Frauen aus Weinheim und Birkenau spielen Zuschauer schwindelig
Die HSG Weinheim/Oberflockenbach muss sich im temporeichen, aber fehlerbehafteten Oberliga-Derby dem TSV Birkenau geschlagen geben
Über mangelnde Unterhaltung konnten sich die 180 Zuschauer des Frauenhandball-Derbys zwischen der HSG Weinheim/Oberflockenbach und dem TSV Birkenau am Sonntagabend nicht beklagen. In der Weinheimer TSG-Halle bot sich den Fans eine Partie, die kaum Zeit zum Luftholen bot. „Wie viele Angriffe waren das heute? 90, 100?“, kam auch Birkenaus Trainer Julius Schäfer mit dem Hin und Her auf dem Parkett kaum hinterher. Das lag nur zum Teil daran, dass beide Mannschaften aufs Gaspedal drückten. 39 Ballverluste ließen selten Spielfluss aufkommen. „Am Ende haben wir vielleicht den einen Fehler weniger gemacht“, kommentierte Schäfer das 24:28 auf der Anzeigetafel.
Weinheim - Birkenau 24:28
Weinheim/Oberflockenbach: L. Propp, Sax (31. bis 50.); Fath (3), Pinto (1), Püschel (1), L. Propp (1), Amann (4), Müller (8), Kuhn (4), Mackert, Karl (1), Eder-Herzog, Funder (1).
TSV Birkenau: J. Meyer; Haas (5), Schäfer (3), Tines (2), Crnisanin (1), A. Meyer (1), Harbarth, Hanke (5/4), Knapp (5), Hassel, Becker (4), Gutsche, Fremr (2).
Schiedsrichter: Svitac/Otte.
Zuschauer: 180.
Siebenmeter: keine - 4/4.
Zeitstrafen: 10:0 Minuten.
Ballverluste: 20:19.
Fehlwürfe: 24:27.
Paraden: L. Propp 10, Sax 5 - J. Meyer 15.
Beste Spielerinnen: L. Propp, Müller - J. Meyer, Haas, Schäfer.
Spielfilm: 2:2, 4:6m 7.7, 7:10, 10:12, 10:14, 11:15; 14:15, 14:19, 18:21, 19:24, 23:26, 24:28.
Dass Derbys selten handballerische Leckerbissen zu bieten haben, ist eine Binsenweisheit. Für die Gäste kam hinzu, dass in der TSG-Halle ohne Harz gespielt wird und Aufsteiger Weinheim/Oberflockenbach mit offensiver Abwehr und daraus resultierendem Tempospiel als äußerst unangenehmer Gegner gilt. Allerdings konnten die Gastgeberinnen ihr Spiel nicht kontrolliert aufziehen, was die erste Heimniederlage zur Folge hatte.
"Verteilen zu viele Geschenke"
„Gegen Birkenau kann man verlieren. Aber was mich ärgert, sind die vielen einfachen technischen Fehler, die wir immer wieder machen. Rein optisch habe ich keine stärkeren Birkenauer gesehen“, ärgerte sich Weinheims Trainer Jürgen Al-Shawany auch über eine zu hohe Niederlage. Vor allem aber darüber, dass ihm der Lernprozess seines jungen Teams nicht schnell genug geht. „Birkenau war clever, wir waren das nicht. Aber wir dürfen nicht zu viele Geschenke verteilen, wenn wir unter die ersten vier Mannschaften kommen wollen.“
Das ist das ambitionierte Ziel des Aufsteigers, der in der Saison 2025/26 gerne in der dann komprimierten Oberliga Baden-Württemberg spielen will. Genau wie der TSV Birkenau – und etliche andere Teams der jetzigen Oberliga Baden. Das Potenzial dazu hätten die Weinheimerinnen – wenn alles glatt läuft. Das tat es am Sonntagabend nicht. Die Gastgeberinnen liefen gegen die mit den Routiniers Katrin Haas, Jacqueline Fremr und Linda Schäfer angetretenen Gäste von Beginn an einem Rückstand hinterher, den sie nach dem 3:6 beim 7:7 letztmals egalisierten. „Immer dann, wenn wir dran waren und hätten ausgleichen können, machen wir vorne den Fehler und kassieren im direkten Gegenzug das Tor. Das passiert uns gegen Spitzenmannschaften leider zu oft“, befand Al-Shawany. So wurde aus dem 10:12 der bei fünf Versuchen viermal erfolgreichen Lena Amann 84 Sekunden vor dem Pausenpfiff noch das 10:14 und 11:15 zur Pause. Die Zuschauer konnten gar nicht so schnell schauen, wie der Ballbesitz wechselte.
Auch Schäfer hadert mit Fehlern
„Wir hatten die Chancen schon zur Pause deutlicher zu führen, dann wäre es im zweiten Abschnitt vielleicht gar nicht mehr so eng geworden“, sah Julius Schäfer im ersten Durchgang schon 14 missglückte Wurfversuche seiner TSV-Damen gegenüber 13 der HSG. Achtmal hatte Laura Propp bis dahin pariert, siebenmal Johanna Meyer im Birkenauer Tor. „Wenn Weinheim dann Mitte der zweiten Halbzeit auf ein Tor herankommt, weiß ich nicht, ob das Spiel vielleicht sogar noch kippt.“
Das tat es nicht, weil die HSG nur einmal auf 14:15 durch Miriam Müller herankam, im nächsten Angriff die Gelegenheit zum Ausgleich hatte, dann aber Birkenau mit einem Ballverlust ein Gegenstoßgeschenk machte, das Katrin Haas zum 14:16 verwertete. Weiter aufkommende Hektik und eine teilweise doppelte Unterzahl hatten das 14:19 (44.) durch Anna Knapp zur Folge. Näher als auf drei Tore kamen die Gastgeberinnen nicht mehr an den TSV heran, der sich letztlich vor allem auf Haas und Schäfer verlassen konnte, die im zweiten Durchgang vorne sicher verwandelten. Die Weinheimerinnen fanden indes am Ende keine spielerischen Mittel mehr – und scheiterten letztlich eher an sich selbst als am Gegner.