S3L: erst Tabellenführer, dann Trainerrauswurf
Steffen Piffkowski ist seit Montagabend kein Trainer der Verbandsliga-Frauen mehr. Auf die Frage nach dem Warum gibt es bei Saase3Leutershausen keine klaren Antworten.
Großsachsen. Am Sonntag nach der Rückeroberung der Tabellenführung noch gut gelaunt in der Sporthalle, am Montagabend dann Rauswurf aus dem Amt: Steffen Piffkowski, Trainer von Frauenhandball-Verbandsligist Saase3Leutershausen, versteht die Welt nicht mehr. Ausgerechnet seine letzte Saison als Coach wird der Handball-Fachmann nicht mehr zu Ende bringen. „Ich wurde in 33 Jahren noch nie entlassen. Da ist es jetzt schon bitter, so gehen zu müssen“, sagte der 52-Jährige, der mit Frau und Sohn in Heddesheim lebt.
Vor anderthalb Jahren hatte der Betreiber einer eigenen Handballschule, A-Lizenz-Inhaber und ehemalige Landestrainer die HG Saase übernommen und seither 17 neue Spielerinnen an die Bergstraße geholt. Auch den neuen Weg der S3L ging Piffkowski mit, hatte aber bereits im Oktober 2024 angekündigt, dass er sein Engagement zum Saisonende beenden würde. Er gehe nicht im Bösen, hatte er damals geäußert. Aber die Enttäuschung darüber, dass er sich mehr Rückhalt von der Abteilungsführung für die Frauen im Gesamtkonstrukt S3L gewünscht hatte, war ihm anzuhören.
Schwierige Nachfolger-Suche
Seither sind Tobias Brahm und Co. auf der offenbar doch schwierigen Suche nach einem Nachfolger. Den wollen sie „in den nächsten ein, zwei Wochen“ auch endlich der Mannschaft präsentieren. „Dann, wenn der Vertrag unterschrieben ist“, sagt Brahm, der sich zu Gerüchten um Kandidaten wie Marcus Gutsche oder Peter Jano nicht äußern wollte.
Die Frage nach dem Warum zum vorzeitigen Piffkowski-Aus ist indes auch für die Abteilungsführung nicht einfach zu beantworten. „Wir hatten nach zuletzt drei Niederlagen in Serie, eine davon gleich mit 19 Toren Differenz gegen Vogelstang, angefangen, etwas genauer hinzusehen. Die Art und Weise hat uns dazu veranlasst, mit der Mannschaft zu sprechen“, sagt Tobias Brahm, der nach Gesprächen mit den Spielerinnen zu folgender Erkenntnis kam: Wir glauben, dass die Zusammenarbeit zwischen Mannschaft und Trainer nicht mehr so ist, wie sie sein müsste. Ich kann und will über Steffen gar nichts negatives sagen. Er hat eine riesige Aufbauarbeit geleistet, für die wir sehr dankbar sind. Aber irgendwann kommt eben der Zeitpunkt, an dem es vielleicht nicht mehr passt.“
Genau an diesem Zeitpunkt stört sich Piffkowski. Ja, es habe drei Niederlagen gegeben, von denen zumindest die Vogelstang-Pleite vermeidbar gewesen sei. Aber dazwischen lag die Winterpause und eben nun einmal drei Siege in Serie. Und am Sonntag die Eroberung der Verbandsliga-Spitze.
„Mannschaft versteht es nicht“
„Auch mir gegenüber wurde das von den Verantwortlichen so kommuniziert, dass es zwischen mir und der Mannschaft nicht mehr stimme. Aber die Rückmeldungen, die eingingen, nachdem ich mich in unserer WhatsApp-Gruppe von den Mädels verabschiedet habe, lassen diesen Schluss nicht zu. Die Mannschaft und auch das Funktionsteam versteht diese Entscheidung nicht.“
Auch der Mannschaftsrat habe ihm gegenüber versichert, dass man die Saison gemeinsam zu Ende habe bringen wollen. „Es ist schon schade, dass das jetzt so entschieden wurde. Aber das bestärkt mich auch in meinem Entschluss, nach dieser Saison keinen Trainerjob mehr übernehmen zu wollen und mich auf meine Familie konzentrieren zu können.“ Einen Abschied von der Mannschaft werde es dennoch geben. Privat, mit etwas Abstand.
Tobias Brahm indes verwies aufs „große Ganze“ und darauf, dass es Unmut in der Gesamtkonstellation zwischen erster und zweiter Mannschaft gegeben habe. Einige Spielerinnen hätten lieber in der zweiten Mannschaft gespielt, als in der ersten auf der Bank zu sitzen. Eventuell habe auch das leistungssportliche Selbstverständnis des Trainers und die Mentalität der Freizeithandballerinnen nicht gepasst. „Aber wie gesagt, Steffen hat super Arbeit geleistet.“
Es bleiben viele Fragen offen, unter anderem die, wie die Mannschaft, die am Dienstagabend offiziell über das Aus informiert wurde, reagieren wird. Piffkowski ist sich sicher, dass sein Ex-Team in den noch ausstehenden sechs Spielen das Zeug hat, die Meisterschaft zu holen. Tobias Brahm schätzt die Lage bezüglich der kommenden Saison so ein, dass das Gros der Mannschaft gehalten werden kann. Für das Heimspiel Samstag um 20 Uhr im gegen Handschuhsheim soll eine vereinsinterne Trainerlösung her. Zweitmannschaftstrainerin Lisa Stein ist erste Kandidatin. Ob des Trubels keine dankbare Aufgabe in einer ohnehin schon bewegten S3L-Premierensaison.