TSG 1862: Kleines "gallisches Dorf" als Talentschmiede
Das 25. Internationale Bergstraßen-Nachwuchsturnier der TSG 1862 Weinheim lockt 260 Talente in die TSG-Halle. Am Wochenende lockt schon der nächste Höhepunkt
Die Fechtabteilung der TSG 1862 Weinheim hat nicht nur als Talentschmiede in internationalen Fecht-Arenen einen hervorragenden Ruf. Am Wochenende zog es auch Nachwuchsfechter aus neun Nationen einmal mehr in die TSG-Halle. Zum 25. Mal luden die Weinheimer zum Internationalen Bergstraßenturnier für Fechter unter 15 Jahren. Mit 260 Jungen und Mädchen an den beiden Tagen erreichte die Teilnehmerzahl damit Vor-Corona-Niveau.
Vivian Kraft beste Weinheimerin
Weil die TSG 1862 nicht nur hervorragender Gastgeber, sondern auch Produzent von Spitzentalenten ist, durften sich die Bergsträßer über eine Finalteilnahme freuen: Vivian Kraft (Jahrgang 2009) musste sich nach einem starken Tag erst im Finale Kseniia Klimuk (Hanau) 11:15 beugen. Ein paar Tränchen flossen, doch Trainerin Sandra Bingenheimer war sehr zufrieden. „Sie hat sich super bewegt, ein erstklassiges Turnier gefochten und eine sehr stabile Leistung gezeigt. Darauf können wir für die Deutsche Meisterschaft aufbauen“, sagt die Frau, die den Nachwuchs der TSG zusammen mit dem Italiener Andrea Magro betreut.
Spitzentrainer für Top-Nachwuchs
„Bis auf Tokio war er seit 1992 auf allen Olympischen Spielen als Nationaltrainer vertreten. Wir sind sehr stolz, dass er sich für Weinheim entschieden hat und hoffen natürlich, dass wir ihn auch hier halten können“, sagt Michael Hohenadel, Förderkreisvorsitzender des Weinheimer Fechtnachwuchses. Er ist auch Organisationschef des Bergstraßen-Turniers, das er schon zusammen mit dem ehemaligen Abteilungsleiter Hartmut Ellwanger betreut und groß gemacht hat.
Dass es eine so kleine Abteilung wie die TSG 1862 immer wieder schafft, sich in der deutschen Spitze zu behaupten und sogar Nationalfechter auszubilden – zuletzt war mit Luis Klein ein Weinheimer sogar bei Olympia in Tokio dabei – sagt viel über die Weinheimer Vormachtstellung im Florettbereich.
Andrea Magro war ebenso vor Ort wie Maxine Esteban, mit der der Erfolgscoach gerade die Qualifikation für die Olympischen Spiele geschafft hat. Die Philippinin mit Startrecht für die Elfenbeinküste macht sich in Weinheim fit für Paris. „Und sie ist sich auch nicht zu schade, bei einem Schülerturnier zu jurieren“, sagt Hohenadel und zeigt auf die Planche, auf der gerade das Halbfinale der U15-Herren ausgetragen wird. Bei einem Randsport wie dem Fechten ist Zusammenhalt wichtigste Zutat im Erfolgsrezept. „Und natürlich die Eltern. „Sie betreiben einen riesigen Aufwand, um den Kindern diesen tollen Sport zu ermöglichen“, sagt Hohenadel, der als Vater der aktuell siebtbesten deutschen Fechterin weiß, wovon er redet. Eben mal für einen Weltcup nach Hongkong zu fliegen – das muss man sich leisten können. Und das muss auch leistbar sein. Dafür ist der Förderkreis da.
Turnier in der Bonhoeffer-Schule
Dafür – und eben auch für die Ausrichtung hochklassiger Turniere und Meisterschaften. Für das Bergstraßenturnier reicht die TSG-Halle noch aus. Am Wochenende jedoch müssen die Fechter umziehen in die Sporthalle der Bonhoeffer-Schule. Kurzfristig ist Weinheim für Cottbus als Ausrichter des DFB-Turniers für die besten deutschen aktiven Fechterinnen und Fechter eingesprungen. Auf 16 Bahnen geht es um wichtige Qualipunkte für die deutsche Rangliste. Eine Premiere für Weinheim. Doch auch das werden die routinierten Alleskönner bewältigen. 72 Damen und 99 Herren werden in Weinheim zu Gast sein, die TSG 1862 hat mit 14 Starterinnen und Startern selbst aussichtsreiche Kandidaten für die Entscheidungen im Rennen. Für die Bergsträßer in jedem Fall nicht nur Heimvorteil, sondern auch eine richtig gute Generalprobe für die eine Woche später stattfindende DM, wo Weinheimerinnen und Weinheimer inzwischen schon fast traditionell auf dem Treppchen stehen.
Im jüngeren Nachwuchsbereich war das am Wochenende nur bei Vivian Kraft der Fall. „Wir haben durch die Corona-Zwangspause in den jüngeren Jahrgängen noch die eine oder andere Lücke“, sagt Hohenadel. Und Sandra Bingenheimer ergänzt: „Interessierte Jungs und Mädchen sind gerne noch willkommen.“ Bei entsprechendem Engagement ist der Name TSG 1862 Weinheim mittlerweile fast ein Garant für Erfolg.
Die Sieger
Sieger der U15-Herren in Weinheim wurde Michel Mäder (Freiburg), die U13 gewann Yihang Huang (Schwäbisch Gmünd), bei den U13-Mädchen hatte die für das elsässische Haguenau startende Polin Lena Kuzas die Nase vorn. Sieger der U11 wurden Elisabeth Bejzel (Stuttgart) und David Menzel (Fürth). Für die TSG-Talente Yining Xu (W13, 30.), Viktor Said Solich (M13, 14.)Ole Kornberger (M13, 16.), Jasper Kraft (M13, 18.), Serra Topcu (W11, 19.), Anna-Catharina Kogel (W11, 21.) und Jan Eichmann (M15, 14.) ging es darum, Erfahrung zu sammeln.