Neue Töne beim TuS 02 Weinheim
Dennis Proyer hat bei seiner ersten Trainerstation beim Fußball-B-Klassisten eine klare Vorstellung. Und fordert vor allem Disziplin.
Erlebnis vor Ergebnis. Das war oft das Motto des TuS 02 Einheit Weinheim. „Der Kultverein an der Bergstraße“ – der T-Shirt-Spruch beim TuS-Stand auf der Weinheimer Kerwe hat Inhalt. Vereins-Legende Armin Kohler, der sich bei akutem Spielermangel auch mit 53 Jahren nicht zu schade für Kurzeinsätze war, weiß davon ein Lied zu singen.
Als Altmeister am Zapfhahn war er über die Kerwe im Dauereinsatz, im Verein hat der Sportliche Leiter vom Spieler bis zum Trainer schon alle Positionen durch. Die Geschichten, die er über „seine TuS“ zu erzählen hat, würden Bücher füllen. Bis vor zehn Jahren trugen Weinheims härteste Kicker ihre Spiele auf dem TuS-Hartplatz im Birkenauer Tal aus. „Dann ging es nicht mehr. Da haben sich Spieler teilweise Beine gebrochen. Letztlich mussten wir umziehen, sonst hätten wir keine Mannschaft mehr gehabt.“
"Feierbeastern" geht die Luft aus
Beim TSV Sulzbach fand „die“ TuS eine neue Bleibe. Am TuS-Gen änderte sich auch auf Kunstrasen nicht viel, die B-Klasse war für die Mannschaft, längst Heimat geworden. Dass zum Spielen auch Training gehört, kam zuletzt nicht beim kompletten Kader an. Und so reichte die Luft für die „Feierbeaster“ auf dem Platz selten für 90 Minuten.
Ein Umstand, an den sich auch Dennis Proyer erst gewöhnen musste. In der Saison 2021/22 war der Angreifer aus Wald-Michelbach zum TuS 02 gewechselt, „weil mein Bruder Özkan Bozkurt da gespielt hat. Das war schon eine Umstellung – nicht nur, weil ich bisher immer auch Geld fürs Fußballspielen bekommen habe“, erinnert sich der Mann, der in Wald-Michelbach auch schon in der Kreisoberliga gespielt hat. „Aber nach dem Probetraining hat es mir da gleich gut gefallen.“ Kameradschaft und Leidenschaft für den Fußball zählt manchmal eben mehr als spielerische Klasse.
"Entweder mitziehen oder abmelden"
Als sich in der abgelaufenen Saison herauskristallisierte, dass Trainer Graziano Romagnolo sein Amt abgeben und nur noch als Aushilfsspieler zur Verfügung stehen würde, bot sich Proyer als Spielertrainer an. „Ich wollte diesen Schritt schon immer gehen und traue mir das auch zu, nicht nur weil ich Erfahrung aus höheren Ligen habe“, sieht der 31-Jährige beim TuS eine gute Möglichkeit für den Einstieg in die Trainerkarriere. Und jede Menge Potenzial, das er noch aus der Mannschaft kitzeln kann. „Das, was in der letzten Saison passiert ist, dass Leute nach 15 Minuten wieder rausmussten, weil sie nicht mehr konnten, das wird es künftig nicht mehr geben.“
Der TuS 02 Weinheim 2023/24
Zugänge: Manuel Ehret, Manuel Brockenauer, Christopher Elgner (alle TSV Hambach), Oguzhan Sari (SG Hemsbach), Florian Stadler (SV Fürth), Veton Rexhepi (TSV Aschbach), Pascal Eder (TSV Sulzbach), Robert Koop (reaktiviert), Özkan Bozkurt (SG Wald-Michelbach).
Abgänge: Raul Benitez (SF Heppenheim), Berkan Günel (FSV Zotzenbach), Selman Beyazgül (VFB Gartenstadt), Edon Murtezi (TSG 1862/09Weinheim), Rigon Ramadani, Mergim Sadikaj (beide TuS Oggersheim).
Der Kader: Tor: Dominik Huscher, Robert Koop, Christopher Elgner, Abwehr: Manuel Ehret, Lum Rexhepi, Özkan Boskurt, Pascal Eder, Bogdan Ilie, Önder Kavaklioglu, Ali Salah El Din Ramis, Ozan Cevke, Oguzhan Sari; Mittelfeld: Seymen Bozkurt, Georgi Georgiev, Justin Frohn, Jason Hitzwebel, Ardi Rexhepi, Florian Stadler; Angriff: Ahmed Sahal, Veton Rexhepi, Mario Brockenauer, Dennis Proyer.
Trainer: Dennis Proyer (neu), Co-Trainer: Ali Salah El Din Ramis.
Saisonziel: vorderes Mittelfeld.
Favoriten: SV Laudenbach, FV Leutershausen II.
Es sind neue Töne, die bei der Mannschaft, die bislang mental eher im Freizeit- als im Wettkampfmodus auflief, angeschlagen werden. „Ich habe den Jungs gleich gesagt: Entweder ihr zieht mit, oder wir melden die Mannschaft ab!“ Das saß offenbar, denn seither macht Proyer, der von seinem neuen Wohnort Mutterstadt zweimal die Woche zum Training nach Sulzbach pendelt, einen guten Trainingsbesuch und verstärkte Disziplin aus. „Gegen schwierige Charaktere in der Mannschaft muss man sich entsprechend durchsetzen können. Das hat am Anfang dazu geführt, dass Spieler auch mal kurzfristig suspendiert wurden. Und seither läuft es.“
Fitnessfreak sieht mental gute Truppe
Disziplin steht für den „Fitnessfreak“ ganz oben auf der Agenda, wenn sich der TuS 02 in Zukunft besser aufstellen soll. „Wenn einer ohne Ankündigung zu spät kommt, dann sitzt er eben auch in einem Freundschaftsspiel mal auf der Bank. Das gilt auch für meinen Bruder“, greift der neue Chef durch. Die Abwehr, wo sich der Tabellendrittletzte der vergangenen Runde in 24 Spielen satte 116 Gegentreffer einfing, muss stabiler werden. „Wir haben durch die neun neuen Spieler jetzt eine komplett neu gemischte Mannschaft, mit Manuel Ehret einen neuen Innenverteidiger und starke Außenverteidiger, die auch Schnelligkeit mitbringen. Wenn wir verletzungsfrei abschneiden, haben wir das Zeug, um im oberen Mittelfeld mitzuspielen.“
Dann würde man an die Zeiten vor Corona anknüpfen, wo man die Saison 2019 bei gerade einmal 28 Gegentoren als Vierter abschloss. Auf so einen Auftritt hätte Proyer, der seine „mental gute Truppe“ durch härteres und intensiveres Training gut auf den Ligastart am 3. September vorbereitet sieht, so richtig Lust. Feiern dann gerne inklusive.