Handball

Für den TSV Birkenau stellt sich die Frage der Ehre

Ist die Herrenmannschaft in der Badenliga noch zu retten? Der jüngste Auftritt macht wenig Mut. Und eine Rote Karte passt ins Bild

Ettlingens Spielmacher Philipp Karasinski sucht die Lücke, die Birkenauer Marian Kleis (links) und Ronny Unger mit dem TSV einen Ausweg. Foto: Fritz Kopetzky
Ettlingens Spielmacher Philipp Karasinski sucht die Lücke, die Birkenauer Marian Kleis (links) und Ronny Unger mit dem TSV einen Ausweg.

Wo anfangen, wo aufhören? Der TSV Birkenau schien nach dem 40:28 im so wichtigen Kellerduell gegen die TSG Dossenheim gerade noch rechtzeitig die Kurve zu bekommen, um den Verbleib in der Handball-Badenliga doch noch zu schaffen. Aber das, was die 120 Zuschauer am Mittwochabend in der Langenberghalle sahen, ließ alle, die es mit den Schwarzen Falken halten, ratlos zurück.

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Im nicht minder wichtigen Vier-Punkte-Spiel gegen Aufsteiger HSG Ettlingen wurde die „Abwehr“ ihrem Namen zu keinem Zeitpunkt gerecht, der Angriff agierte kopflos und war auf Einzelaktionen von Marvin Brock und Marco Jöst angewiesen. Und am Ende stand eine ernüchternde aber völlig gerechtfertigte 33:37-(17:18)-Niederlage gegen die HSG Ettlingen, die damit in der Tabelle den Sprung nach vorne machte, den sich der TSV Birkenau vorgenommen hatte. So bleibt die Mannschaft von Interimstrainer Florian Sauer auf einem der beiden Abstiegsplätze hängen. Und nach der jüngsten Vorstellung stellt sich die Frage, ob diese Mannschaft tatsächlich Badenliga kann.

Marvin Brock war einer der wenigen, denen am Mittwoch kein Vorwurf zu machen war. Foto: Fritz Kopetzky
Marvin Brock war einer der wenigen, denen am Mittwoch kein Vorwurf zu machen war.

Zweifelsohne haben einzelne Spieler das Potenzial dafür. Die bereits genannten Jöst und Brock beispielsweise, der verletzte Paul Kreis, dessen Ausfall wehtut. Sicher auch die Außenspieler. Aber als Mannschaft hinterließ Birkenau, zumindest am Mittwoch, einen geradezu leb- und kopflosen Eindruck – ohne Mut, ohne Biss, ohne Übersicht. Wenn Spieler trotz laufender Uhr bei einem Drei-Tore-Rückstand in den Schlussminuten nicht aufs Gaspedal drücken, sondern ins Schlendern verfallen, wenn sie die einfachen Gegenstoßtore „vergessen“ – dann lügt die Tabelle nicht.

Trainer Sauer ist frustriert

„Ich bin jetzt seit sechs Wochen da und wir machen in jedem Spiel sicher zehn Fehler in genau den Situationen, die wir vorher angesprochen haben. Da kann ich auch mit den Minis spielen“, zeigte sich Trainer Sauer nach dem Schlusspfiff höchst gefrustet. Mit diversen Defensivformationen versuchte er das Ettlinger Angriffsspiel in de Griff zu bekommen, doch die 37 Gegentore unter dem Strich, inzwischen 665 in 20 Spielen sind einfach desolat. „Mir fehlt es an Ehrgeiz, an Einstellung, an Selbsteinschätzung“, sagt Florian Sauer, der ob der Vorstellung am Spielfeldrand genauso in Reglosigkeit verfiel, wie die Bank und die Zuschauer auf den Rängen.

Rote Karte nach nur drei Minuten

Die Partie begann genauso katastrophal, wie sie endete: Jan-Niklas Weis sah nach einem ungestümen Foul, das in einer Kopflandung von HSG-Spieler Raphael Blum und dessen Abtransport ins Krankenhaus endete, von den Schiedsrichtern Sohms/Hofmann schon nach drei Minuten direkt „Rot“. Nach zehnminütiger Unterbrechung legten dann aber die Gäste vor. „Die Jungs sind cool geblieben, die 5:1-Abwehr hat dann besser funktioniert und wir haben den Kampf angenommen“, sagt HSG-Trainer Daniel Meyer.

Auf Birkenauer Seite gibt es nicht viel, das Hoffnung macht für das nächste Heimspiel am Samstag um 17.30 Uhr gegen den Tabellendritten TV Hardheim. Vielleicht, dass die Partie gegen Ettlingen trotz aller Unzulänglichkeiten nur mit vier Treffern verloren ging. Oder vielleicht, dass es anhand der Tabellensituation für Birkenau da nicht viel zu verlieren gibt – außer der Ehre.