Fußball

"Wir sind ein offener und liberaler Verein"

Der Vorstand des TSV Sulzbach bedauert den Regelverstoß vom Sonntag und stellt sich schützend vor seinen Torhüter, der mit der Nummer 88 aufgelaufen war.

Ab sofort wird der Torwart des TSV Sulzbach II wieder die übliche Rückennummer 1 auf dem Trikot tragen. Foto: Adobe Stock
Ab sofort wird der Torwart des TSV Sulzbach II wieder die übliche Rückennummer 1 auf dem Trikot tragen.

Der Schock sitzt immer noch tief bei den Verantwortlichen des TSV Sulzbach, seit sie am Mittwoch die Nachricht des Badischen Fußballverbandes über den Regelverstoß beim 1:0 der TSV-Reserve gegen Rippenweier am vergangenen Sonntag erhalten haben. Der Sulzbacher Torwart hatte in der Partie das Trikot mit der in Deutschland verbotenen Rückennummer 88 getragen, was insbesondere in den sozialen Medien große Wellen schlug.

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Erst durch die Mitteilung des Verbandes und die Berichterstattung dieser Zeitung sei man sich der Bedeutung der Zahl – die „88“ wird in Neonazi-Kreisen als Code für den verbotenen Gruß „Heil Hitler“ verwendet – bewusst geworden, versichert die Vereinsspitze um Martin Jakob und Andreas Spether in einer Stellungnahme.

Verein und Spieler sehen sich seitdem zu Unrecht „in ein rechtspolitisches Umfeld“ gerückt – obwohl sich bereits Matthias Seiler, Trainer der TSV-Reserve, im Gespräch mit dieser Zeitung mit großer Empathie schützend vor seinen Spieler gestellt hatte. „Wer die familiäre Biographie und den Menschen kennt, weiß dass eine solche Gesinnung nicht zu ihm passt“, fügt das Vorstandsduo nun noch einmal in aller Deutlichkeit hinzu.

„Unser Spieler wie auch der Verein sind diesem Kreis nicht zuzuordnen. In unseren Mannschaften spielen Menschen mit unterschiedlichen Nationalitäten. Wir als Verantwortliche und als gesamter Verein distanzieren uns von rechtspolitischen Haltungen und stehen als offener liberaler Verein für unsere Werte ein.“ (Vorstand des TSV Sulzbach)

Glaubhaft und authentisch hatte der Übungsleiter zudem im Namen des gesamten Vereins versichert: „Wir distanzieren uns ganz klar von rechtem Gedankengut.“ Und auch die Vorstandsmitglieder betonen ausdrücklich: „Unser Spieler wie auch der Verein sind diesem Kreis nicht zuzuordnen. In unseren Mannschaften spielen Menschen mit unterschiedlichen Nationalitäten. Wir als Verantwortliche und als gesamter Verein distanzieren uns von rechtspolitischen Haltungen und stehen als offener liberaler Verein für unsere Werte ein.“

Im persönlichen Gespräch mit dieser Redaktion fügt Jakob überdies hinzu: „Die dunkle deutsche Vergangenheit der Nazi-Zeit sollte Mahnung für alle sein.“

"Absolut unauffälliger Verein"

Gestützt wird die aufrichtige Haltung der Verantwortlichen von der Aussage des stellvertretenden Vorsitzenden des Mannheimer Fußballkreises, Michael Mattern, der den TSV als „absolut unauffälligen Verein“ bezeichnet. Und daran soll sich nach Angaben des Vorstands auch nichts ändern. „Der TSV 1887 Sulzbach e.V. wird sich auch in Zukunft an seine Grundsätze der politischen Neutralität halten“, kündigen Jakob und Spether an.

Dass der Keeper die Rückennummer 88 getragen habe, sei derweil auf mehrere Gründe zurückzuführen, so Martin Jakob. „Er ist Fan des früheren italienischen Nationaltorhüters Gianluigi Buffon, der selbst seine Karriere mit der 88 startete“, sagt er. Zugleich habe der Spieler die Zahl bei der Beflockung des Trikots vor drei Jahren „als Glückszahl, ohne politische Hintergedanken und vor dem Verbot ausgesucht“.

Verbot wurde kommuniziert

Gleichwohl räumen Jakob und Spether den Fehler ein, das Tragen des Trikots im Vorfeld nicht untersagt zu haben – zumal das Verbot „in der Staffelsitzung 2023/24 kommuniziert“ worden sei. „Es ist richtig, dass er mit dieser Rückennummer nicht hätte auflaufen dürfen“, heißt es vonseiten des TSV-Vorstands.

Es ist überdies einem unglücklichen Zufall geschuldet, dass das Jersey am Sonntag überhaupt „zum Einsatz“ kam. Martin Jakob: „Eigentlich treten wir schon seit längerer Zeit gar nicht mehr mit höheren Trikotnummern an. Der Spieler hatte eigentlich schon seine Laufbahn beendet, wurde aber in der Sommerpause noch einmal reaktiviert. Dass er jetzt gleich gespielt hat, war der Vakanz auf der Torhüterposition geschuldet. Für den Einsatz hat er dann sein altes Trikot wieder verwendet, was niemandem am Spieltag aufgefallen war.“

„Wir entschuldigen uns für diesen unrühmlichen Vorfall und den Regelverstoß, insbesondere wenn wir Gefühle verletzt haben und sorgen dafür, dass sich dies in Zukunft nicht wiederholt.“ (Vorstand des TSV Sulzbach)

Abschließend stellen die Sulzbacher Funktionäre noch einmal klar: „Wir entschuldigen uns für diesen unrühmlichen Vorfall und den Regelverstoß, insbesondere wenn wir Gefühle verletzt haben und sorgen dafür, dass sich dies in Zukunft nicht wiederholt.“