TSG Weinheim

Fußball: Trainer und Teammanager verlassen TSG Weinheim  

Am Ende des Weges: Trainer Lukas Cambeis und Teammanager David de Vega kehren Verbandsligist im Sommer den Rücken.

Trainer Lukas Cambeis (Archivbild). Foto: Philipp Reimer
Trainer Lukas Cambeis (Archivbild).

Weinheim. Die Spatzen haben es bereits seit dem vergangenen Wochenende von den Dächern gepfiffen, nun ist offiziell: Trainer Lukas Cambeis, Co-Trainer Daniel Limonciello und Teammanager David de Vega werden Fußball-Verbandsligist TSG 1862/09 Weinheim nach Ende der laufenden Saison verlassen.

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Hauptgrund für die „Trennung im Guten“, wie Cambeis und Abteilungsleiter Tobias Apfel unisono betonen, sei „die Veränderung in den Möglichkeiten, die die sportliche Weiterentwicklung aus Sicht von Cambeis und de Vega deutlich erschweren werden“, ließ die Fußballabteilung der TSG um Apfel und seinen Stellvertreter Thomas Felber am Freitagnachmittag verlauten. Gemeint ist damit nichts anderes als eine Reduzierung des Budgets für die erste Mannschaft.

Diese Veränderung sei wiederum vonnöten, da es den Verantwortlichen „trotz eines großen Aufwands“ bislang nicht gelungen ist, die Lücke im Budget für die kommende Saison 2025/26 zu schließen, die nach dem Absprung des bisherigen Hauptsponsors zum Ende der laufenden Saison entstanden ist. Zwar habe man eine Reihe neuer Sponsoren für die Fußballabteilung gewinnen können, dies reiche jedoch bei Weitem noch nicht aus.

Knapp 30 Prozent weniger Geld

So konnte zumindest der von Apfel bereits im November 2024 skizzierte „Worst Case“ in Form einer Halbierung des Budgets der ersten Mannschaft verhindert werden, im Vergleich zur laufenden Saison geht man dennoch davon aus, rund 30 Prozent weniger Geld zur Verfügung zu haben. Wohl deutlich zu wenig, um den sportlichen Aufwärtstrend, der bereits unter Cambeis’ Vorgänger Marcel Abele begonnen hatte, fortzusetzen. Und angesichts der offen formulierten Ambitionen des Übungsleiters wohl auch zu wenig, um dessen Ansprüchen gerecht zu werden.

Recht offensiv hatte Cambeis kurz vor Weihnachten im Interview mit dieser Redaktion angekündigt, den sportlichen Erfolg in einem möglichen zweiten Jahr weiter nach oben schrauben zu wollen. Bei Platz vier nach der Hälfte der Premierensaison bleibt diesbezüglich nur wenig Spielraum zur Spekulation – allerdings ging er seinerzeit, wie auch Apfel, Felber, de Vega und Co. davon aus, dass die Finanzen mitspielen.

Etwaigen Planspielen der Abteilungsleitung, die Aktivität künftig zu erheblichen Teilen aus dem eigenen Nachwuchs zu bestücken, hielt Cambeis entgegen: „Eine ambitionierte Herrenmannschaft wird immer das Zugpferd sein, um die talentierten Eigengewächse an den Verein zu binden, und anschließend nachhaltig in den Herrenbereich integrieren zu können.“ Nur wenn das gegeben sei, könne sich der Nachwuchs, der selbst bei vollerer Kasse knapp 30 Prozent des künftigen Erstmannschaftskaders hätte ausmachen sollen, an der Seite von erfahrenen Spielern orientieren und aufrichten. Abschließend stellte der 33 Jahre alte Viernheimer klar: „Das ist der Weg, den wir weiterhin konsequent gehen möchten.“

Doch genau dieser Weg endet nun im Frühsommer 2025 vorzeitig – weil der Verein eine etwas andere Route bevorzugt als der Coach, der am Freitag beteuert: „Ich hätte auf der aktuellen Basis sehr gerne in Weinheim weitergearbeitet, mir liegt die Mannschaft sehr am Herzen. Leider werden die Einschnitte aber zu groß, sodass wir wohl auch mit Veränderungen im Team rechnen müssen.“

Auch wenn die Zusammenarbeit nach der Saison ende, „werden mein Trainerteam und ich alles dafür geben, um das bestmögliche Ergebnis abzuliefern. Gemeinsam mit den großartigen Charakteren in dieser Mannschaft werden wir in der Rückrunde den maximalen sportlichen Erfolg anstreben“.

Auch David de Vega verlässt die TSG zum Ende der Saison. Foto: Dietmar Lohrer
Auch David de Vega verlässt die TSG zum Ende der Saison.

David de Vega beurteilt die Situation ähnlich. „Ich investiere sehr viel Zeit und Herzblut, dafür habe ich auch persönliche Ziele mit der Mannschaft. Diese Ziele sehe ich in der neuen Konstellation nicht realisierbar“, wird der scheidende Teammanager in der Mitteilung der TSG zitiert. Weiter sagt er: „Dennoch kann ich den Weg der Fußballabteilung absolut nachvollziehen und wünsche Ihnen natürlich alles Gute. Ich werde im Herzen immer einen Weinheimer bleiben.“

Ambitionen zurückschrauben

„Wir müssen unsere Ambitionen zurückschrauben und der veränderten wirtschaftlichen Situation anpassen“, gibt derweil Tobias Apfel unmissverständlich zu verstehen. Den potenziellen Kritikern sagt er: „Die Lichter gehen bei der TSG 1862/09 Weinheim deshalb aber noch lange nicht aus.“ Vielmehr ist er davon überzeugt, dass die dann neu formierte Mannschaft auch in der Saison 2025/26 eine ordentliche Rolle in der Verbandsliga spielen wird. Eine Platzierung „zwischen Rang fünf und zehn“ wird als realistisch eingeschätzt – wenngleich das Verhältnis zwischen gestandenen Akteuren und blutjungen Kräften dann wohl recht ausgeglichen sein dürfte.

Paul Weis folgt auf Laudenklos

Die gewünschten etablierten Kräfte gilt es nun jedoch, schnellstmöglich auch von diesem neuen Weg zu überzeugen. Übernehmen soll diese Aufgabe bereits der neue Trainer, den die TSG-Fußballer schon bald vorstellen wollen. „Es gibt den einen oder anderen Kandidaten. Hier müssen und werden zeitnahe Gespräche stattfinden“, kündigt Tobias Apfel an. „Er muss in der Lage sein, auch mit vielen jungen Spielern eine gute Verbandsliga-Mannschaft aufzustellen“, umreißt er das gewünschte Profil des Cambeis-Nachfolgers.

Paul Weis übernimmt ab sofort die Sportliche Leitung. Foto: Dietmar Lohrer
Paul Weis übernimmt ab sofort die Sportliche Leitung.

Die Trainersuche wiederum wäre eigentlich eine klassische Aufgabe des Teammanagers. Da aber auch David de Vega nach dann eineinhalb Jahren zum Saisonende ausscheidet, obliegt diese Aufgabe jetzt dem neuen Sportlichen Leiter Paul Weis. Nach der Trennung von Peter Laudenklos Ende Oktober 2024 war auch diese Position lange Zeit vakant – ursprünglich sollten sich mehrere Protagonisten, darunter de Vega und Weis, den Posten teilen. Weis war eigentlich für die Koordination des Juniorenbereichs bis zur U23 vorgesehen, wurde im Zuge der anstehenden Trennung von Cambeis und de Vega aber kurzerhand „befördert“.

Cambeis’ Zukunft noch offen

Und wie sieht die Zukunftsplanung von Lukas Cambeis aus? „Da möchte ich mich jetzt noch nicht festlegen“, sagt der junge Familienvater. Seine Konzentration gelte einzig und allein der Rückrunde, die am 8. März mit dem Gastspiel beim unangefochtenen Spitzenreiter 1. FC Bruchsal beginnt – getreu dem Motto: „Vollgas bis zum Schluss.“