Fußball

Qualle bleibt einfach immer locker

Pascal Martin, Fußball-Schiedsrichter und TikTok-Star, sorgt gestern im Weinheimer Sepp-Herberger-Stadion für einen Massenauflauf und erfüllt ungewöhnliche Wünsche

Foto: WN

Belagerungszustand vor der Schiedsrichter-Kabine: Das gab es in früheren Zeiten im Sepp-Herberger-Stadion allenfalls dann, wenn Verantwortliche und Fußballer nach Spielschluss ihren Unmut beim Unparteiischen abladen wollten. Gestern hatte das Spiel noch gar nicht angefangen, da drängten zig Kinder um das altehrwürdige Gebäude. Und als der Schiedsrichter dann aus dem Oberfenster lugte, jubelte die Menge ihm zu: „Qualle, Qualle!“-Rufe schallten dem 21-jährigen Pascal „Qualle“ Martin entgegen. Als sich die Tür endlich öffnete, lächelte der Social-Media-Star am Schiedsrichter-Himmel fast ein wenig scheu, ehe er begleitet von seinem großen Fanclub zu den Freundschaftsspielen auf dem benachbarten Kunstrasen und mit den Mannschaften einlief.

Newsletter

Holen Sie sich den WNOZ-Newsletter und verpassen Sie keine Nachrichten aus Ihrer Region und aller Welt.

Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

Er kann auch Gelb: Pascal Martin greift durch, wo es nötig ist.
Foto: Dietmar Lohrer
Volles Haus in der Aula der Zweiburgenschule bei Qualles Vortrag.
Foto: Dietmar Lohrer
Qualle beim Einlaufen mit den Weinheimer U14-Junioren und der SG Hemsbach.
Foto: Dietmar Lohrer
Wenn der kleine Hunger kommt: Qualle kann auch Pommes essen und pfeifen.
Foto: Dietmar Lohrer
Er kann auch Gelb: Pascal Martin greift durch, wo es nötig ist.
Volles Haus in der Aula der Zweiburgenschule bei Qualles Vortrag.
Qualle beim Einlaufen mit den Weinheimer U14-Junioren und der SG Hemsbach.
Wenn der kleine Hunger kommt: Qualle kann auch Pommes essen und pfeifen.

Die Spiele selbst gerieten dabei quasi in den Hintergrund, der Stand mit Qualle-T-Shirts und Qualle-Hoodies war ständig umlagert. Und natürlich waren alle heiß auf die Autogramme des Mannes, der das Schiedsrichter-Wesen gerade revolutioniert. Erklärbar ist das Phänomen „Qualle“ auf TikTok oder YouTube nur schwer. Er bleibt eben einfach immer locker. „Ich verfolge ihn schon länger, er begegnet den Kindern auf Augenhöhe“, sagte auch Weinheims Abteilungsleiter Tobias Apfel, der Qualle für die Jugend der TSG 1862/09 Weinheim gebucht hatte. „Statt Weihnachtsgeschenken.“ Das hatte sich gelohnt.

Workshop mit 125 Kindern

Zunächst einmal hielt der Mann, der seit seinem 14. Lebensjahr Schiedsrichter aus Leidenschaft ist, einen Workshop mit 125 Kindern in der Aula der Zweiburgenschule, wo er die Kinder in seinen Vortrag immer wieder mit einbezog und auf die Bühne holte. Egal, ob ein kleiner Junge seine Schuhe anfassen oder ihm jemand die Hand geben wollte, Qualle hatte für alle Zeit. Und am Ende nahm er den Incredibles, den Inklusionskickern aus Trösel, dem Nachwuchs des SV Unter-Flockenbach, der JSG Nördliche Bergstraße und der TSG 1862/09 Weinheim einen „Eid“ ab: „Respektiert den Schiedsrichter und beleidigt ihn nicht.“ Alle schworen.

Pascal Martin freute sich über den grandiosen Empfang an der Bergstraße, würde sich aber wünschen, dass sich mehr Eltern und Trainer für sein Anliegen interessieren, denn die seien Vorbilder in Sachen Respekt.

Ein ausführlicher Bericht folgt.