TSV Sulzbach und Trainer Ümit Erdem trennen sich zum Saisonende
Im Sommer 2023 hatte der 37-Jährige den TSV zurück in die A-Klasse geführt, sein Vertrag lief eigentlich noch bis Sommer 2026. Warum beide Seiten nun die Reißleine ziehen und dennoch davon überzeugt sind, dass es in der Rückrunde aufwärts geht.
Sulzbach. Seit viereinhalb Jahren leitet Ümit Erdem die sportlichen Geschicke bei Fußball-A-Klassist TSV Sulzbach. Und eigentlich war ausgemacht, dass die Zusammenarbeit zwischen dem 37 Jahre alten Pädagogen aus Viernheim und dem Verein aus dem Weinheimer Stadtteil insgesamt sechs Jahre andauern wird – mindestens. Im Dezember 2023 hatten sich beide Seiten schließlich auf eine vorzeitige Verlängerung um gleich zwei Jahre bis Sommer 2026 geeinigt.
Erdem, der den TSV über die Relegation gegen BW Mannheim und den SV 98 Schwetzingen II im Sommer 2023 zurück in die A-Klasse geführt hatte, sollte einen Umbruch einleiten und die „doch recht erfahrene Mannschaft“, wie der Coach selbst einräumt, sukzessive verjüngen.
B-Klasse ab sofort ohne Sulzbach II
- Nach der Trennung von Trainer Ümit Erdem zum Saisonende hat der TSV Sulzbach in der Winterpause eine weitere richtungweisende Entscheidung getroffen: „Wir haben uns dazu entschlossen, unsere zweite Mannschaft vom Spielbetrieb in der B-Klasse zurückzuziehen“, sagt Vorstandsmitglied Andreas Spether.
- Neben dem unzufriedenstellenden Verlauf der Hinrunde mit nur einem Sieg aus 14 Spielen und dem Überwintern auf dem letzten Tabellenplatz sei es in erster Linie die angespannte Personalsituation gewesen, die den Verein zu diesem Schritt veranlasst habe, erklärt der Funktionär, der eine gravierende Entwicklung ausgemacht hat: „War es früher oft so, dass die Jungs sonntags spielen, aber unter der Woche nicht trainieren wollten, so ist es heute genau umgekehrt.“
- Einige Spieler aus dem bisherigen Kader der Reserve wurden in die erste Mannschaft hochgezogen, andere haben den Verein in der Winterpause verlassen.
- Alle Spiele des TSV II wurden bereits aus der Wertung genommen, am Tabellenbild der B-Klasse hat sich kaum etwas geändert.
Vereinbart war aber auch, dass man sich im Winter 2024/25 zusammensetzt, die ersten vollzogenen Schritte des Umbruchs analysiert und die Ziele danach anpasst oder neu definiert. Hierbei sind dann unterschiedliche Auffassungen offenkundig geworden, betonen sowohl TSV-Vorstandsmitglied Andreas Spether als auch Erdem im Gespräch mit dieser Redaktion. Das Ergebnis: Schon ab Sommer 2025 gehen der TSV Sulzbach und sein langjähriger Trainer getrennte Wege.
„Sauberer, fairer Schnitt“
Dies geschieht im beiderseitigen Einvernehmen und ohne Groll, wie beide Seiten betonen. „Wir konnten uns einfach nicht über die künftige Ausrichtung verständigen“, so Spether. „Nach dann fünf Jahren und einer wirklich guten Zusammenarbeit brauchen beide Seiten wohl einfach eine Veränderung.“
Erdem sieht dies ähnlich. „Es ist nichts Schlimmes vorgefallen. Wir haben schlichtweg festgestellt, dass ein sauberer, vor allem aber fairer Schnitt wahrscheinlich die beste Lösung darstellt. Von meiner Seite werden deshalb keine bösen Worte fallen, ich bin fein mit der Entscheidung“, sagt der Inhaber der B+-Lizenz.
„Ich war ohnehin schon hoch motiviert, diese Seuchenhinrunde vergessen zu machen, jetzt bin ich es noch einmal eine Portion mehr.“ (Ümit Erdem)
„Auf die laufende Runde hat diese Entscheidung keinen Einfluss“, betont derweil Andreas Spether ausdrücklich. Der Funktionär ist vielmehr davon überzeugt, dass Erdem das Ruder nach einer eher durchwachsenen Hinrunde mit nur vier Siegen und drei Unentschieden (Tabellenplatz 13, punktgleich mit dem SC Blumenau auf dem Relegationsplatz) noch einmal herumreißen und den TSV ins gesicherte Mittelfeld der Tabelle führen kann. Nichts anderes hat sich auch der scheidende Übungsleiter zum Ziel gesetzt: „Ich war ohnehin schon hoch motiviert, diese Seuchenhinrunde vergessen zu machen, jetzt bin ich es noch einmal eine Portion mehr.“
"Ich bin offen für alles"
Er wolle den TSV Sulzbach als „etablierten A-Klassen-Verein“ an seinen Nachfolger übergeben, sagt Ümit Erdem – auch mit Blick auf die persönliche Zukunft. Denn natürlich weiß er, dass er fortan „auf dem Markt“ ist und sich mit einer guten Rückrunde für andere Vereine empfehlen kann. „Ich bin alles andere als ausgebrannt, brauche definitiv kein Sabbatical“, scherzt er – und sagt abschließend: „Ich bin offen für alles und schaue jetzt einfach mal, was die Zukunft bringt.“
Und der TSV? Der ist auf der Suche nach einem Nachfolger für seinen Aufstiegstrainer offenbar schon recht weit. „Die Gespräche laufen vielversprechend. Es kann sein, dass wir schon in den nächsten Tagen Vollzug vermelden können“, berichtet Andreas Spether.