Todesfall beim Rad-Chaos trübt starke Weinheimer Ergebnisse
Die herausragende Leistung von drei Triathleten der TSG 1862 wird beim Ironman Barcelona überschattet. Felix Swiczinsky qualifiziert sich als starker Vierter für die WM auf Hawaii
Bei der neunten Auflage des Ironman Barcelona erreichten die Triathleten der TSG Weinheim Team Radsport Wagner, Felix Swiczinsky, Moritz und Bernd Kordes, die Plätze vier und fünf in ihren jeweiligen Altersklassen. Überschattet wurde der Erfolg von einem tragischen Unfall auf der Radstrecke, bei dem ein Athlet ums Leben kam.
Der Wettbewerb im 56 Kilometer nordöstlich von Barcelona gelegenen Badeort Calella an der katalanischen Costa del Maresme vereint zwei Rennen, den Ironman über die Langdistanz (3,8 Kilometer Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen) und den Ironman 70.3, für den jeweils die halbe Distanz absolviert werden muss. Bei idealen Temperaturen begaben sich laut Veranstalter 4500 Dreikämpfer aus 82 Ländern an den Start. Darunter auch Moritz Kordes (Altersklasse M30-34), Felix Swiczinsky (AK M40-44) und Bernd Kordes (AK M65-69) von der TSG 1862, die allesamt die volle Distanz in Angriff nahmen.
Gerade noch im Neopren
Bei einer Wassertemperatur von 23,7 Grad Celsius, die gerade noch das Tragen eines Neoprenanzugs erlaubt hat, begaben sich die Athleten in das klare, leicht wellige Wasser des Mittelmeers. Neben der hohen Athletendichte machte den Weinheimern die Strömung zu schaffen. Gegen diese mussten sie auf einer Länge von circa 1,8 Kilometern ankämpfen. Moritz Kordes stieg in seiner Paradedisziplin nach 57:02 Minuten auf Platz 19 der Gesamtrangliste und Rang 9 in seiner Altersklasse aus dem Wasser. Kurz danach überquerte Felix Swiczinsky den Strand in die erste Wechselzone (1:01:23, AK-Rang 11). Mit 1:21:45 befand sich Bernd Kordes auf einem hervorragenden dritten Platz seiner Altersklasse.
„Es wäre noch mehr gegangen“, erzählt Felix Swiczinsky, „aber die Taktik war, es etwas entspannter angehen zu lassen, weil ich genau wusste, was noch alles kommt.“ Der Radkurs führte die Triathleten auf einer Wendepunktstrecke über drei Runden entlang der Costa del Maresme. Die ersten und letzten drei Kilometer der mit 1000 Höhenmetern als wellig zu bezeichnenden Strecke waren als „technical section“, frei übersetzt: technisch anspruchsvoll, gekennzeichnet und mit Aerolenkerverbot versehen.
Unverantwortliche Strecke
„Der Aerolenker bietet enorme Aerovorteile auf ebenen Strecken, erschwert aber die Radkontrolle, sobald der Untergrund unruhig ist. Da ist man gut beraten, wenn man die Hände an den Außenlenker nimmt“, erklärt Teamkapitän Micha Wagner. Entgegen dem Sinn eines Rennens mussten die Radfahrer auch noch auf Speedbumps achten, die die Konzentration der Teilnehmer extrem forderten. Bernd Kordes verlor bereits auf diesem Abschnitt seine zwei am Sattel befestigten Trinkflaschen. Zudem war die Dichte an Radfahrern sehr hoch.
„Es war absurd voll auf der Strecke, und ich musste teilweise in Zweierreihe fahrende Athleten überholen. Dazu waren kritische Streckenabschnitte wie Kreisel nicht angezeigt“, klagte Bernd Kordes. Der durch die Wendepunkte erzeugte Gegenverkehr führte zu einem tragischen Zusammenstoß zweier entgegengesetzt fahrender Athleten, der für einen der beiden tödlich endete. „Unverantwortlich“, fand Felix Swiczinsky Streckenführung und -sicherung. „Es waren in der ersten Runde auch keine Schiedsrichter auf der Strecke, die die Spurdisziplin, Abstände und das Windschattenverbot hätten kontrollieren können. Die kamen erst ab der zweiten Runde zum Einsatz, nachdem sich das Geschehen etwas gelichtet hatte.“
Viel zu voll
Vater und Sohn Kordes konnten eine blaue Karte wegen Windschattenfahrens und damit eine Zeitstrafe von jeweils fünf Minuten nicht vermeiden. „Es war einfach zu voll“, sagte Moritz Kordes nach dem Rennen. Der Ticker blieb nach dem Radsplit für Felix Swiczinsky bei 4:49:37 (AK Rang 9), für Moritz Kordes nach 5:04:30 Stunden (AK Rang 15) und für Bernd Kordes nach 5:57:51 (AK Rang 3) stehen, alles in allem hervorragende Ergebnisse.
Platz vier reicht für Hawaii
Im nachfolgenden Marathon entlang der Küste gaben die Weinheimer noch einmal alles. Die sensationelle Zeit von 3:21:16 reichte Felix Swiczinsky mit Platz vier seiner Altersklasse (Rang 28 im Gesamtfeld) jedoch nicht für das Treppchen. „Ich konnte zwar zwischendurch auf Platz zwei vorlaufen, musste der Hitze aber Tribut zollen. Dass ich nicht auf dem Treppchen stand, war zwar schade, aber nicht schlimm“, sagte der Weinheimer, der auch bei den Weinheim Trails weit vorne landete. Der Grund: Am nächsten Tag bei der „Slot Allocation, also der WM-Ticket-Vergabe, erfuhr Swiczinsky, dass der vierte Platz die Qualifikation für die WM auf Hawaii bedeutet!
Moritz Kordes brachte den Marathonlauf in 4:10:20 Stunden hinter sich, AK Rang 33, Platz 511 des Gesamtfeldes. Mit Gänsehaut erzeugendem Applaus wurde Bernd Kordes nach 5:46:06 Stunden an der Ziellinie auf dem Strand von Calella empfangen. Rang fünf seiner Altersklasse (Platz 1321 im Gesamtklassement) war ein toller Erfolg. jwe