Sommerfest der Weinheimer Segelflieger: Die Blechbixx ist startklar
Pilotin Nicole Allendorf-Ostwald bietet mit ihrem Dämmerungskunstflug wieder eine von vielen Attraktionen des LSV-Sommerfestes.
Eigentlich rauscht die Pilatus B4 bei einem Kunstflug erst in die Tiefe, wenn sie von einem Schleppflugzeug auf 1200 Meter hochgezogen wurde. Für eine Vorstellung des 1974 erbauten Segelflugzeugs, das im Weinheimer Luftsportverein (LSV) liebevoll als „Blechbixx“ bezeichnet wird, lassen es seine Pilotin Nicole Allendorf-Ostwald und Segelflugreferent Oliver Welker in der Halle mit einem elektrischen Lift sanft vom Hallendach auf den Boden. Am Abend des 7. September wird der Flieger bei seinem Dämmerungskunstflug als eine der Hauptattraktionen des zweitägigen LSV-Sommerfestes von Hunderten Zuschauern am Boden wieder bestaunt.
Blechernes Geräusch
„Wir nennen unsere B4 Blechbixx, weil sie als Ganzmetallflugzeug beim Flug manchmal ein blechernes Geräusch von sich gibt“, sagt Nicole Allendorf-Ostwald. Der Segler ist ihr nicht nur wegen seiner gutmütigen, zuverlässigen Flugeigenschaften regelrecht ans Herz gewachsen. Die Pilatus steht sozusagen für eine Ära im LSV, seit sie nach dem ersten Segelkunstfluglehrgang des Vereins im Jahr 2007 von einer privaten Haltergemeinschaft aus neun Piloten gekauft wurde. Seit sie in Weinheim ist, hat die Pilatus rund 1000 Starts und 1000 Flugstunden mehr auf dem Buckel als bei ihrem Kauf.
Vor rund zehn Jahren wurden schließlich Segelkunstflüge bei den Sommerfesten in Weinheim zu besonderen Attraktionen im Programm. Am Samstag und Sonntag, 7. und 8. September, wird Segelkunstflugausbilder Udo Lensker beim Tagesprogramm und Nicole Allendorf-Ostwald am Samstagabend mit der „Blechbixx“ tollkühne Figuren an den Himmel zaubern.
Die Pilotin geht langsam um den Segler, der eine Spannweite von 15 Metern aufweist. Dabei zeigt sie, was alles vor einem Start geprüft wird. Unter anderem, ob die Querruder des 6,6 Meter langen Flugzeugs auch reibungslos funktionieren. Ist der Einsitzer eigentlich bequem? „Ja, das finde ich schon“, sagt sie, und Oliver Welker fügt augenzwinkernd hinzu: „Wenn man erstmal drinsitzt.“
Im Cockpit der Pilatus B4
Für den Laien bietet sich im Cockpit der Pilatus B4 erstmal ein verwirrendes Bild aus mehreren runden Kontrollanzeigen. Besonders wichtig sind der Höhenmesser oder der Fahrtmesser wie die Piloten den Tacho nennen, auf dem der Zeiger beim Flug bis zu 240 Kilometer pro Stunde ausschlagen kann. Ein Variometer zeigt die Steig- und Sinkraten des Fliegers in Meter pro Sekunde an. Interessant ist der Gravitationsmesser, der bei diesem Kunstflugsegler bis zu plus 7g gehen kann. Dabei wirken Kräfte auf den Körper, die stärker sind als in der Achterbahn Silver Star im Freizeitpark Rust.
Udo Lensker und Nicole Allendorf-Ostwald haben für ihre Kunstflüge beim Sommerfest eine Sondergenehmigung. Normalerweise muss eine Vorführung in 450 Metern Höhe enden. Beide dürfen bis 100 Meter runter. Gleichwohl ist Sicherheit erstes Gebot. Beim Dämmerungsflug wird minutiös der richtige Zeitpunkt für den Start eingehalten, denn es darf weder zu dunkel werden noch zu hell sein, um für die Zuschauer die besonderen Effekte bieten zu können, die von Anna Lensker, dem jüngsten Mitglied der Kunstfluggruppe des LSV, vorbereitet werden.
Um weitere Sicherheitskriterien zu erfüllen, muss die Pilotin 13 Kunstflug-Trainingsstarts aus den vergangenen drei Monaten vorweisen, davon drei Starts in den vergangenen vier Wochen vor dem Sommerfest. Auch wenn das Lampenfieber immer dabei ist, ehe sie startet, freut sich Nicole Allendorf-Ostwald schon auf den spektakulären Abendflug.
Mit der Pilatus 45 Grad abwärts
Am hoffentlich wolkenlosen Abendhimmel wird sie bei einem „Humpti-Bump“ mit der Pilatus mit Schwung senkrecht in die Höhe schießen, bis sie vorübergehend fast zum Stehen kommt. Auch mit der kubanischen Acht, bei der sie einen Dreiviertellooping dreht und mit der Pilatus 45 Grad abwärts auf dem Rücken fliegt, wird sie das Publikum begeistern. Bis dahin darf sich die „Blechbixx“ aber noch an ihrem bequemen Ort an der Decke der Fliegerhalle des LSV ausruhen.