Australian Open 2025

Wieder greift Zverev nach dem Titel, wieder geht er leer aus. Bei der Final-Niederlage in Melbourne gegen den Italiener Jannik Sinner ist er in drei Sätzen chancenlos, was ihm zu schaffen macht. Sinner sei für ihn «zu gut» gewesen, gibt der Deutsche zu, «das ist ein Fakt. Da kann man sich Dinge schönreden, aber es ist halt so.» Es folgen sieben weitere Pleiten in direkten Duellen mit dem Südtiroler, der bei den French Open diesmal früh ausscheidet.

Halbfinale Australian Open 2026

Eine weitere Titelchance verpasst Zverev Anfang des Jahres in Melbourne gegen Alcaraz. Er verliert den zweiten Satz trotz einer 5:2-Führung - was sich als fatal herausstellt. Denn im dritten Durchgang ist sein spanischer Gegner körperlich schwer angeschlagen, er kann zeitweise nur aus dem Stand Tennis spielen.

«Wenn ich den zweiten Satz gewonnen hätte und dann kommen seine Krämpfe im dritten Satz dazu», sagt Zverev hinterher, «hätte das den Unterschied ausmachen können.» So aber kämpft sich Alcaraz in den fünften Satz, wo Zverev beim Stand von 5:3 zum Matchgewinn aufschlägt. Doch auch das reicht nicht für seinen Sieg. Alcaraz gewinnt zwei Tage später das Finale gegen Novak Djokovic. Bei diesen French Open fehlt er verletzt.